Moritz Wagner: Der neue Dirk Nowitzki?

Moritz Wagner jagt den großen Traum: Der neue Dirk Nowitzki?

Mit starken Leistungen beim Finalturnier der US-Collegeliga NCAA hat der Berliner Moritz Wagner auf sich aufmerksam gemacht. Schon bald könnte sein Weg in die Profiliga NBA führen.

Die erste Begegnung als Kind mit seinem Vorbild Dirk Nowitzki ist Moritz Wagner in keiner guter Erinnerung. "Ich habe ein Foto davon", sagte das deutsche Basketball-Talent über ein Treffen mit dem Star der Dallas Mavericks: "Es ist ein schreckliches Bild, und ich bin so klein verglichen mit ihm."

Körperlich hat der Berliner mittlerweile aufgeschlossen, und nach bärenstarken Leistungen beim Finalturnier der US-Collegeliga NCAA ist er auf dem besten Weg, auch auf dem Parkett ein Großer zu werden. Der Sprung in die Profiliga NBA rückt immer näher.

Bereits im vergangenen Jahr stand "Moe" Wagner nur einen Schritt vor der Erfüllung seines großen Traums. Nach der College-Saison im April hatte sich der Power Forward der Michigan Wolverines für die alljährliche Talentverteilung der NBA (Draft) angemeldet. Doch Wagner zog wenig später zurück, um an der University of Michigan weiter an seinem Spiel zu feilen.

Nun aber scheint die Zeit reif zu sein. Die jüngste Kostprobe seines Könnens lieferte der 2,11-m-Riese bei der "March Madness", wo 68 Mannschaften aus über 300 US-Colleges über drei Wochen hinweg ihren Meister ermitteln. Im Halbfinale gegen die Loyola Ramblers (69:57) war es Wagner als drittem Spieler nach den späteren NBA-Legenden Hakeem Olajuwon (1983) und Larry Bird (1979) in den vergangenen 40 Jahren gelungen, in einem Final-Four-Spiel mindestens 20 Punkte und 15 Rebounds zu verbuchen (24/15).

Zuvor hatten die Wolverines schon zum zweiten Mal nacheinander beim "Big-Ten"-Turnier triumphiert, Wagner war dabei als bester Spieler ausgezeichnet worden. Mit seinen 20 Jahren gehört der ehemalige Jugendspieler von Alba Berlin zu den Leadern der Mannschaft.

Zahlreiche US-Experten vergleichen ihn bereits mit dem deutschen Vorzeige-Basketballer Nowitzki, die Ähnlichkeiten liegen auf der Hand. Wagner bringt wie der Würzburger (2,13 m) eine enorme Körpergröße mit, spielt ebenfalls als Power Forward, trifft regelmäßig von jenseits der Dreierlinie und präsentiert gelegentlich Schwächen in der Defensive.

"Er ist mein Vorbild, was den Wurf betrifft", sagte Wagner über den 39-Jährigen. Und auch Nowitzki sind die Leistungen des Talents nicht verborgen geblieben. "Ich sehe dich", twitterte er nach Wagners Halbfinal-Gala und spielte damit auf eine mögliche Zukunft in der NBA an.

Ein Nowitzki-Klon ist Wagner aber freilich nicht: Anders als der Champion von 2011 feiert er wichtige Treffer überschwänglich, lässt seinen Emotionen freien Lauf und provoziert auch gerne mal seine Gegner. Auch deswegen schwärmte der Berliner als Kind für Kevin Garnett. "Er ist offensichtlich ein bisschen verrückt im Kopf", sagte Wagner über den 15-maligen Allstar: "Ich mag das, weil ich da draußen ebenfalls ein bisschen verrückt bin."

Nach dem Finalturnier könnte Wagner noch ein viertes College-Jahr in Ann Arbor absolvieren. Doch die Experten sind sich mittlerweile einig, dass er gute Chancen besäße, beim kommenden Draft von einem der 30 NBA-Teams ausgewählt zu werden. Dabei wäre die große Basketball-Karriere in Nordamerika beinahe schon geplatzt, bevor sie begonnen hatte.

Nachdem Michigan-Coach John Beilein 2014 auf den jungen Deutschen aufmerksam geworden war, kontaktierte er diesen per Mail - doch seine Nachricht landete im Spam-Ordner. Erst nach knapp zwei Wochen entdeckte Wagner die Mail und beurteilte diese als "richtig gute Chance". Es scheint, als hätte Wagner diese genutzt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Moritz Wagner wirft Michigan im Alleingang ins NCAA-Finale

(can)
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