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MLB: Virologe eröffnet Baseball-Saison

Start ins Ungewisse : Virologe eröffnet Baseball-Saison

Wenn der Virologe Anthony Fauci am Donnerstag die Saison der Major League Baseball eröffnet, endet zunächst ein erbitterter Streit zwischen Klubs und Spielern. Der Großteil der Probleme bleibt aber ungelöst.

Monatelang wurde gestritten, vor allem ums Geld, doch so ganz nebenbei auch um den Umgang mit dem Coronavirus. Dass nun der renommierte Virologe Anthony Fauci symbolisch die stark verkürzte Saison der Baseball-Profiliga MLB eröffnet, ist sinnbildlich - und zugleich ironisch. Mit Faucis Wurf vor dem Saisoneröffnungsspiel zwischen Titelverteidiger Washington Nationals und Rekordmeister New York Yankees am Donnerstag enden Ungewissheit und Streit, doch die Probleme von America's Pastime, Amerikas liebstem Zeitvertreib, sind nur vertagt.

Immerhin: Der erste Sommer ohne Profi-Baseball seit Gründung der National League 1876 konnte gerade noch verhindert werden. Allerdings: Wegen Corona und des anhaltenden Streits zwischen den Spielern und den Klubbesitzern um die Bezahlung wird jede der 30 Mannschaften nun lediglich 60 statt 162 Spiele in der "regular season" bestreiten, gefolgt von den Play-offs nach bekanntem Muster bis zur World Series. Schon jetzt ist klar: Danach wird gleich wieder um einen neuen Rahmentarifvertrag gestritten werden, was das Zeug hält.

Auch die verkürzte Saison ist problembeladen. Zahlreiche Trainingseinheiten in der Vorbereitung wurden wegen zu lange dauernder Auswertung der Coronatests abgesagt - die Spieler zeigten sich verunsichert und unzufrieden. Einige verzichten gar auf die Saison, wie etwa Star-Werfer David Price. "Nach reiflicher Überlegung und Diskussion" habe er sich seiner und der Gesundheit seiner Familie zuliebe entschieden, die Saison lieber auszulassen, teilte der 34 Jahre alte Pitcher der Los Angeles Dodgers mit.

Die MLB geht ohnehin ein Wagnis ein. Im Gegensatz zu den Profiligen NBA (Basketball) und MLS (Fußball), die ihre Saison im Juni und Juli auf dem gewaltigen Areal von Disney World in Orlando/Florida unter strengen Hygieneauflagen in einer "bubble" (Blase) fortsetzen, spielen die MLB-Klubs in ihren heimischen Stadien ohne Publikum. Die Anzahl der Reisen soll durch eine einmalige regionale Neuordnung der Divisionen auf ein Minimum reduziert werden.

Der Plan ist zumindest für eine Mannschaft aber schon Makulatur. Die Toronto Blue Jays, einziger MLB-Klub aus Kanada, haben bereits vor dem Saisonstart ein massives Problem. Längst war ihr Rogers Centre für die Heimspiele vorbereitet, als Kanadas Regierung am vergangenen Samstag verfügte: Mannschaften aus den USA dürfen nicht einreisen. Die Blue Jays werden also rüber in die USA müssen, wohin, ist nach wie vor unklar. Pittsburgh ist als Ersatzheimat im Gespräch, die letzte Option wäre Buffalo, wo das Farmteam der Franchise beheimatet ist. Der Ballpark dort ist freilich nicht gerade MLB-tauglich.

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Aber Hauptsache, es kommt wenigstens ein bisschen Geld herein. Vom jährlichen Umsatz von 10,5 Milliarden US-Dollar haben sich die 30 Klubs längst verabschiedet, durch die verkürzte Saison retten sie nun aber immerhin einen Teil der Sponsoreneinnahmen sowie der landesweiten TV-Gelder von 1,6 Milliarden US-Dollar. Zugleich werden auch die Spieler nur anteilig bezahlt werden, weshalb deren Gewerkschaft sich lange Zeit stur weigerte, eine Saison mit nur 60 Spielen in Erwägung zu ziehen.

Nun also wird wieder geschlagen, gefangen, geworfen und gerannt - doch auch mit Symbolfigur Fauci bleibt die Frage: Wie lange wird das gut gehen?

(sid/old)