1. Sport
  2. US-Sport
  3. MLB

Laut Medienberichten: Vier weitere Coronafälle bei den Marlins - Gesamtzahl bei 17

Ein "Albtraum" für die MLB : Das Virus greift um sich, der Kollaps droht

Infizierte Spieler, verschobene Spiele, große Ungewissheit: Die neue, verkürzte Saison der Major League Baseball in den USA hat kaum begonnen, da steht sie schon wieder infrage.

Rob Manfred klang wie einer, der in einer anderen Welt lebt - in einer Welt fernab der Realität. Manfred ist der Chef der nordamerikanischen Baseball-Profiliga, und es schien ihn zunächst nicht zu beunruhigen, dass Ungemach droht. Die Major League Baseball ist nur wenige Tage nach dem Restart in heller Aufregung: Infizierte Spieler bei den Miami Marlins könnten bald die gesamte Liga lahmlegen, erste Spiele mussten bereits verschoben werden, doch Manfred behauptet kühn: "Ich stecke das nicht in die Kategorie Albtraum." Nein?

Mindestens 17 Mitglieder der Franchise hatten sich bis Dienstag infiziert. Die MLB bestätigte die Zahlen nicht, sagte aber alle restlichen Spiele mit Beteiligung der Marlins in dieser Woche ab. Betroffen sind die Partien gegen die Baltimore Orioles am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag sowie die Duelle mit Titelverteidiger Washington Nationals am Freitag, Samstag und Sonntag.

Da Miami am vergangenen Wochenende gegen Philadelphia gespielt hatte, werden auch die Begegnungen der Phillies gegen Rekordchampion New York Yankees sicherheitshalber verlegt. Die Yankees treten stattdessen gegen Baltimore an.

Das könne die Saison "gefährden", sagte Dr. Anthony Fauci, führender Virologe der USA, am Dienstag beim TV-Sender ABC. Er glaube nicht, dass ein umgehender Stopp erforderlich sei, aber "wir müssen das verfolgen und sehen, was mit den anderen Teams passiert". Unabhängig davon sei es "unglücklich, was mit den Marlins passiert". Dave Martinez, Manager der Nationals, sagte: "Ich habe Angst. Ich habe wirklich Angst. Man sieht, wie sich ein halbes Team infiziert und von Stadt zu Stadt reist."

Als "Desaster" oder "Albtraum" bezeichnen US-Medien die sich abzeichnende Katastrophe in der MLB, die ihre Saison nicht in einer "Blase" spielt wie die Basketball-Liga NBA (alle Spiele in Disney World) oder die Eishockey-Liga NHL (Edmonton und Toronto). Die Begegnungen finden in den Stadien der 30 Klubs statt - eine Ausnahme sind die Toronto Blue Jays, die wegen der Einreise- und Hygienebestimmungen in Kanada ihre Heimspiele in Buffalo im US-Bundesstaat New York bestreiten müssen. Das begünstigt womöglich die Verbreitung des Virus.

Die MLB glaubte, sie sei auf alles vorbereitet. Das Konzept für den Start der normalerweise 162 Spiele langen regulären Saison ist 113 Seiten stark - allerdings fehlen Maßnahmen zur Bewältigung eines Ausbruchs des Virus. Nach Informationen von ESPN geht die Liga davon aus, dass sich Miamis Spieler und Betreuer auf dem Rückflug aus Atlanta ansteckten - nicht zum Sicherheitskonzept gehören etwa Piloten oder Stewardessen oder sonstiges Servicepersonal.

Das Test-Konzept funktioniere, es müsse nur angepasst werden, sagte Liga-Chef Manfred. Die MLB betonte zudem am Dienstag, dass es bei den seit Freitag durchgeführten 6400 Tests keine Fälle bei den anderen 29 Klubs gegeben habe.

Um personellen Problemen vorzubeugen, durften die Klubs ihre Kader für diese Saison auf 30 Spieler erweitern, dazu gibt es die sogenannte "taxi squad", eine schnelle Eingreiftruppe von weiteren 30 Spielern pro Franchise. Die Pläne der MLB seien in Erwartung von positiven Tests aufgestellt worden, bekräftigte Manfred. Er ergänzte: Er bleibe "optimistisch, dass "unsere Protokolle stark", um diesen Ausbruch zu überstehen "und die Saison zu Ende zu spielen". Eine Saison freilich, die gleich mit einem Albtraum begonnen hat.

Die Probleme der MLB dürften auch die Football-Liga NFL nicht unbeeindruckt lassen. Sie will im September mit ihrer Saison beginnen. Ebenfalls ohne Zuschauer. Aber eben auch in allen 32 Stadien, verteilt quer über den Kontinent.

(eh/sid)