Deutsche in der NHL: Kießling war der Erste — und schnell weg

Deutsche in der NHL: Kießling war der Erste — und schnell weg

Köln (RPO). Udo Kießling war der erste deutsche NHL-Profi. Der Rekordnationalspieler blieb aber nur für ein Spiel in den USA. Ihm folgten unter anderem Uli Hiemer, Uwe Krupp und die beiden aktuellen Stanley-Cup-Finalisten Christian Ehrhoff und Dennis Seidenberg.

Udo Kießling war der Erste. Im Frühjahr 1982 lief der Weltklasse-Verteidiger für die Minnesota North Stars gegen die St. Louis Blues auf. Es war gleichzeitig auch sein letztes NHL-Spiel, aber der Startschuss für die Deutschen in der stärksten Eishockey-Liga der Welt.

"Ich war im Wunderland. Ich bin mit großen Augen rumgelaufen wie ein kleines Kind vor dem Weihnachtsbaum", erinnert sich der Rekordnationspieler im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst: "Alles war riesig: das Stadion, die Kabine, der Trainerstab."

"Ticket liegt bereit"

Der damals 26-Jährige, der mit der Düsseldorfer EG früh in den Bundesliga-Play-offs ausgeschieden war und die Zeit bis zur WM in Finnland überbrücken wollte, war der Einladung des NHL-Klubs gefolgt. "Sie haben angerufen und gesagt: Es liegt ein Ticket für dich am Flugschalter, du kannst morgen fliegen." Kießling flog, erlebte im Zeitraffer die Wunderwelt NHL und kehrte doch nach Deutschland zurück.

"Ich war schon fast 27, deshalb habe ich mich für Deutschland entschieden", sagt er. Bereut hat er es nicht, "das Thema war schnell abgehakt". Noch 14 Jahre spielte er in der höchsten deutschen Spielklasse, stieg mit 320 Länderspielen zum Rekordnationalspieler und zur Eishockey-Legende auf.

Seine Nachfolger in der NHL verfolgte Kießling aus der Ferne. Uli Hiemer, der Füssener Abwehrspieler, der bei den Kölner Haien Bundesliga-Profi wurde, hatte es schwerer: Der damals 22-Jährige musste sich im Farmteam durchbeißen, ehe er für die New Jersey Devils in drei Jahren 143 NHL-Spiele bestritt.

Der spätere Düsseldorfer war somit der erste Deutsche, der dauerhaft in der besten Eishockey-Liga der Welt spielte - und das amerikanische Leben kennenlernte: "Es war für einen Jungen aus dem Allgäu schon etwas ganz Besonderes, wenn nach dem Vormittagstraining gesagt wurde: Komm, lass uns nach New York fahren, einen Kaffee trinken!"

"King Kong" Uwe Krupp

Als Hiemers US-Karriere schon fast wieder vorbei war, begann die bislang erfolgreichste Laufbahn eines Deutschen in der NHL. Uwe Krupp wagte 1986 den Sprung über den großen Teich. 810 Spiele lang drückte der Kölner der nordamerikanischen Liga einen deutschen Stempel auf, verschaffte sich als "King Kong" auf dem Eis Respekt und machte sich 1996 unsterblich. Mit seinem Tor in der dritten Verlängerung des vierten Finales gegen die Florida Panthers sicherte er der Colorado Avalanche den Stanley Cup - natürlich als erster Deutscher.

"Ich bleibe stolz darauf, dass ich der Erste war", sagt Krupp, der in der Nacht zu Donnerstag einen Nachfolger bekommt, wenn entweder Christian Ehrhoff mit den Vancouver Canucks oder Dennis Seidenberg mit den Boston Bruins den Cup gewinnt: "Es ist der absolute Höhepunkt der Karriere."

Dieser blieb allen anderen deutschen NHL-Profis bislang verwehrt. Ob Torwart Olaf Kölzig, der 1998 mit den Washington Capitals im Finale gegen die Detroit Red Wings verlor, oder Verteidiger Christoph Schubert, der 2007 an den Anaheim Ducks scheiterte. Auch Marco Sturm, der sich 1997 als erster deutscher Stürmer durchsetzte und mit 956 Partien deutscher Rekordspieler ist, fehlt die Krönung noch.

"Er kommt für mich nach Uwe an zweiter Stelle", sagt Kießling über den Dingolfinger, "als Stürmer brauchst du noch mal eine andere Qualifikation, und er ist schon sehr lange drüben." Auch wenn dem Mannheimer Jochen Hecht, der Sturm ein Jahr später folgte, eine ähnliche Karriere in Nordamerika gelang - in der persönlichen Rangliste des deutschen NHL-Pioniers stehen die beiden aktuellen Stanley-Cup-Finalisten weiter oben: "Nach Sturm kommen schon die beiden. Es ist eine geile Sache, dass sie beide im Endspiel stehen. " Eine, die Kießling selbst nie erlebt hat.

Hier geht es zur Bilderstrecke: NHL 10/11, Stanley Cup: Ehrhoff vs. Seidenberg, Spiel 7

(SID/rüb)
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