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Dirk Nowitzki im Interview: "Ich war ziemlich ausgebrannt"

Dirk Nowitzki im Interview : "Ich war ziemlich ausgebrannt"

Dirk Nowitzki, Basketball-Profi der Dallas Mavericks in der NBA, spricht über den Rummel nach dem Titelgewinn, das Ziel mit den Texanern in der am zweiten Weihnachtstag startenden Saison und seinen neuen Teamkollegen Lamar Odom.

Herr Nowitzki, haben Sie den Titelgewinn mit den Dallas Mavericks schon verarbeiten können?

Dirk Nowitzki Ich arbeite daran. Aber das war schon ein echt großes Ding, und das hat mich eine ganze Weile beschäftigt. Ich habe 13 Jahre für diesen Traum gearbeitet. Ich habe alles dafür gegeben, und plötzlich bist du am Ziel.

Hat Sie der Rummel nach dem Triumph besonders in Deutschland überrascht?

Nowitzki Definitiv. Ich hätte niemals zu träumen gewagt, dass man mit Basketball so viel Aufmerksamkeit erzielen kann. In Deutschland überstrahlt der Fußball doch sonst alles. Und dann komme ich mit dem Titel in der NBA — und für ein paar Wochen spielt Basketball eine Riesenrolle.

Was hat sich seitdem für Sie geändert?

Nowitzki Der Rummel ist einfach noch ein wenig größer geworden. Mich erkennen jetzt auch Menschen im Aufzug, die sich, glaube ich, vorher nicht so intensiv mit Basketball beschäftigt haben. Das ist manchmal schon ganz lustig.

Sie hatten nach der Meisterschaft nur eine kurze Erholungsphase und sind dann gleich wieder für Deutschland bei der EM angetreten. War die Erholungsphase, im Nachhinein betrachtet, vielleicht ein wenig zu kurz?

Nowitzki Ja, ich war schlichtweg platt und ausgebrannt. Wenn nach der Europameisterschaft gleich die Saison in der NBA gestartet wäre, dann wäre ich ganz bestimmt ziemlich nah dran an einem Burn-out gewesen. So gesehen war der Lockout in der Liga für mich in diesem Jahr ein absoluter Glücksfall. Durch die Zwangspause wegen der Tarifverhandlungen konnte ich etwas intensiver durchschnaufen. Jetzt habe ich meine Energiespeicher wieder aufgeladen.

Die Saison startet am zweiten Weihnachtsfeiertag — wie fit sind Sie?

Nowitzki Ich bin auf einem guten Weg. Seit vergangenem Freitag trainiere ich wieder mit dem Team. Ich habe schon eine Woche vorher in Dallas etwas für mich getan. In Würzburg hatte ich ja schon ein paar intensive Trainingswochen mit meinem Privatcoach Holger Geschwindner. Am Anfang war die Motivation verdammt schwer. Du hast deinen Traum erreicht, du bist total happy — und dann machst du wieder Froschsprünge durch die Halle. Aber das gehört dazu.

Kann man Ehrgeiz auch trainieren?

Nowitzki Ich versuche, durch Ehrgeiz zumindest das Beste aus mir herauszuholen. Ich bin einfach ein Wettkampftyp. Wenn die Spiele wieder losgehen, dann will ich gewinnen.

Was ist nun Ihre Motivation?

Nowitzki Wir wollen mit den Dallas Mavericks den Titel verteidigen. Das wäre wirklich das Allergrößte.

Durch die Tarifauseinandersetzungen zwischen Klubbesitzern und Spielern ist die Saison extrem kurz. Ist es vielleicht ein Vorteil für Sie und die Mavericks, weil sie schon aufeinander eingespielt sind?

Nowitzki Wir hoffen, dass wir gleich gut in die Saison starten. Wir sind nicht jünger geworden, aber wir haben an Erfahrung gewonnen. Das müssen wir auch ausspielen. Ich bin da ganz zuversichtlich, dass wir uns finden werden und eine ganz gute Rolle spielen. Man wird abwarten müssen, was so auf dem Transfermarkt noch passiert. Es herrscht eine angespannte Stimmung in der Liga.

Die Mavericks haben unlängst Lamar Odom verpflichtet. Er hat zuvor für die Los Angeles Lakers gespielt und Sie in den Play-offs ziemlich übel gefoult. Noch sauer?

Nowitzki Ach was. Lamar und ich hatten noch nie ein Problem miteinander. Das Foul war pure Frustration, wir waren den Lakers in der Serie einfach haushoch überlegen. Das ist passiert und vergessen.

Außerhalb des Platzes ist Odom ein eher exzentrischer Typ mit eigener Realityshow im Fernsehen und eigenem Parfüm. Sie leben eher zurückgezogen. Zufrieden mit dem neuen Kollegen?

Nowitzki Was Lamar außerhalb des Platzes macht, interessiert mich nicht so intensiv. Er macht sein Ding, ich meins. Hauptsache, wir verstehen uns auf dem Parkett. Da bin ich optimistisch.

Auf was freuen Sie sich besonders im kommenden Jahr?

Nowitzki Die Meisterschaftsringe. Darauf freue ich mich wie ein kleines Kind. Ansonsten die üblichen Dinge. Vor allem Gesundheit — das ist die Basis für alles andere. Und, wie gesagt, wenn wir mit den Mavericks den Titel verteidigen könnten, würde ich mich ganz bestimmt nicht dagegen wehren.

Gianni Costa fasste das Gespräch zusammen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Nowitzki albert vor der Kamera herum

(RP/can)