Sabotage oder Materialschaden: Aus für Zäck: Triathlon: Lothar Leder siegt beim "Ironman" in Roth

Sabotage oder Materialschaden: Aus für Zäck: Triathlon: Lothar Leder siegt beim "Ironman" in Roth

Roth/Stein (sid). In Europas "Mekka des Triathlons" war am Sonntag die Hölle los: Öffentliche Manipulationsvorwürfe des früh ausgeschiedenen Altmeisters Jürgen Zäck aus Koblenz überschatteten beim prestigeträchtigen "Ironman" in Roth den zweiten Triumph des Darmstädters Lothar Leder nach 1996 und den Erfolg der Kanadierin Heather Fuhr bei den Damen. Unterdessen erlebten die deutschen Aktiven bei der EM im niederländischen Stein nach einem Pannen-Festival ein Debakel.

In Roth kassierte Lothar Leder das Siegerpreisgeld von 26.600 Mark kassierte und verwies Thomas Hellriegel (Bruchsal) nach 3,8 km Schwimmen, 180 km Rad fahren und 42,195 km Laufen mit 1:52 Minuten Vorsprung auf Platz zwei. Derweil holte der fünfmalige Roth-Sieger Zäck zum verbalen Rundumschlag aus und machte angebliche Saboteure für eine gelockerte Sattelschraube an seinem Rad und damit auch für sein Aus nach nur drei Kilometern verantwortlich.

"Ich weiß nicht, ob manipuliert wurde. Ich möchte keinem meiner Konkurrenten was unterstellen. Aber ich habe schon viel erlebt. Als ich das Rad am Abend abgegeben habe, war die Schraube fest gewesen. Da war das Rad in einem einwandfreiem Zustand", grollte der 34 Jahre alte Koblenzer, der sich um 6.10 Uhr mit 2.703 weiteren Startern aus 39 Nationen auf die legendäre Distanz gemacht hatte.

Für Zäck indes war die "Quälerei in drei Akten" schnell beendet. Wütend schleuderte der Routinier sein Sportgerät in den Graben und warf dem Veranstalter mangelnde Sicherheitsvorkehrungen vor: "Es wird einiges getan, um die Räder zu bewachen, aber die Sicherheitsvorkehrungen sind nicht genug. Man muss noch mehr auf Nummer sicher gehen. Ich konnte das Rad von Thomas Hellriegel berühren, und keiner hat mich zurück gehalten. Das heißt: Alle 2.700 Starter können an mein Rad, wenn sie wollen."

Aus für Zäck

Zäcks Intimfeind Leder, der bei kaltem Regenwetter in 8:19:35 Stunden siegte, konterte sauer: "Das ist Blödsinn, absolut lächerlich. Der kann doch nicht andere Athleten beschuldigen. Der soll seinen Radladen wechseln."

Veranstaltungschef Detlef Kühnel räumte ein, so etwas noch nicht erlebt zu haben: "Wenn vier Räder nebeneinander stehen, kann man nicht ausschließen, dass die Athleten an ein anderes Rad gehen." Manipulation von Dritten schloss Kühnel jedoch aus. Die Räder wurden am Abend vor dem Start in ein Zelt gebracht, das verschlossen und von Ordner und Schäferhunden bewacht wurde.

Doch Zäck gab wütend und enttäuscht keine Ruhe: "Ich frage mich, warum immer erst was passieren muss, bis reagiert wird." Für Zäck liegen die Motive der vermeintlichen Täter auf der Hand, denn immerhin gehe es in Roth um viel Geld und Prestige: "Es war klar: Wer von den Deutschen gewinnt, sitzt Mittwoch bei Harald Schmidt."

In der Kult-Show wird nun Leder sitzen, der 1996 als erster Triathlet auf der Ironman-Distanz unter acht Stunden geblieben war. Nach seiner gescheiterten Olympia-Qualifikation war der 29-Jährige erstmals wieder auf der Langdistanz unterwegs - und führte seine Konkurrenten prompt vor.

"Ich hatte einen Riesenfrust, weil ich in Sydney nicht starten kann. Doch unterwegs hat mir ein Zuschauer gesagt: Scheiß doch auf Olympia. Das war super", stammelte Leder völlig erschöpft und verdreckt im Ziel, ehe er seiner Frau Nicole überglücklich in die Arme fiel.

Nach dem Schwimmen war er Fünfter, beim Rad fahren übernahm er schnell die Führung, und den abschließenden Marathon startete er mit 3:30 Minuten Vorsprung auf Hellriegel. Der Bruchsaler, der 1997 als erster Deutscher auf Hawaii triumphiert hatte, kam zwar noch einmal bis auf 50 Sekunden heran, doch zum ersehnten ersten Sieg in Roth reichte es wieder nicht. Hellriegel konnte sich mit einem "Schmerzensgeld" von 16.400 Mark trösten. Rang drei ging in 8:27:41 an Andreas Niedrig aus Oer-Erkenschwick, der noch 10.250 Mark kassierte.

Heather Fuhr siegt bei den Frauen

Bei den Frauen setzte sich Heather Fuhr (Foto) in 9:32:08 mit 5:349 Minuten Vorsprung auf ihre kanadische Teamkollegin Lisa Bentley durch. Dritte wurde Ute Mückel aus Nürnberg (9:38:18).

Ohne Erfolgserlebnis kehrten die deutschen Triathleten von der EM zurück. Titelverteidigerin Anja Dittmer (Neubrandenburg) musste nach einem Kettenschaden aufgeben, Joelle Franzmann (Trier) stieg nach einem Sturz aus, und Anja Heil (Griesheim) erlitt bei einem Unfall einen Unterarmbruch. Christiane Pilz (Rostock) belegte Rang sechs, Europameisterin wurde Kathleen Smet (Belgien). Bei den Männern siegte der Brite John Andrew, der Adelsberger Maik Petzold belegte Rang fünf.

Triathlon, Ironman in Roth (3,8 km Schwimmen, 180 km Rad fahren, 42,195 km Laufen):

Männer:

1. Lothar Leder (Darmstadt) 8:19:38 Stunden (0:47:43+4:29:51+2:59:26) 2. Thomas Hellriegel (Bruchsal) 8:21:30 (0:49:13+4:31:10+2:57:27) 3. Andreas Niedrig (Oer-Erkenschwick) 8:27:41 (0:47:25+4:38:44+2:58:21) 4. Uwe Widmann (Calw) 8:31:25 (0:50:12+4:40:57+2:59:03) 5. Alexander Mügge (Berlin) 8:35:24 (0:49:08+4:37:09+3:06:27) 6. Danny Simons (Belgien) 8:36:02 (0:49:06+4:43:45+3:01:49) 7. Daniel Blankenfuland (Uerdingen) 8:38:47 (0:53:27+4:37:38+3:04:38) 8. Ralf Eggert (Hannover) 8:41:21 (0:47:37+4:35:36+3:15:47) 9. Tero Hyppölä (Finnland) 8:44:37 (0:50:52+4:53:39+2:57:24) 10. Olaf Sabatschus (Uerdingen) 8:45:23 (0:56:38+4:43:17+3:01:36)

Frauen:

1. Heather Fuhr (Kanada) 9:32:08 Stunden (0:56:07+5:23:43+3:07:31) 2. Lisa Bentley (Kanada) 9:37:57 (0:55:57+5:32:10+3:06:07) 3. Ute Mückel (Nürnberg) 9:38:18 (0:47:45+5:31:16+3:15:49) 4. Nina Kraft (Hannover) 9:40:01 (0:49:10+5:31:35+3:15:51) 5. Jan Wanklyn (Australien) 9:45:27 (0:53:40+5:27:35+3:19:24) 6. Susanne Nielsen (Dänemark) 9:46:29 (0:50:14+5:25:06+3:27:03) 7. Jeanne Anne Krizman (USA) 9:47:36 (0:59:40+5:23:03+3:20:19) 8. Julia Brengel (St. Ingbert) 9:48:48 (0:56:34+5:25:43+3:22:54) 9. Laura Bieger (Berlin) 9:55:12 (1:02:21+5:30:33+3:18:25) 10. Martina Lang (Damstadt) 9:57:53 (0:59:22+5:23:51+3:29:08)

(RPO Archiv)
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