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Tödlicher Unfall in Las Vegas

Tödlicher Unfall in Las Vegas

Beim Saisonfinale der IndyCar-Serie sind 15 Rennwagen in einen Massencrash verwickelt. Im Krankenhaus kämpfen die Ärzte vergeblich um das Leben des 33 Jahre alten Engländers Dan Wheldon, zweimal Sieger der legendären 500 Meilen von Indianapolis.

LAS VEGAS (sid/dapd/RP) Die Zuschauer hatten sich auf ein spannendes Saisonfinale der in den USA populären IndyCar-Serie auf dem Ovalkurs vor den Toren von Las Vegas gefreut, doch sie erlebten eine der schwarzen Stunden des Motorsports. Beim Massenunfall mit 15 Autos wurde der zweimalige Indy-500-Sieger Dan Wheldon (England) tödlich verletzt. "Wenn man so etwas erfährt, ist man nur schockiert und fassungslos", schrieb der siebenmalige Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher auf seiner Homepage. Der 33-Jährige hinterlässt Frau Susie und die Söhne Sebastian (2) und Oliver (sechs Monate). Schumacher: "Wir reden uns ja immer alle ein, dass der Motorsport so sicher ist, dass kein Mensch mehr sein Leben lassen muss, aber leider ist das eben doch noch immer Wunschdenken."

In der elften Runde, als die 34 Autos noch dicht zusammen waren, hatte Wheldon keine Chance mehr, auszuweichen. Autos flogen wie Flugzeuge durch die Luft, knallten gegen die Betonmauer oder in den Fangzaun. Einige wurden zu Feuerbällen wie Wheldons Rennwagen. Der Engländer hatte sich vom letzten Startplatz auf Position 24 vorgearbeitet, als er mit gut 320 km/h auf das Auto von Paul Tracy fuhr und zum Spielball wurde. Im Krankenhaus kämpften die Ärzte vergeblich um sein Leben.

Es war der erste tödliche Unfall in der IndyCar-Serie seit 2006, der vierte seit der Premiere (1996). Damals war Paul Dana beim Training verunglückt. Das Rennen in Homestead gewann Wheldon. In der Formel 1, deren Streckenführung abwechslungsreicher ist und in der Regel große Auslaufzonen hat, gab es seit Imola 1994 keine tödlichen Unfälle mehr. Damals starben Roland Ratzenberger (Österreich) und Ayrton Senna (Brasilien).

Der frühere DTM-Pilot Dario Franchitti, einst Wheldons Teamkollege, rang nach Fassung: "In der einen Minute macht man bei der Fahrerparade noch Witze miteinander, in der nächsten ist Dan tot." Der Schotte fuhr nach der Todesnachricht mit Tränen in den Augen mit allen Kollegen in einem Trauerkorso fünf Runden auf der Strecke.

Die ehemaligen Formel-1-Weltmeister Jenson Button und Lewis Hamilton sendeten Beileidsbekundungen an die Familie ihres Landsmannes. "Ich bin gerade mit der schrecklichsten Nachricht überhaupt aufgewacht", twitterte Button: "Ich habe so viele schöne Erinnerungen an Rennen mit Dan in den frühen 90ern. Wir haben einen großartigen Menschen verloren." Auch Hamilton meldete sich per Twitter zu Wort: "Das ist ein extrem trauriger Tag. Er war ein sehr inspirierender Mensch und jemand, zu dem jeder Rennfahrer mit Respekt und Bewunderung aufschaute".

In Las Vegas warteten die Fahrer ungeduldig, aber vergeblich auf positive Nachrichten aus dem Krankenhaus. "Ich bin einfach nur unheimlich traurig. Wir kannten uns, seit er sechs Jahre alt war", meinte Franchitti, der durch den Abbruch des Rennens vor dem ebenfalls in den Crash verwickelten und leicht verletzten Australier Will Power zum dritten Mal in Folge den Titel gewann. "Heute sind wir alle ein bisschen gestorben", meinte der bekannte Teamchef Chip Ganassi.

Für Wheldon, der im Mai beim 100. "Geburtstag" der 500 Meilen von Indianapolis wie schon 2005 triumphierte, war es der erste Start seit diesem Erfolg. Für Fahrer, die nicht alle Läufe absolvierten, war für den Sieg beim Saisonfinale eine Prämie von fünf Millionen Dollar (3,6 Millionen Euro) ausgesetzt.

Für die kommende Saison war sich Wheldon, der 1999 in die USA übergesiedelt war, bereits mit seinem früheren Team Andretti über einen Vertrag einig. Er sollte nach dem Rennen unterschrieben werden. "Wir hatten noch große Pläne. Leider wird es Tage wie diesen immer wieder geben. Es tut sehr weh, aber so ist es nun einmal", sagte Teamchef Michael Andretti.

Auf Las Vegas hatte sich Wheldon gefreut. "Das wird eine tolle Show", hatte er im Blog für die Zeitung "USA Today" geschrieben: "Es wird ein tolles Rennen, und man weiß nie, wie es ausgeht." Es endete im Massencrash, der die Strecke in ein Trümmerfeld verwandelte. "Überall lagen Teile herum, man konnte den Rauch riechen", meinte Danica Patrick (USA). "Es sah aus wie eine Filmszene aus Terminator", sagte Ryan Briscoe (Neuseeland).

(SID)