Tischtennis: Die Weltelite jagt Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov

German Open: Die Weltelite jagt Boll und Ovtcharov

Morgen steigen die besten Spieler der Welt in die German Open ein. In Timo Boll (37) und Dimitrij Ovtcharov (29) sind zwei Deutsche topgesetzt. Doch auch Japan und China haben ihre Superstars nach Bremen entsandt.

Am Samstag steigen die besten Spieler der Welt in die German Open ein. In Timo Boll (37) und Dimitrij Ovtcharov (29) sind zwei Deutsche topgesetzt. Doch auch Japan und China haben ihre Superstars nach Bremen entsandt.

Die älteste Nummer eins in der Geschichte der Weltrangliste wirkt derzeit gelöster denn je. Timo Boll galt ja schon immer als Gentleman, als Sympathieträger und Vorzeigeathlet des Tischtennis. Das ist besonders bemerkenswert, weil diesen verkopften Sport zwar mehr als eine halbe Million Deutsche regelmäßig betreiben, solche Charaktere aber eher rar gesät sind. Kürzlich erst gelang es einem australischen Reporter, Boll zum Singen zu animieren. Nach seinem Lieblingslied gefragt, stimmte der 37-Jährige "I believe I can fly" an. Vor wenigen Tagen erklärte Boll, dass die Olympischen Spiele in Tokio 2022 durchaus noch ein Ziel für ihn seien. In diesen Tagen liegt die volle Konzentration des Weltranglisten-Ersten aber auf den German Open. Denn in Bremen gastiert seit einigen Tagen die Weltelite des Tischtennis. Sie macht ab morgen Jagd auf Boll - und auf German-Open-Titelverteidiger Dimitrij Ovtcharov (29), der in den vergangenen Jahren zum zweiten deutschen Weltklasse-Spieler aufgestiegen und nun einer der ärgsten Konkurrenten seines einstigen Mentors ist.

Mit 235.000 Dollar (rund 191.000 Euro) sind die German Open dotiert. Boll und Ovtcharov stehen an den Positionen eins und zwei der Setzliste. Und das, obwohl die besten Spieler der Welt zu Tisch bitten: 28 der Top 30 der Herren-Weltrangliste bilden die Spitze des Teilnehmerfeldes. Die letzte Ausgabe des Turniers im November 2017 in Magdeburg endete mit dem deutschen Traumfinale zwischen Ovtcharov und Boll. Damals sicherte sich Ovtcharov nach einem engen Match den Titel. Doch in den Duellen, die dann zwischen beiden folgten, wechselte der Sieger stets. Im Februar, nachdem Ovtcharov zwei Monate lang die Nummer eins der Welt sein durfte, musste er die Spitzenposition an sein Idol abgeben.

Für Timo Boll, der 2003 erstmals die Dominanz der Chinesen durchdringen und auf Rang eins klettern konnte, war das ein Comeback. Er spielte mit viel Konstanz auf einem extrem hohen Niveau, blieb dabei von größeren Verletzungen verschont. Für seinen Klub Borussia Düsseldorf ist er wichtiger denn je. Der Routinier ist immer dann am besten, wenn er Ballwechseln seinen Spielstil aufdrücken kann: offensiv und mit Spin. "Wenn ich die spielerische Hoheit verliere, wird es schwierig", weiß Boll. Probleme bekommt der Linkshänder, wenn Gegner mit Härte auf seine Schläge antworten. Gewinnt das Spiel an Tempo, behilft sich Boll mit Routine. So war es zuletzt oft gegen "Dima".

Ovtcharov setzte als Bronzemedaillengewinner bei Olympia 2012 ein Ausrufezeichen. Nicht nur Boll, auch den asiatischen Spitzenleuten kann er mittlerweile Paroli bieten. Anders als Boll wechselte er ins Ausland, schlägt seit 2010 für den russischen Klub Fakel Orenburg auf - und erreichte in der Gunst der Fans bislang nicht den Status von Boll.

Obwohl beide in guter Form sind, ist die Weltrangliste trügerisch. Denn die Deutschen profitieren von der veränderten Punktevergabe, die Vielspieler belohnt. Die chinesischen Topspieler dagegen wurden herabgestuft, weil sie international weniger Spiele bestritten hatten. Hinzu kam ein Formtief, das auch mit dem Abgang des chinesisches Nationaltrainers erklärt wird.

Spätestens seit Februar ist aber ganz klar: Die Schwächephase der Chinesen ist beendet. Eine Art Machtdemonstration lieferte das Team beim World Team Cup in London ab, als es seine Gegner allesamt mit 3:0 abfertigte. Allen voran Olympiasieger Ma Long überzeugte. Der 29-Jährige hat in Bremen eine Rechnung mit den beiden Deutschen offen. Ovtcharov war es, der Ma Long nach 34 Monaten als Nummer eins der Welt ablöste. Gegen Boll verlor Ma Long im Oktober 2017 in Lüttich. In Bremen könnten Boll und Ma Long bereits am Samstag im Viertelfinale aufeinandertreffen. Zum Duell Ovtcharov vs. Boll hingegen kann es aufgrund der Setzliste erst im Finale kommen. Den Weg dorthin aber versperren weitere Hochkaräter: der WM-Dritte Xu Xin (China) sowie Lee Sangsu (Südkorea), auch Japans Garde mit Jun Mizutani oder Koki Niwa ist in Bremen. Auf Ovtcharov wartet im Viertelfinale am Samstag womöglich das 14-jährige japanische Wunderkind Tomokazu Harimoto.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Timo Boll

(ball)