Turnier-Ausschluss bestätigt Kein Wimbledon für Tennis-Stars aus Russland und Belarus

London · Die Wimbledon-Organisatoren greifen durch: Am Grand-Slam-Turnier in London im Sommer dürfen wegen des Angriffskriegs auf die Ukraine keine Profis aus Russland und Belarus teilnehmen. Der Ausschluss trifft zum Beispiel den Weltranglisten-Zweiten Daniil Medwedew.

Daniil Medwedew.

Daniil Medwedew.

Foto: AFP/Megan Briggs

Streit um den Wimbledon-Ausschluss für Daniil Medwedew und Co.: Tennisprofis aus Russland und Belarus dürfen in diesem Jahr beim wichtigsten aller vier Grand-Slam-Turniere nicht aufschlagen. Der Grund für diesen radikalen Schritt, der unter anderem den Weltranglistenzweiten Medwedew betrifft, ist der russische Angriffskrieg in der Ukraine. Dies teilten die Organisatoren am Mittwoch mit. Kurz darauf kritisierte die Männer-Spielervereinigung ATP diesen Schritt als „ungerecht“ und „diskriminierend“.

„Wir sind uns bewusst, dass dies für die betroffenen Einzelsportler eine harte Entscheidung ist“, sagte Wimbledon-Boss Ian Hewitt: „Es ist traurig, dass sie unter den Taten der Anführer des russischen Regimes leiden müssen.“ Das zweiwöchige Turnier beginnt am 27. Juni.

Die Pläne aus London kommen bei der ATP allerdings nicht gut an. In einem Statement teilte die Vereinigung mit, dass sie die russische Invasion „aufs Schärfste“ verurteile. Gleichwohl sei ein pauschaler Ausschluss von Sportlern aus einem Land „diskriminierend“ und stelle einen Bruch der Vereinbarung mit den Wimbledon-Organisatoren dar, wonach die Weltranglistenposition maßgeblich für die Teilnahme sei. Man werde nun beraten, welche Konsequenzen folgen werden.

Bereits am Mittwochvormittag hatte die Tageszeitung The Times von den Plänen berichtet - und damit prompt ein Echo aus Russland provoziert. Noch vor der offiziellen Bekanntgabe der Maßnahmen bezeichnete der Kreml den Bann gegen Aktive aus Russland als „inakzeptabel“.

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Foto: AP/Elise Amendola

Neben Medwedew dürften allein bei den Männern aus den Top 30 Andrej Rublew, Karen Chatschanow und Arslan Karazew nicht teilnehmen. Bei den Frauen sind es sechs Spielerinnen unter den Top 40, unter anderem Aryna Sabalenka aus Belarus, die im Vorjahr erst im Halbfinale ausgeschieden war.

Die ATP stellte dagegen klar, dass bei ihren Turnieren Spieler aus Russland und Belarus weiter unter neutraler Flagge starten dürften. Dieses Prozedere, das auch bei den von der WTA organisierten Frauen-Turnieren greift, war in der Szene auch für die Grand-Slam-Turniere erwartet worden. Der Weltverband ITF hatte die Teams aus Russland und Belarus aus seinen Mannschaftswettbewerben Davis Cup und Billie Jean King Cup ausgeschlossen.

Nach Informationen der Times hielten die Wimbledon-Organisatoren nach wochenlangen Gesprächen mit der britischen Regierung einen Ausschluss von Profis aus den allgemein als Aggressoren gelten Ländern für die praktikabelste Lösung. Vertreter von Downing Street hatten den Ansatz verfolgt, dass Profis aus Russland und Belarus schriftliche Stellungnahmen abgeben sollen, die Kriegshandlungen ihrer Heimatländer und Russlands Staatspräsident Wladimir Putin nicht zu unterstützen.

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Letztlich sei man zu dem Entschluss gekommen, dass man den Einfluss Russlands so stark wie möglich eingrenzen müsse. Es wäre „inakzeptabel“, die Bühne Wimbledon für mögliche russische Propaganda zur Verfügung zu stellen.

Bei den Australian Open im Januar durften die betroffenen Sportler dagegen noch teilnehmen, Medwedew scheiterte dabei erst im Finale am Spanier Rafael Nadal. Auch bei den French Open im Mai in Paris können Russen und Belarussen aufschlagen - strikte Neutralität gilt als Voraussetzung für eine Teilnahme.

Eine Hintertür hielten sich die Organisatoren von Wimbledon noch offen - sollten sich die Zustände in der Ukraine „wesentlich“ ändern, werde man dies berücksichtigen und womöglich reagieren.

(kron/SID/dpa)