Wimbledon 2019: Deutsches Tennis sehnt sich nach neuen Stars

Kommentar zur schlechten Wimbledon-Bilanz : Das deutsche Tennis sehnt sich nach neuen Stars

Die zweite Woche in Wimbledon findet ohne deutsche Tennisprofis statt. Und neue Toptalente sind nicht in Sicht. Ohne Stars im eigenen Land wird es für die Sportart schwierig.

Angelique Kerber war in ihrer Karriere bislang 34 Wochen die Nummer eins der Weltrangliste. Wer sportlich das Klassement anführt, ist auch immer Botschafter der Branche. Bei Kerber war der Effekt eher ernüchternd. Vom Naturell her ist die Kielerin schlicht nicht dafür geeignet, als globales Phänomen im Tennis vermarktet zu werden. Eine nette junge Dame, allerdings etwas unscheinbar. Das alles wäre an sich noch zu vernachlässigen, wenn sie wenigstens sportlich konstant abliefern würde. Doch Wimbledon hat einmal mehr nachdrücklich unterstrichen: Das ist ein zentrales Problem. Als Titelverteidigerin bereits in der zweiten Runde raus – das kann natürlich mal passieren, aber das ist zu wenig, um in der Weltspitze herauszuragen. So ist man am Ende nur eine von vielen. Kerber ist indes kein Einzelfall. Kein einziger deutscher Teilnehmer hat im Einzel die zweite Woche erreicht: Für ein Land wie Deutschland ist das einfach nur peinlich.

Es offenbart allerdings auch schonungslos, dass auf vielen Ebenen Dinge falsch laufen. Noch immer stehen hierzulande viel zu viele Köche an den Töpfen. Es gibt keine zentrale Ausbildung, sondern noch immer zu viel Gewurschtel der Landesverbände. Es ist nicht ausreichend Geld vorhanden, um flächendeckend fördern zu können. Und es gibt zu wenige Sportler, die noch bereit sind, über die Schmerzgrenze hinauszugehen. Weil sie nicht gierig genug sind, Hürden zu überwinden. In anderen Ländern, besonders für Osteuropäer, ist der Druck viel Größer, sich über den Sport ein besseres Leben aufzubauen.

Deutschland wird jedenfalls immer mehr abgehängt. Alexander Zverev bei den Herren ist immerhin deutlich mehr als ein Hoffnungsschimmer. Bei den Damen sieht es deutlich trister aus. Nach Kerber kommt wenig bis nichts. Ein Wunderkind wie Cori Gauff ist hierzulande nicht zu befürchten – mangels Talenten, die nach oben drängen. Ohne Aushängeschilder wird es die Sportart aber schwer haben, sich gegen andere Formate langfristig zu behaupten.

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