Wimbledon 2018: Angelique Kerber hat sich für ihren Mut belohnt

Kommentar zum Wimbledon-Titel : Kerber hat sich für ihren Mut belohnt

Nach ihrem Traumjahr 2016 ging Angelique Kerber in der folgenden Saison durch ein tiefes Tal. Viele stempelten die Kielerin schon als Eintagsfliege ab. Doch Kerber zog die richtigen Schlüsse und zeigte Mut. Dafür wurde sie nun mit dem Wimbledon-Titel belohnt. Ein Kommentar.

Als Angelique Kerber 2016 die Australian Open und die US Open gewann und zur Nummer eins der Welt wurde, kam das für die Tennis-Welt überraschend. Die Deutsche galt immer als konstante Spielerin, die in einem Turnier weit kommen kann. Den ganz großen Wurf hatten ihr dennoch nur wenige zugetraut.

Im Folgejahr fühlten sich viele Kritiker bestätigt. Kerber knüpfte bei Weitem nicht mehr an die Leistungen an. Der Druck, der auf der Weltranglistenersten lastete, schien zu groß, das Selbstbewusstsein war wie weggeblasen. Die Kerber-Zeit sei schon wieder vorbei, unkten viele.

Doch Kerber zog am Ende des für sie so enttäuschenden Jahres 2017 die richtigen Konsequenzen. Sie trennte sich von ihrem langjährigen Trainer Torben Beltz. Das dürfte der Kielerin nicht leicht gefallen sein. Schließlich hatte der sie erst wieder in die richtige Spur zurückgeführt, nachdem die Karriere schon einmal ins Stocken geraten war. Und beide verband auch außerhalb des Platzes eine freundschaftliche Beziehung. Doch Kerber wusste, dass es in einer Tenniskarriere keine Zeit zu verschenken gibt. Sie reagierte umgehend und engagierte den belgischen Erfolgscoach Wim Fissette. Ein absoluter Glücksgriff.

Kerber und Fissette, der perfekt Deutsch spricht, harmonieren hervorragend. Unter dem Belgier hat Kerber an ihrem Aufschlag und ihrem Offensivspiel gearbeitet. Nie hat sie so gut aufgeschlagen wie in diesem Jahr in Wimbledon.

Auf ihrem Weg zum Titel hat Kerber gleich vier Spielerinnen des Jahrgangs 1997 geschlagen, der als neue Goldene Generation im Tennis gilt - Naomi Osaka, Belinda Bencic, Darja Kassatkina und Jelena Ostapenko. Im Endspiel war es dann Tennis-Legende Serena Williams (36), die zehn Monate nach der Geburt ihrer Tochter gegen das nahezu fehlerfreie Spiel der Deutschen nichts entgegenzusetzen hatte. Kerber ist mit ihren 30 Jahren selbst auf dem Höhepunkt ihres Schaffens und eben doch noch lange nicht abgeschrieben - weil sie sich getraut hat, neue Wege zu gehen.

Mit ihrer harten Arbeit hat sie sich selbst belohnt und ihre Kritiker Lügen gestraft. Und sie hat erreicht, dass das Wimbledon-Finale im ZDF übertragen wurde und nicht nur den Abonnenten des Bezahlsenders Sky vorbehalten war. Damit hat sie dem deutschen Tennissport ein großes Geschenk gemacht, das es nun zu nutzen gilt.

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