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Tennis: Wimbledon droht erste Absage seit 2. Weltkrieg - Versicherung gegen Pandemie

Erste Absage seit 74 Jahren droht : Wimbledon sorgt mit Pandemie-Versicherung für Aufsehen

Seit 1946 ist Wimbledon nicht mehr ausgefallen - ganze 74 Jahre lang. Doch 2020 droht wegen der Coronavirus-Pandemie die Absage. Was viele Sport-Veranstalter finanziell hart trifft, haben die Wimbledon-Ausrichter offenbar antizipiert - und eine Versicherung abgeschlossen.

Am Mittwoch wird der All England Lawn Tennis and Croquet Club das diesjährige Schicksal des bedeutendsten Tennis-Turniers der Welt besiegeln. Die erste Absage seit dem 2. Weltkrieg ist wegen der Coronavirus-Pandemie wohl unvermeidbar. In Friedenszeiten ist das legendäre Rasenturnier von Wimbledon noch nie ausgefallen.

Doch die unausweichliche Absage des prestigeträchtigen Events bedeutet für die Veranstalter offenbar keinen schmerzhaften finanziellen Verlust, da sie laut dem britischen „Telegraph“ vorausschauend eine Versicherung für globale Pandemien abgeschlossen haben sollen. Die finale Entscheidung über die Austragung soll am Mittwoch fallen. "Der wichtigste Aspekt ist die öffentliche Gesundheit, und wir sind entschlossen, verantwortungsbewusst zu handeln", sagte Richard Lewis, der Geschäftsführer des Clubs in einem Statement. „Wir arbeiten hart daran, unsere Pläne für 2020 sicherer zu machen.“ Ursprünglich hätte Wimbledon am 29. Juni beginnen sollen. Die Clubführung hatte bereits ausgeschlossen, das Event ohne Zuschauer stattfinden zu lassen oder zu verschieben. Eine Verzögerung wäre „nicht ohne erhebliches Risiko möglich und mit Schwierigkeiten verbunden“, teilten die Veranstalter mit.

Eine Verlegung ist für Wimbledon aufgrund der empfindlichen Natur des Grases viel schwieriger. „Wimbledon hat durch den Rasen und die besonderen Lichtverhältnisse eigene Gesetze“, erklärte der Vizepräsident des Deutschen Tennis Bundes, Dirk Hordorff, am Sonntag dem TV-Sender Sky. Eine Austragung später im Jahr sei für ihn daher undenkbar. Sogar eine Verschiebung um einen Monat in den Zeitraum, der von den Olympischen Spielen in Tokio belegt worden war, würde weniger Sonnenlicht und mehr Taubildung bedeuten – und offenbar auch die rechtliche Position verkomplizieren.

Die Versicherungspolice der Wimbledon-Verantwortlichen wird derzeit intensiv diskutiert. Sie soll Pandemien wie den Ausbruch des Coronavirus abdecken. Doch dafür bedarf es normalerweise einer Regierungsanweisung. Die aktuellen Vorschriften von Premierminister Boris Johnson, zu Hause zu bleiben, würden wohl eine Auszahlung rechtfertigen. Sollten die Maßnahmen jedoch bis August gelockert werden, könnte die Versicherung nicht mehr greifen. Die Lawn Tennis Association, der britische Tennis-Dachverband, dürfte für diese Versicherung besonders dankbar sein, sie würde sonst auf die enorm hohen jährlichen Überschusszahlungen von Wimbledon verzichten müssen. Im vergangenen Jahr waren das 41 Millionen Pfund (etwa 46 Mio. Euro). „Wimbledon war wohl - als einziges Grand-Slam-Turnier - schon vor vielen Jahren voraussehend genug, sich auch vor einer weltweiten Pandemie zu versichern, sodass der finanzielle Schaden dort minimiert sein dürfte“, so Hordorff.

Es wäre ein großer Verdienst, das Major mit dieser Versicherung ausgestattet zu haben – ganz im Gegensatz zu anderen Grand Slams. Die French Open, die regulär am 24. Mai beginnen sollten, wurden bereits vor zwei Wochen auf den späten September verlegt und damit nur eine Woche nach dem Ende der US Open angesetzt. Eine Maßnahme, die weder mit Spielern noch mit den Dachverbänden abgesprochen wurde. DTB-Vize Hordorff kritisierte den Alleingang scharf: „Dieses unsolidarische Verhalten ist ja von allen gerügt worden. Entweder werden sie sich mit der gesamten Tennis-Familie in einen sinnvollen Plan einarbeiten lassen oder sie werden die Konsequenz der gesamten Tennisfamilie spüren.“

Die Tennis-Tour pausiert derzeit mindestens bis zum 7. Juni. Sollte Wimbledon am Mittwoch abgesagt werden, wäre das die erste seit dem 2. Weltkrieg. Seit 1946 hatte das Rasen-Event 74 Jahre ununterbrochen stattgefunden.

(eh)