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Tennis: Jule Niemeier im Wimbledon-Fokus​

Nerven-Krimi und Selfies : Niemeier im Wimbledon-Fokus

Vor dem bislang größten Spiel ihrer Karriere zeigt sich Jule Niemeier tiefenentspannt. An der Seite von Andrea Petkovic jubelt Deutschlands Tennis-Hoffnung im Doppel. Prominente Weggefährtinnen trauen der 22-Jährigen noch einiges zu.

Jule Niemeier umarmte Andrea Petkovic und posierte neben ihrer Mentorin ausdauernd für Selfies mit den deutschen Fans. Mit einem Nerven-Krimi im Doppel stimmte sich Deutschlands Tennis-Hoffnung auf das größte Spiel ihrer bisherigen Karriere ein. Nach dem packenden 7:6 (7:3), 5:7, 7:6 (14:12) in 2:37 Stunden gegen Miyu Kato aus Japan und Aldila Sutjiadi aus Indonesien an der Seite von Petkovic trifft die 22-Jährige am Freitag beim Rasen-Klassiker in Wimbledon in der dritten Einzel-Runde auf die Ukrainerin Lessia Zurenko. Nicht nur dort kann sie nach Ansicht von Angelique Kerber und Damen-Bundestrainerin Barbara Rittner noch einiges erreichen.

„Sie weiß schon genau, was sie kann, was sie will“, sagte die 34 Jahre alte Kerber über ihre zwölf Jahre jüngere Teamkollegin. „Man muss Erfahrungen sammeln, man muss die Turniere spielen, man muss mal Matches verlieren, die weh tun. Dann kommen solche Matches wie für die Jule, wo sie viel Selbstvertrauen tankt und das dann hoffentlich auch bestätigen kann.“

Nach ihrem sensationell souveränen 6:4, 6:0 gegen die Weltranglisten-Dritte Anett Kontaveit aus Estland ist Niemeier in den Fokus gerückt. Immer wieder schoben sich zahlreiche Tennis-Fans durch den engen Gang am Wimbledon-Außenplatz fünf vorbei und schauten beim Doppel zu. Die neue Aufmerksamkeit bringt den Fan von Borussia Dortmund und Rafael Nadal aber nicht aus der Fassung: „Natürlich prasselt viel auf einen ein. Da sorgt mein Team schon für, dass ich das einordnen kann. Ich genieße das momentan einfach nur.“

Tags zuvor hatte Niemeier noch im zweitgrößten Stadion der Anlage ihren Coup gefeiert. „Jule hat auf großer Bühne zum richtigen Zeitpunkt ihr bestes Tennis abgerufen“, sagte Rittner der Deutschen Presse-Agentur. „Das wird ihr viel Selbstvertrauen geben für das weitere Turnier, aber auch generell für ihre Karriere.“

Schon lange gilt Niemeier als eines der größten Talente in der zweiten Generation nach Kerber, Petkovic und Julia Görges. Ihr Abitur, mehrere Verletzungen und der Stopp der Sportwelt zu Beginn der Corona-Pandemie verlangsamten zeitweise den Aufstieg. „Sie war kurz vor Corona davor durchzustarten“, sagte Rittner. „Die Matches haben ihr gefehlt. Ich habe immer gesagt, wenn sie ruhig bleibt und weiter arbeitet und nicht den Kopf verliert und unruhig wird, wird sie ihren Weg gehen.“

  • Andrea Petkovic.
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  • Angelique Kerber.
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Dieser könnte am Freitag direkt beim ersten Auftritt im All England Lawn Tennis Club bis mindestens ins Achtelfinale führen. „Das Match nach so einem Match ist nicht einfach. Aber Jule weiß genau, was sie kann“, sagte ihr Trainer Christopher Kas und rechnet auch nach Wimbledon mit einer deutlichen Entwicklung seines Schützlings: „Jule wird in zwölf, 18 Monaten ihr bestes Tennis spielen.“

Derzeit ist Niemeier noch die Nummer 97 der Welt. Zumindest das aktuelle Turnier wird ihr beim Klettern in der Rangliste noch nicht helfen, weil es keine Weltranglistenpunkte wegen des Banns von russischen und belarussischen Profis gibt. Zumindest die Rolle als deutsche Nummer zwei könnte Niemeier hinter Kerber mittelfristig aber übernehmen. Die Rolle ihrer Doppel-Partnerin ist dabei aus Sicht von Damen-Chefin Rittner nicht zu unterschätzen. „Eine Andrea Petkovic ist eine Art Mentorin“, sagte die 49-Jährige. „Das ist wirklich erwähnenswert, was Andrea macht.“

(lonn/dpa)