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Verschiebung wegen Corona-Krise: Wimbledon 2020 und Tour de France 2020 wehren sich noch

Verschiebung wegen Corona-Krise : Wimbledon und Tour de France wehren sich noch

Noch halten die Organisatoren am ursprünglichen Termin der Tour de France und von Wimbledon fest, doch die Rufe nach einer Verlegung werden auch in Deutschland lauter.

Fußball-EM: verschoben. Olympia 2020: verschoben. Aber die Tour de France wehrt sich trotz der dramatischen Coronakrise vehement gegen eine Absage. Das Radsport-Spektakel ist neben dem seit Mittwoch deutlich wackelnden Tennis-Mekka von Wimbledon der letzte Gigant, der sich gegen eine Verlegung sträubt - auch weil die finanziellen Schäden immens wären. "Es wäre eine Katastrophe, wenn die Tour nicht gefahren oder erstmal abgesagt wird", sagte Deutschlands Rundfahrt-Star Emanuel Buchmann dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Alles andere könne der Radsport ganz gut verkraften, meinte der 27-Jährige, wie die Absagen und Verlegungen von Klassikern wie Mailand-Sanremo oder Rundfahrten wie dem Giro. "Aber wenn die Tour ausfällt, wäre das echt schlimm." Buchmann regt eine Vertagung der Großen Schleife an, die am 27. Juni in Nizza beginnen soll: "Vielleicht kann man sie ja auch einen Monat nach hinten verschieben. Es weiß halt niemand, wie die Entwicklung in ein paar Wochen und Monaten aussieht."

Was eine Absage wirklich bedeuten würde, könne man nicht abschätzen, sagte Klassikerspezialist John Degenkolb dem ZDF. "In erster Linie wäre es wahnsinnig erschreckend. Aber es stehen im Moment wirklich wichtigere Dinge auf der Agenda. Wenn man die Tour de France absagen muss, um die Pandemie einzudämmen, ist das die absolut richtige Entscheidung - so bitter das auch für den Einzelnen ist."

Die daraus resultierenden finanziellen Folgen wären verheerend, insbesondere für die Teams, sagte Patrick Lefevere, mächtiger Boss der Top-Equipe Quick-Step der Tageszeitung Het Nieuwsblad: "Wenn es keine Tour gibt, kann das ganze Modell des Radsports zusammenbrechen. Die Teams investieren Millionen in der Gewissheit, dass sie im Sommer mit einem Engagement bei der Tour belohnt werden. Und da mehrere Teams bereits unter dem Druck stehen, Sponsorengelder für 2021 zu finden, wird die Aufgabe im Falle einer Absage nur noch schwieriger."

Mit diesem Worst-Case-Szenario setzen sich die Organisatoren der Tour bislang noch nicht auseinander. "Wir stehen in Kontakt mit der ASO (Tour-Organisator Amaury Sport Organisation, d. Red.)", erklärte Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu am Montag auf France Inter: "Es ist von größter Bedeutung, dass diese Veranstaltung durchgeführt werden kann."

So bleibt Buchmann in dieser "großen Ungewissheit" nur eine Devise: Weitermachen. Denn trotz der Corona-Ausgangssperre in seinem Wohnsitz im österreichischen Lochau direkt am Bodensee, kann Buchmann zum Radfahren noch raus. "Ich trainiere im Moment auf Form halten und hoffe, dass wir in den nächsten Wochen einen besseren Überblick haben, wie es weitergeht", sagte der Kapitän des deutschen Teams Bora-hansgrohe.

Degenkolb hingegen, lässt es ruhiger angehen. "Vor dem Hintergrund, dass mindestens vier Wochen keine Rennen stattfinden werden, macht es keinen Sinn, megahart weiter zu trainieren und den Körper quasi sinnlos weiter zu belasten", sagte der 31-Jährige der FAZ.

Wie bei der Tour läuft für Wimbledon der Entscheidungs-Countdown unerbittlich. In der kommenden Woche soll bei einer Dringlichkeitssitzung des Veranstalters nun eine Entscheidung über das prestigeträchtigste Tennisturnier der Welt (ab 29. Juni) fallen. Eine Absage deutet sich an, denn eine Verschiebung bringt laut des All England Lawn Tennis and Croquet Club (AELTC) Schwierigkeiten und Risiken mit sich.

Die Spielervereinigungen ATP und WTA haben ihre Spielpausen vergangene Woche bereits bis zum 7. Juni verlängert. Der Klassiker an der Church Road in London war bislang kriegsbedingt in den Jahren 1915 bis 1918 sowie 1940 bis 1945 abgesagt worden.

"Wir arbeiten hart daran, Gewissheit über unsere Pläne für 2020 zu erhalten", sagte AELTC-Geschäftsführer Richard Lewis. Für Tennis-Fans könnte diese Gewissheit traurig ausfallen.

(lt/sid)