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Tennis: Roger Federer will Männer und Frauen unter einem Dachverband vereinen

Fusion von Männer- und Frauen-Verband : Federers Vorstoß könnte Tennissport revolutionieren

Fast beiläufig könnte Roger Federer den Tennis-Sport revolutionieren. Der 20-malige Grand-Slam-Sieger hat den Zusammenschluss von Spielern und Spielerinnen unter einem Verband angeregt und eine Welle des Zuspruchs erhalten.

Roger Federer ist mit einem Vorstoß, der das Tennis revolutionieren könnte, in die Corona-Tristesse geplatzt. Der Grand-Slam-Rekordsieger regte die Fusion des Herren-Verbands ATP und der Damen-Organisation WTA an. „Ich frage mich, bin ich der Einzige, der denkt, dass es jetzt an der Zeit ist, dass Männer- und Frauentennis vereint sind und zusammenkommen?“, twitterte der Schweizer am Mittwoch.

Die Antwort folgte prompt: Ist er nicht. Der 38-Jährige bekam unmittelbar Zuspruch, auch von seinem größten Rivalen. „Wie Du aus unseren Diskussionen weißt, stimme ich Dir komplett zu, dass es großartig wäre, aus dieser Weltkrise mit der Vereinigung von Herren- und Damentennis in nur einer Organisation herauszukommen“, schrieb Rafael Nadal. Auch die ehemalige Weltranglistenerste und Wimbledonsiegerin, Simona Halep, unterstüzt Federers Idee. „Du bist nicht der Einzige“, antwortete sie ihm in dem Kurznachrichtendienst.

Und US-Ikone Billie Jean King, die 1973 maßgeblich an der Gründung der WTA beteiligt war, schrieb: „Ich sage dies seit den frühen 1970er Jahren. Eine Stimme, Frauen und Männer zusammen, war lange meine Vision für Tennis. Die WTA allein war immer Plan B. Ich bin froh, dass wir auf derselben Seite sind. Machen wir es möglich.“ 1970 rief King mit acht weiteren Profi-Spielerinnen eine eigene Turnierserie ins Leben, um gegen die unterschiedlichen Preisgelder zu protestieren, die drei Jahre später die WTA-Tour wurde. Im gleichen Jahr bezahlten die US Open den Spielerinnen erstmals genauso viel wie den Männern.

Doch was würde ein gemeinsamer Verband bedeuten?

Die ATP (Association of Tennis Professionals) ist für die Herren- und die WTA (Women’s Tennis Association) für die Damen-Tour verantwortlich. Zudem gibt es noch den Weltverband ITF (International Tennis Federation), der die vier Grand-Slam-Turniere in Melbourne, Paris, London und New York sowie den Davis Cup und den Fed Cup veranstaltet. In der Vergangenheit hat es dadurch immer wieder Reibungsverluste gegeben.

Federer wurde bei seiner Idee präziser: Es gehe ihm nicht um eine Vermischung der Wettbewerbe auf dem Platz, sondern dass die beiden Verbände zu einem großen Dachverband, der die Herren- und die Frauen-Tour betreut, zusammengeschlossen werden. Tennis könne aus diesen schwierigen Zeiten "mit zwei geschwächten Verbänden oder einem starken Verband" herausgehen, schrieb er.

Einem Fan, der das Durcheinander mit zwei separaten Organisationen beklagte, pflichtete der 20-malige Grand-Slam-Gewinner bei. „Für die Fans ist es zu verwirrend, wenn es unterschiedliche Ranglisten, unterschiedliche Logos, unterschiedliche Websites und unterschiedliche Turnierkategorien gibt“, schrieb Federer.

Doch nicht alle finden seine Idee gut. Der Australier Nick Kyrgios, das Enfant terrible des Herrentennis, fragte auf Twitter: „Hat irgendjemand die Mehrheit der ATP gefragt, was sie von einem Zusammenschluss mit der WTA halten und ob das gut für uns ist?“

Wie ist die Haltung des deutschen Verbandes?

Dirk Hordorff, Vizepräsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB) befürwortet den Impuls. "Es ist der richtige Anstoß zur richtigen Zeit", sagte er im Gespräch mit dem SID. "Ich habe die Hoffnung, dass Egos beiseite gelegt werden, dann kann es klappen."

Doch was sagen ATP und WTA?

So reizvoll eine Synchronisierung der unterschiedlichen Ranglisten, Zeitpläne und Regeln auch ist, erhebliche politische Hindernisse bleiben bestehen. Es dürfte einiges an Überzeugungsarbeit nötig sein, dass sich diejenigen, die bei ATP oder WTA in Führungspositionen sind, selbst aus dem Amt wählen. Doch keine Meinung dürfte schwerer wiegen als die der weltweit bewunderten Legende Federer.

ATP-Chef Andrea Gaudenzi zeigte sich offen für Gespräche, sein WTA-Kollege Steve Simon ebenfalls. Gaudenzi weiß, der Sport lässt sich am besten vermarkten, wenn er Frauen und Männer im Turnier vereint. „Ich bin der festen Überzeugung, dass eine kombinierte Veranstaltung sowohl vor Ort als auch über die Medien eine bessere Veranstaltung ist. Es ist einfach toll. Die Vielfalt ist großartig. Unsere Fans lieben beide“, sagte er.

Gaudenzi "hat erkannt, dass die Zersplitterung des Tennis für die insgesamt viel zu geringen Einnahmen verantwortlich ist", sagte DTB-Vize Hordorff.

Wegen der Coronavirus-Pandemie pausieren WTA- und ATP-Tour offiziell vorerst bis zum 13. Juli. Wimbledon wurde zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg abgesagt, die French Open vorerst in den September verschoben.

(mit dpa/sid)