Tennis: Philipp Kohlschreiber schaltet Novak Djokovic aus

Beim ATP-Masters in Indian Wells : Kohlschreiber schaltet Novak Djokovic aus

Philipp Kohlschreiber hat beim ATP-Turnier in Indian Wells überraschend den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic bezwungen. Für den 35-Jährigen war es im zehnten Vergleich erst der zweite Sieg gegen den Serben.

Philipp Kohlschreiber schien beinahe zu schweben vor Glück, vor allem aber war er bester Laune und zu Scherzen aufgelegt. "Leider", bemerkte er unter dem Gelächter der Zuhörer, "ist das Turnier jetzt noch nicht vorbei". Ein Sieg gegen Novak Djokovic gelingt einem ja nicht alle Tage, das wäre ein Grund zum Feiern. Für Kohlschreiber allerdings war das Turnier in Indian Wells mit seinem Coup gegen den Ersten der Weltrangliste nicht beendet.

Kohlschreiber badete beim größten Turnier abseits der vier Grand Slams trotzdem kurz im Meer seiner Emotionen. Das 6:4, 6:4 gegen Djokovic in der dritten Runde des ersten Masters des Jahres war schließlich sein erster Sieg gegen eine Nummer eins nach elf Niederlagen in elf Versuchen. "Gegen die Top-Spieler anzutreten, ist immer ein Vergnügen, aber in der Regel schlagen sie dich", sagte Kohlschreiber, deshalb sei dieser "unglaubliche Sieg" auch "ein ganz besonderer Moment".

Ähnlich hätte sich auch Angelique Kerber äußern können. Bei ihrem spektakulären 6:1, 4:6, 6:1 gegen die Weißrussin Aryna Sabalenka hatte sie im dritten Satz schon 1:4 zurückgelegen. Mit einer Energieleistung rang sie die Weltranglistenneunte, die kürzlich das deutsche Team im Alleingang aus dem Fed Cup geworfen hatte, schließlich nieder. "Ich denke, das Spiel gibt mir Vertrauen, dass ich ein Match drehen kann und dass ich in den entscheidenden Momenten da bin", sagte Kerber, die nun im Viertelfinale auf Venus Williams (USA) trifft.

Djokovic konnte nicht von sich behaupten, bei den "big points" auf der Höhe zu sein: Von vier Breakchancen gegen Kohlschreiber vergab er vier, nach 1:38 Stunden jubelte der 35 Jahre alte, auf Rang 39 der Weltrangliste platzierte Kohlschreiber. Ja, "Novak hatte ein paar Probleme", bekannte der Augsburger, die Nummer eins dürfe eben "nicht ihr bestes Tennis spielen, wenn man sie schlagen will". Er selbst habe allerdings auch "taktisch clever gespielt".

Kohlschreiber spielt seit 2001 auf der Tour, er hat häufiger gewonnen als verloren (352), sein 454. Sieg war der 25. gegen einen Top-Ten-Spieler und somit einer der schönsten. Was ihm dieser Erfolg denn bedeute in dieser Phase, also mutmaßlich der Endphase seiner Karriere, wurde Kohlschreiber noch auf dem Platz gefragt. Seine scherzhafte Antwort kam prompt und sorgte für Gelächter und Applaus beim Publikum: "Was meinen Sie mit Phase? Meine Karriere fängt gerade erst an."

Der Sieg gegen Djokovic, im zehnten Duell sein zweiter nach jenem bei den French Open 2009, war für Kohlschreiber in Indian Wells erst einmal gleichbedeutend mit dem Einzug ins ein Achtelfinale gegen Gael Monfils aus Frankreich. Zuvor, sagte er, werde er dann doch "mit meinem Coach" ein bisschen feiern. Auch wenn das Turnier noch nicht zu Ende ist.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Philipp Kohlschreiber

(sid/old)
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