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Tennis hat ein Vermarktungsproblem: Top wer?

Tennis hat ein Vermarktungsproblem : Top wer?

Um den Zustand des Tennissports ganz gut einschätzen zu können, ist ein Blick auf die Weltrangliste dienlich. Da sind unter den Besten der Zunft Namen zu finden, die maximal den Feinschmeckern der Sportart ein Begriff sein mögen, aber nicht einer breiteren Öffentlichkeit bekannt sind.

Jack Sock zum Beispiel. Ein 25-jähriger US-Amerikaner. Er ist seit 2011 Profi auf der ATP-Tour und hat in dieser Zeit ein Preisgeld von 5,8 Millionen Euro erspielt. Jack wer? Oder der Bulgare Grigor Dimitrov (Nr. 4). Oder Elina Svitolina aus der Ukraine, die Nummer drei bei den Damen. Und würde man Garbiñe Muguruza auf der Straße erkennen? Immerhin ist die Spanierin Nummer vier im Branchenvergleich und gewann bereits zwei Grand-Slam-Turniere bei den French Open (2016) und Wimbledon (2017).

Es gibt im Tennis ein riesengroßes Vermarktungsproblem mit zu wenigen Typen, die ein globales Interesse erzeugen können. Da gibt es bei den Herren Roger Federer, Rafael Nadal und mit etwas Abstand Novak Djokovic und Andy Murray, Letzterer ist vor allem im Vereinigten Königreich ein Star. Bei den Damen ist das Problem noch etwas eklatanter. Serena Williams ist noch in Elternzeit, sie ist im September Mutter einer Tochter geworden. Maria Sharapova ist nach einer abgesessenen Dopingsperre die einzige verbliebene globale Marke.

Sharapova hat selbst viel für ihren Status gemacht - mit einem perfekt inszenierten Auftritt in Sozialen Medien, eigener Süßigkeitenmarke ("Sugarpova") und vielem mehr. Verfehlungen? Es muss ja irgendwie weitergehen. Für Angelique Kerber, die beste deutsche Tennisspielerin, interessiert sich auf internationaler Bühne nur ein sehr überschaubarer Kreis. Sie gilt gemeinhin als zu langweilig, hat keine Geschichte zu erzählen - und ist eben sportlich nicht so dominant, um nachhaltig in Erinnerung zu bleiben.

"Es gibt immer eine gewisse Neigung zur Verklärung, aber in dieser Generation ist es natürlich so eklatant, weil sich nur zwei, drei, den ganzen Kuchen teilen, da bleibt dann für alle anderen natürlich weniger übrig", findet Stefan Edberg. Der Schwede war von Mitte der 1980er bis 1990er-Jahre eines der Gesichter des weißen Sports. "Der Sport hat sich verändert. Es gibt mittlerweile fast in jeder Woche irgendwo auf der Welt ein Tennisturnier, aber es gibt nicht genügend Helden", sagt Edberg, der als Aktiver 72 Wochen Nummer eins die Weltrangliste angeführt hat. "Man wird diese Entwicklung aber nicht mehr zurückdrehen können."

Ein großes Manko ist auch, dass eine große Tennis-Nation wie die USA quasi eine komplette Generation bei den Männern nicht an die Weltspitze führen konnte. Das hatte auch etwas damit zu tun, dass ATP und WTA das Spiel durch Veränderungen an Belag und Bällen verlangsamt haben. Dadurch wurden die technisch besser ausgebildeten Europäer bevorzugt, die US-Amerikaner legen mehr Wert auf Athletik. Immerhin gibt es nun wieder ein paar hoffnungsvolle Talente.

Doch ändert das natürlich nicht das Problem des Tennissports - und schon gar nicht in den kommenden Jahren. Da bleiben nur viele namenlose Gesichter.

(gic)