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Tennis: Angelique Kerbers Neustart ins Olympia-Jahr

"Auf dem Weg nach Tokio" : Kerbers Neustart ins Olympia-Jahr

Nach einer mehr als durchwachsenen Saison will Angelique Kerber 2020 zurück zu alter Form finden. Mit neuem Trainerteam nimmt Deutschlands Tennis-Ass dabei auch einen neuen Anlauf auf Olympia-Gold.

Vor ihrem Neustart ins Olympia-Jahr genehmigt sich Angelique Kerber kleine kulinarische Sünden. Ein paar Plätzchen, ein Glas Wein, dazu das traditionelle Karpfenessen bei den polnischen Großeltern - zu Weihnachten weicht Deutschlands beste Tennisspielerin von ihrem sonst so strikten Ernährungsplan ab. "Das muss man sich gönnen", sagte sie dem SID. Nach den Festtagen liegt der Fokus dann wieder ganz auf dem Sport. Denn Kerber hat für 2020 große Ziele.

Die 31-Jährige blickt zurück auf eine äußerst durchwachsene Saison. Vor allem bei den Grand-Slam-Turnieren blieb die Wimbledonsiegerin von 2018 weit hinter den eigenen Ansprüchen zurück. "Ich glaube, die Aufs und Abs gehören einfach zu mir und meiner Karriere dazu", sagt sie, nur um gleich auch ihren Glauben ans Comeback in der absoluten Weltspitze zu bekräftigen: "Ich denke, ich habe in der Vergangenheit bewiesen, dass ich auch nach etwas schlechteren Jahren zurückkommen kann."

Zum verkorksten Jahr 2019 hat die auf Rang 20 der Weltrangliste abgerutschte Kielerin deshalb auch schon jetzt Abstand gewonnen. Anfang Oktober und damit etwas früher als üblich beendete Kerber ihre Saison, machte Urlaub auf Sri Lanka ("Ein komplett neues Land für mich") und widmete sich in Ruhe der Suche nach einem neuen Trainer. Gefunden hat sie letztlich Ex-Profi Dieter Kindlmann, dazu den italienischen Athletikcoach Marco Panicci, der unter anderem auch Novak Djokovic fit macht.

Mit neuem Trainerteam und neuem Schwung will die dreimalige Major-Siegerin nun sportlich wieder durchstarten. Allerdings ohne sich dabei allzu viel Druck zu machen. "Ich will mir Zeit geben, mein Spiel zu finden", sagt sie: "Mein Ziel ist es zunächst einmal, wieder konstant in meinen Rhythmus zu finden." Erst wenn sie ihr "Selbstvertrauen auf dem Platz" wieder erlangt habe, könne sie auch neue Titel und Trophäen ins Visier nehmen.

Schließlich gibt es davon im kommenden Jahr einige besonders reizvolle im Angebot. In Paris etwa, wo bei den French Open erneut der einzige Grand-Slam-Titel vergeben wird, der ihr in ihrer Sammlung noch fehlt. Dazu bei der Premiere des neuen Fed-Cup-Finalturniers in Budapest, mit Kerbers Ex-Trainer Rainer Schüttler als neuem deutschen Kapitän. Und nicht zuletzt bei den neuen deutschen Heim-Turnieren im Juni auf Rasenplätzen in Berlin und Bad Homburg.

Noch etwas darüber rangieren die Sommerspiele in Tokio. "Olympia ist auch immer ein Ziel, auf das man seinen Turnierplan ausrichtet", betont Kerber, die 2016 in Rio de Janeiro erst im Finale denkbar knapp verloren hatte. In Japan will sie diesmal auch diesen "letzten Schritt" nach Möglichkeit gehen. "Gold wäre natürlich ein Traum", sagt sie: "Die Goldmedaille habe ich noch nicht, die silberne liegt zu Hause."

Selbst ohne Medaille haben die Spiele für die gebürtige Bremerin allerdings einen besonderen Stellenwert. "Wenn man für Deutschland ins Stadion einläuft, gibt das viel Gänsehaut", schwärmt sie noch heute von den Eröffnungsfeiern in Rio und 2012 in London: "Das sind die Momente, die man als Spielerin nie vergisst." Und sollte es im Einzel nicht klappen, gäbe es womöglich ja auch im Mixed an der Seite von Alexander Zverev eine Gold-Chance. "Das Interesse ist da", sagt sie schmunzelnd: "Lasst euch überraschen."

(pabie/sid)