Davis Cup: Greul gewinnt durch Aufgabe gegen Tsonga

Davis Cup: Greul gewinnt durch Aufgabe gegen Tsonga

Toulon (RPO). Kein Wunder, keine Überraschung, stattdessen Enttäuschung über die eigene Chancenlosigkeit. Und dann obendrauf auch noch eine Diskussionn über die Dopingkontrollpraktiken im Tennis sowie die Verweigerung von Philipp Petzschner, die Athletenvereinbarung mit der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) zu unterschreiben. Für den Deutschen Tennis Bund (DTB) war der Trip nach Toulon zum Erstrundenspiel gegen Frankreich alles andere als erfreulich.

Der dreimalige Davis-Cup-Sieger Deutschland muss nach der Niederlage vom 17. bis 19. September erstmals nach vier Jahren wieder um den Klassenerhalt in der Weltgruppe kämpfen, Frankreich steht derweil im Viertelfinale.

"Die Franzosen haben besser gespielt, das muss man anerkennen" - das Fazit von Kapitän Patrik Kühnen nach dem Davis-Cup-Wochenende in Toulon war so einfach wie ernüchternd. Schon am Samstag war die Partie nach der 1:6, 4:6, 6:1, 5:7-Niederlage von Philipp Kohlschreiber und Christopher Kas im Doppel gegen die Spitzenpaarung Julien Benneteau/Michael Llodra entschieden, der 0:3-Rückstand uneinholbar.

Am Sonntag gewann Ersatzmann Simon Greul bei seinem 4:6, 6:2, 1:0-Aufgabesieg gegen Jo-Wilfried Tsonga wenigstens einen Ehrenpunkt, bevor Benjamin Becker gegen Julien Benneteau antrat.

Am meisten von sich reden machte einer, der gar nicht am Start war. Philipp Petzschner hatte sich Anfang des Jahres geweigert, den NADA-Code einschließlich der Meldepflicht des jeweiligen Aufenthaltsortes zu unterschreiben. Er hat sich damit selber Doping-Gerüchten ausgesetzt, steht nicht mehr im A-Kader des DTB und kann demzufolge im Nationalteam nicht eingesetzt werden.

Für den NADA-Vorsitzenden Armin Baumert ist das alles andere als ein Kavaliersdelikt. "Wenn man sowas hört, sagt man 'hoppla!' - und schon ist ein Verdachtsmoment da", sagte Baumert dem SID: "Da gibt es keine Diskussion: Wenn er sich nicht fügt, muss sanktioniert werden. Uns fehlen die Sanktions-Instrumentarien, aber der Verband muss handeln."

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Der DTB sieht allerdings auch keine Möglichkeiten, Petzschner zum Einlenken zu zwingen. "Wir haben keine andere Sanktionsmöglichkeit als den Ausschluss aus dem A-Kader und Nicht-Einsatz in Länderspielen", sagte DTB-Sportdirektor Klaus Eberhard, "die haben wir angewandt."

Sportlich ist in der südfranzösischen Hafenstadt eingetreten, was jeder erwartet hat. Das französische Team mit den Topspielern Jo-Wilfried Tsonga (ATP Nr. 11) und Gael Monfils (Nr. 15) ist zu stark für Deutschland, erst recht, wenn der an der Hüfte verletzte Tommy Haas (Nr. 18) fehlt. Kohlschreiber (Nr. 30) und Becker (Nr. 39), Deutschlands Einzelspieler am Freitag, haben nicht die Qualität der Franzosen.

Ein erfolgreiches Davis-Cup-Team braucht aber einen Topstar. "Uns fehlt eben ein Spieler, der bei Grand-Slam-Turnieren mal im Finale steht und auch sonst immer vorne mitspielt", sagte Kühnen, "wenn man alles gegeben hat, und es reicht dann nicht, muss man sagen, mehr ist nicht drin."

"In dieser Verfassung ist Frankreich ein Titelkandidat", stellte Kühnen nüchtern fest, und Eberhard sagte mit einigem Recht: "Das war kein Glückslos für uns. Dieses französische Team war die beste Mannschaft, die an diesem Wochenende überhaupt im Davis Cup gespielt hat."

Wie groß die Qualität und der Zusammenhalt im französischen Team sind, verdeutlichte die Tatsache, dass der ehemalige Top-Ten-Spieler Richard Gasquet als Trainingspartner zur Verfügung stand und der momentan verletzte Weltranglisten-21. Gilles Simon als Fan auf der Mannschaftsbank saß. "Die Franzosen sind seit Jahren immer in enger Freundschaft auf der Tour zusammen", sagte Kohlschreiber, "bei uns ist der Zusammenhalt nicht so groß."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Davis Cup 2010: Deutschland - Frankreich

(SID/born)