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French Open: Tatjana Maria im Interview über das Muttersein, Turniersiege, Reisen und Kritik an WTA

Tatjana Maria : „Mütter brauchen mehr Hilfe auf der Tennis-Tour“

Tatjana Maria hat als erste Mutter zwei Tennis-Turniere auf der WTA-Tour gewonnen. Im Interview spricht sie über das Muttersein als aktive Sportlerin, Training mit ihrer Tochter und stellt Forderungen an die Verbände.

Frau Maria, vor einigen Wochen haben Sie als zweifache Mutter Ihren zweiten Turniersieg auf der WTA-Tour gefeiert und somit Tennis-Geschichte geschrieben. Hat sich durch diesen Erfolg etwas geändert?

Maria Zu Hause ist alles beim Alten. Mit zwei Kindern ändert sich am Tagesrhythmus nichts (lacht). Ich bekomme aber mehr Aufmerksamkeit im Sport. Wenn ich zu Turnieren fahre, gratulieren viele Sportlerinnen und Sportler und die Interviewanfragen haben auch zugenommen. Es hat aber lange gedauert, bis ich selbst realisiert habe, was es für den Tennis-Sport und mich bedeutet.

Hat sich die Frauen-Profi-Organisation WTA bei Ihnen gemeldet? Sie hatten im Nachgang des Turniersieges schließlich kritisiert, dass Schwangere und Mütter es auf der Tour nicht leicht haben.

Maria Bei der WTA hat sich noch nichts getan und ich fürchte, dass auch noch Zeit verstreichen wird. Wir Spielerinnen haben es aber selbst in der Hand. Kürzlich gewann Taylor Townsend nach ihrer Schwangerschaft im vergangenen Jahr ein Turnier. Es kommt also immer häufiger vor, dass Mütter auf der Tour Pokale gewinnen. Deshalb muss zwingend eine Regel her, dass Schwangere nicht als verletzt gelten. Das ist ja absurd. Es geht aber nicht nur um die WTA – auch der deutsche Tennis-Bund hat nicht viel für mich getan. Da hätte ich mir etwas mehr Unterstützung gewünscht.

Viele Sportlerinnen warten mit dem Kinderwunsch bis nach der Karriere, um diese nicht zu gefährden. Was muss sich aus Ihrer Sicht ändern, damit sich Sportlerinnen diese Frage erst gar nicht stellen müssen?

Maria Wir brauchen generell mehr Hilfe. Als Mütter könnten wir aktuell gar nicht alleine über die Tour reisen. Bei den meisten Turnieren gibt es keine Kinderbetreuung, man kann sein Kind nirgendwo lassen. Bei den Grand-Slam-Turnieren ist das anders – davon gibt es aber nur vier im Jahr. Nicht mal bei den nächstgrößeren Turnieren gibt es regelmäßig solche Möglichkeiten. Dabei ist es für die Kinder schön. Bei den Grand-Slam-Turnieren spielen alle miteinander – ob die von Roger Federer oder mir.

War Ihnen immer klar, wie schwierig der Weg zurück sein kann?

Maria Für mich war immer klar, dass ich wieder zurückkommen und auf der Tour spielen werde. Deshalb stand es vor beiden Schwangerschaften gar nicht zur Debatte, ob ich weitermachen würde. Wir wollten als Familie um die Welt reisen und Turniere spielen. Ich gebe zu, dass wir die perfekte Konstellation haben, weil mein Mann zeitgleich mein Trainer ist und auch Charlotte, meine ältere Tochter, Tennis spielt.

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Können Sie einfach so den Schalter zwischen Muttersein und Tennisprofi umlegen?

Maria Am Anfang war das schon etwas komisch. Aber ich weiß, dass mein Mann weiß, wie er mit den Kindern umgehen muss. Wenn ich auf den Tennisplatz gehe, kann ich mich zu 100 Prozent auf das Spiel konzentrieren.

Was hat sich durch die beiden Kinder auf der Tour für Sie verändert?

Maria Es ist alles einfacher geworden (lacht). Mir macht das Reisen viel mehr Spaß. Früher hatte man so viel Zeit bei den Turnieren, mit der man so richtig nichts anfangen kann. Jetzt kümmere ich mich um meine Kinder und es ist super schön zu sehen, wie Charlotte von den vielen neuen Orten begeistert ist.

Wie sieht dann der Alltag bei Ihnen aus?

Maria Mein Mann und ich sind entspannt unterwegs. Es ist wirklich einfach, weil ich mit Charlotte morgens zwei Stunden zusammen auf der Anlage trainiere und dann machen wir zusammen etwas für die Schule. Ich unterrichte sie selbst. Cecilia halten wir immer so lange wach, bis ich mein Match habe, damit die währenddessen schläft (lacht). Zudem kommt die Mutter meines Mannes häufig mit uns mit.

Sie trainieren mit Ihrer Tochter zusammen?

Maria Ja! Sie hat das Talent von mir und meinem Mann geerbt (lacht). Sie spielt sehr gern Tennis und ich will da ein gutes Vorbild für sie sein. Wir spielen uns von der Grundlinie zusammen ein und danach machen wir Korbübungen zusammen. Das ist komplett normal – wir sind richtige Trainingspartnerinnen. Ich brauche keinen Hit-Partner mehr. Auf Turnieren sage ich schon immer, dass auch andere mit Charlotte spielen können (lacht). Das machen die gern.

Wenn man so viel unterwegs ist wie Sie – gibt es für Sie und Ihre Kinder dann überhaupt Heimat?

Maria Ich komme immer gern nach Deutschland. Ich bin Deutsche und bin immer glücklich, wenn ich wieder da bin. Aber ich fühle mich super wohl in den USA und wir werden sicher hierbleiben. Mit der Reiserei hat Charlotte Gott sei Dank auch kein Problem. Für sie ist das ganz normal, dass sie bei dem einen Turnier die Kinder sieht und bei dem anderen Turnier wieder andere. Sie hat inzwischen auch Freunde gefunden und neue Orte faszinieren sie sowieso. Wir sind einfach auf der großen Welt zu Hause.

Nun geht es nach Paris zu den French Open, Sie sind im Hauptfeld, haben in Bogota ein Sandplatz-Turnier gewonnen. Mit welchen Erwartungen fahren Sie dorthin?

Maria Es ist abgedroschen: aber ich versuche das umzusetzen, was ich im Training erarbeite. Das funktioniert an manchen Tagen besser als an anderen. Aber das Turnier in Bogota hat gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. In Roland Garros will ich das Turnier einfach genießen und Rhythmus reinbekommen. Ich muss mich gut fühlen und fit sein. Dann sehen wir weiter.