Die „Iga Ära“ Swiatek auf der Jagd nach den ganz Großen im Tennis

Paris · Zum dritten Mal gewinnt Iga Swiatek die French Open – und erinnert an die ganz Großen der Tennisgeschichte. Nach ihrem Triumph kann sie auch über ein kleines Missgeschick schmunzeln und setzt zudem ein politisches Zeichen.

 Iga Swiatek mit dem Siegerpokal.

Iga Swiatek mit dem Siegerpokal.

Foto: AP/Aurelien Morissard

Ihr kleines Missgeschick mit dem Coupe Suzanne-Lenglen lächelte Iga Swiatek einfach weg. Im großen Freudentaumel über ihren dritten French-Open-Triumph schüttelte die Polin die Trophäe so stark, dass der silberne Deckel zunächst auf die Bühne für die Siegerehrung fiel und dann über die rote Asche kullerte.

„Sorry, das sollte nicht respektlos sein. Ich bin froh, dass die Trophäe heile ist“, entschuldigte sich die 22-Jährige schmunzelnd nach dem hart erkämpften 6:2, 5:7, 6:4 gegen Karolina Muchova aus Tschechien. „Ich hoffe nur, dass ich die Chance habe, sie auch in den kommenden Jahren zu halten.“ Am Sonntag präsentierte Swiatek den Pokal im schwarzen Abendkleid vor wolkenverhangenem Pariser Himmel mit dem Eiffelturm im Hintergrund.

Es wäre eine Überraschung, sollte es bei ihren drei Erfolgen in nur vier Jahren beim Sandplatzklassiker in Paris bleiben. Als jüngste Frau seit Monica Seles 1992 verteidigte Swiatek ihren Titel im Stade Roland Garros erfolgreich, auch die Marken der Tennis-Größen Chris Evert (7) und Steffi Graf (6) scheinen in Reichweite. Folgt nun die „Iga Ära“, wie die Veranstalter der French Open vermuteten? „Ich setze mir selbst nicht diese verrückten Rekorde oder Ziele. Ich weiß, dass cool zu bleiben der beste Weg für mich ist“, sagte Swiatek über ihr Erfolgsrezept.

Internationale Reaktionen zum French-Open-Sieg von Iga Swiatek
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Foto: AP/Christophe Ena

Angesichts der großen Erleichterung über ihren bislang knappsten Finalsieg im vierten Grand-Slam-Endspiel zeigte sie sich aber sehr emotional. Eigentlich sah es beim Stand von 6:2, 3:0 schon erneut nach einem klaren Erfolg aus, in ihrem ersten Grand-Slam-Finale gab sich Muchova jedoch nie geschlagen. Für mehrere Sekunden ging Swiatek nach dem Matchball und 2:46 Stunden Spielzeit in die Knie und weinte.

„Großer Tag für das polnische Tennis in Paris!“, gratulierte Polens Präsident Andrzej Duda auf Twitter. „Es kann nur eine Königin geben!“, schrieb Regierungschef Mateusz Morawiecki. „Was für ein Champion und ach so jung“, schwärmte die 18-malige Grand-Slam-Turniersiegerin Martina Navratilova. Als jüngste Spielerin seit Serena Williams hat Swiatek nun vier Grand-Slam-Titel gewonnen.

Nicht nur auf dem Platz ist die Polin derzeit der größte Star ihrer Generation, sie äußert ihre Meinung auch abseits klar. In ihrer Pressekonferenz rief Swiatek andere Spielerinnen und Spieler zur Einheit gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine auf. „Meine Unterstützung gilt allen Ukrainern, weil ich weiß, dass ihre Situation nicht einfach ist. Wenn ich in ihren Schuhen stecken würde, wüsste ich ehrlich nicht, ob ich antreten könnte“, sagte sie. Die Tennis-Gemeinschaft solle zusammen „alles unternehmen, um die russische Aggression zu stoppen“, forderte Swiatek. Als Zeichen der Unterstützung trug sie auch im Finale eine kleine Ukraine-Flagge an ihrer Kappe.

(lonn/dpa)