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French-Open-Boykott: Tennis-Star Naomi Osaka gebührt Dank für Protest

Boykott bei French Open : Naomi Osaka gebührt für ihre starke Haltung Dank und Anerkennung

Die Nummer zwei der Weltrangliste hat sich einen Namen als meinungsstarke Frau gemacht. Sie setzt öffentlich Zeichen gegen Rassismus und steht für Gleichberechtigung ein. Bei den French Open steht sie nun vor allem für sich ein. Warum auch das wichtig ist.

Naomi Osaka ist nicht nur ein Tennisstar, sie ist auch Aktivistin und Vorreiterin, wenn es um politisches und soziales Engagement geht. Sie zeigt immer wieder deutlich Haltung und hat eine klare Meinung. Dass sie damit oft auch auf Ablehnung stößt, dass sie kritisiert wird, nimmt sie in Kauf. Es allen recht machen zu wollen, liegt ganz offensichtlich nicht in ihrer Natur. Sie steht für die Sachen ein, die sie als richtig und wichtig empfindet – ob es dabei um andere geht, oder wie nun bei den French Open um sie selbst. Gerade das verdient Anerkennung und Dank. Häme und Egoismus-Vorwürfe sind hier fehl am Platz.

Die in den USA lebende Japanerin nutzt ihre Strahlkraft, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Bei den Western and Southern Open in New York im vergangenen Jahr hat sie sich dem Spielboykott der Basketballer angeschlossen und hat ihr Halbfinale ebenfalls abgesagt. Mit Erfolg. Die Veranstalter verschoben den ganzen Spieltag, die Anti-Rassismus-Proteste in den USA gewannen an Aufmerksamkeit und Bedeutung. Bei den US Open kurz darauf trug sie bei jedem Spiel Masken mit dem Namen von Opfern von Polizeigewalt. Die 23-Jährige scheut den Dialog mit Gegnern und Kritikern nicht.

Bei den French Open nun hat sie die mentale Gesundheit zu ihrem Thema gemacht. Weil es ein Thema ist, das auch sie ganz persönlich betrifft. Dass sie ihre Ankündigung wahr machte, an den vorgeschriebenen Presseterminen nicht teilzunehmen, statt dessen lieber die für diesen Verstoß gegen die Veranstalter-Regeln vorgesehene Geldstrafen zu zahlen, dürfte niemanden wirklich überrascht haben. Für einige mag diese Aktion egoistisch wirken. Weil sie sich diesen Luxus leisten kann, andere Spielerinnen müssen erscheinen, weil sie nicht mal eben 15.000 Euro Strafe zahlen können. Dabei ist das schon das eigentliche Problem, das sie in den Fokus rückt: Der Zwang.

Dass  ein gemeinsames Vorgehen vieler Spielerinnen gegen die strengen Auflagen für die Profis zudem kaum möglich ist, hat die Vergangenheit schon mehrfach gezeigt. Wie auf dem Court kämpfen die Spielerinnen und Spieler noch allzu oft für sich selbst. Osaka ist nicht die Erste, die kritisiert, dass die Spielerinnen und Spieler, egal wie es ihnen körperlich oder mental geht, in teils stundenlage Presserunden gezwungen werden. Depressionen, Erschöpfung oder psychische Belastung werden dabei völlig außer Acht gelassen.

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Osaka ist auch nicht die Erste, die zu so einem Termin nicht erscheint. Weil sie aber schon vorher die Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt hat, wird es nun zu einem Politikum bei den French Open. Dass dies im Rückzug der Japanerin endet, ist traurig, hilft aber vielleicht dabei, endlich ein Umdenken bei den Veranstaltern zu erreichen, von dem dann auch andere Tennisspielerinnen und -spieler profitieren.

So wie nun in Paris zieht Osaka mit ihren Aktionen viel Aufmerksamkeit auch auf sich und weg von dem sportlichen Event und ihren Kolleginnen. Das gefällt nicht allen. Muss es auch nicht. Man muss Oasakas Art nicht mögen. Man muss sie schon gar nicht nur wegen ihres Engagements lieben. Doch die teils drastischen Reaktionen zeigen, dass die Welt ihre Anliegen hört. Allein dafür sollte man ihr dankbar sein, sollte man anerkennen, dass sie ihre privilegierte Situation nutzt, denen Gehör zu verschaffen, die in der Gesellschaft keine Stimme haben.

Dass sie dabei sportliche Nachteile für sich selbst riskiert, mag zwar nur als Randnotiz bei einer der bestverdienensten Sportlerinnen der Welt gelten, ist aber keine Selbstverständlichkeit. Denn wäre es das, würde Osaka nicht immer wieder weitgehend allein so prominent mit ihrem Protest auf dem Platz stehen.

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