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French Open 2021: Naomi Osaka will eine Interviews geben

Keine Interviews : Osaka will bei French Open die Medien boykottieren

Naomi Osaka nutzt die French Open, um mal wieder ein Statement über das Tennis hinaus zu senden. Die Japanerin wird Pressekonferenzen boykottieren, um auf mentale Gesundheit aufmerksam zu machen. Eine mögliche Geldtsrafe fürchtet sie nicht.

Der Tenniscourt ist Naomi Osaka längst zu klein geworden. Die Japanerin ist viermalige Grand-Slam-Siegerin, bestverdienende Sportlerin der Welt, tütet dicke Werbedeals am laufenden Band ein - sie ist zur globalen Marke aufgestiegen. Und diese Popularität nutzt die 23-Jährige gern, um Zeichen über den Sport hinaus zu setzen. Ihr Protest gegen Polizeigewalt bei den US Open sorgte für weltweites Aufsehen, nun nimmt sich Osaka in Roland Garros eines neuen Themas an: mentale Gesundheit.

"Ich habe häufig gemerkt, dass die Leute keine Rücksicht auf die psychische Verfassung der Athleten nehmen, und das wird mir auf Pressekonferenzen immer wieder bewusst", schrieb die Weltranglistenzweite in den Sozialen Medien - und zog einen radikalen Schluss: Bei den am Sonntag beginnenden French Open will Osaka sämtliche Medientermine boykottieren. Keine Interviews, keine Pressekonferenzen nach den Matches, um ein Statement zu setzen.

Es ist eine Entscheidung, die aber auch Fragen aufwirft. Schließlich speist sich Osakas enorme Popularität eben auch aus der Berichterstattung über ihre Person und ihre Botschaften. So erlangte im vergangenen Herbst ihr Protest mit den Namen von sieben Opfern von Polizeigewalt auf sieben Mund-Nasen-Masken weltweit mehr Aufmerksamkeit als der schlichte Triumph bei den US Open.

Die in den USA lebende Tochter einer Japanerin und eines Haitianers hebt sich dadurch von ihren oft blassen Konkurrentinnen ab - und genau das macht sie so attraktiv für Werbepartner. Erst in dieser Woche errechnete das Sportbusiness-Portal Sportico, dass Osaka die mit Abstand bestverdienende Sportlerin der Welt ist. Über 55 Millionen Dollar strich sie in den vergangenen zwölf Monaten ein - lediglich fünf Millionen waren Preisgelder. Zum Vergleich: Ihr großes Idol, die 23-malige Grand-Slam-Siegerin Serena Williams (USA), kommt "nur" auf 35,5 Millionen Dollar.

Osaka weiß deshalb auch um die Kraft ihrer Botschaften. Die Strafen für das Fernbleiben von obligatorischen Medienterminen - jeweils bis zu 20.000 Dollar - nimmt sie da gerne in Kauf. Sie hoffe, dass die Summe einer Einrichtung für psychische Gesundheit gespendet wird. Auch gegen solche Strafgelder wolle sie ein Zeichen setzen, da die mentale Gesundheit der Athleten völlig außer Acht gelassen werde.

Profisportler bekämen oft "Fragen gestellt, die Zweifel aufkommen lassen, und ich werde mich einfach nicht den Leuten aussetzen, die an mir zweifeln", schrieb Osaka, Viele Spielerinnen und Spieler hätten nach Niederlagen auf Pressekonferenzen schon emotionale Zusammenbrüche erlitten: "Ich glaube, dabei geht es nur darum, eine Person zu treten, die bereits am Boden liegt, und ich verstehe die Gründe dahinter nicht."

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Dass auf ihr wegen solcher Aktionen aber auch ein besonderer Druck lastet, äußerte Osaka bereits Anfang des Jahres. "Sobald man eine mutige Haltung einnimmt, muss man wirklich gewinnen, sonst geht die Botschaft verloren", schrieb sie in einem Gastbeitrag für den Telegraph. Auch bei den French Open hallt ihr Protest desto lauter, je mehr Matches sie gewinnt - bislang kam sie in Paris aber nie über die dritte Runde hinaus.

(sid/dpa)