Fed Cup 2019: Pleite von Deutschland gegen Weißrussland offenbart Nachwuchsprobleme

Nach Duell mit Weißrussland : Deutsche Fed-Cup-Pleite offenbart Nachwuchsprobleme

Nach der deutlichen Pleite gegen Weißrussland steht für das deutsche Fed-Cup-Team der Abstiegskampf an. Das hat vor allem einen Grund: Hinter Angelique Kerber und Julia Görges fehlen die Alternativen auf Topniveau.

Barbara Rittner nahm kein Blatt vor den Mund. Der Klassenunterschied, der sich bei der krachenden 0:4-Pleite der deutschen Fed-Cup-Mannschaft gegen Weißrussland offenbart hatte, gab der starken Frau im deutschen Damentennis spürbar zu denken. Zu deutlich war die in Abwesenheit ihrer Topspielerinnen Angelique Kerber und Julia Görges von Routinier Andrea Petkovic angeführte Mannschaft in Braunschweig unterlegen. Doch Alternativen zur Ü30-Generation gibt es keine.

„Ich will Spielerinnen wie Antonia Lottner, Carina Witthöft oder Anna-Lena Friedsam auf keinen Fall abschreiben“, sagte Rittner, neben ihrem Amt als Head of Women's Tennis beim Deutschen Tennis Bund (DTB) auch weiterhin Bundestrainerin, anschließend: „Aber das sind nicht so große Talente wie Kerber oder Petkovic. Davon ist die aktuelle Generation weit entfernt, aber Bessere haben wir nun mal nicht.“

Die Lücke, die im deutschen Damentennis unterhalb der Spitze derzeit klafft, sie war am Wochenende nicht zu übersehen. Abgesehen von den Fed-Cup-Routiniers, die in Braunschweig zum Einsatz kamen, stehen nur noch Tamara Korpatsch (Hamburg), Lottner (Düsseldorf) und Witthöft (Hamburg) unter den ersten 200 der Weltrangliste. Andere Hoffnungsträgerinnen sind vorerst nicht in Sicht. „Das ist die Sorge, die mich am meisten umtreibt, die auch den Fokus meiner Arbeit bestimmt“, sagte Rittner im Interview mit dem Münchner Merkur.

Die deutschen Frauen haben ein Nachwuchsproblem. 2018 fanden die Juniorinnen-Konkurrenzen aller vier Grand-Slam-Turniere komplett ohne deutsche Beteiligung statt. Und auch bei den Australian Open in Melbourne stand Anfang des Jahres keine einzige deutsche Juniorin im Hauptfeld. Die Hoffnung des DTB, sie muss deshalb wohl zwangsläufig noch eine Weile auf Kerber (31) und Görges (30) ruhen. Die brennende Frage ist nun, ob beide zum Kampf um den Klassenerhalt in der Weltgruppe am 20./21. April ins Team zurückkehren.

Rittner will sich mit der Wimbledonsiegerin Kerber und der Weltranglisten-16. Görges zusammensetzen. „Es gilt abzuklären, wo die Reise hingeht“, sagte sie: „Wir müssen mal gucken, ob wir alle zu einem eingeschworenen Haufen zurückbekommen.“ Wo und gegen wen in den Play-offs gespielt wird, entscheidet sich in der Auslosung am Dienstag. Mögliche Gegner sind Spanien, die Schweiz, Lettland und Kanada - die allesamt das Selbstvertrauen aus ihren gewonnenen Duellen aus der Weltgruppe II mitbringen.

Kerber und Görges schlagen da wohl gerade beim WTA-Turnier in Doha auf. Um sich darauf vorzubereiten hatten sie auch ihre Teilnahme in Braunschweig frühzeitig abgesagt. Eine Entscheidung, die Rittner durchaus nachvollziehen kann. Stattdessen prangerte sie den Weltverband ITF und die Frauentennis-Organisation WTA wegen ihrer Terminorganisation an.

„Die Argumente sind auf Seiten der Spielerinnen“, sagte Rittner: „Die müssen Montag in Doha spielen, womit es natürlich zu einer Frage der Prioritäten wird. Ganz offensichtlich haben sie dieses Jahr die Einzel-Karriere vorgezogen.“ Das Fed-Cup-Team muss nun darauf hoffen, dass sich dies bald wieder ändert.

(sid/seka)
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