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Davis Cup: Deutschland will sich in Düsseldorf gegen Weißrussland qualifizieren

Auch ohne Zverev in der Favoritenrolle : Davis Cup schlägt in Düsseldorf auf

Am Freitag und Samstag will sich die deutsche Tennis-Auswahl gegen Weißrussland für die Endrunde qualifizieren. Alexander Zverev fehlt dem Team allerdings.

Und plötzlich ist ein gewisser Jan-Lennard Struff die Nummer eins im deutschen Tennis-Team. Zumindest am kommenden Wochenende in Düsseldorf. Denn der DTB hat sich für die Landeshauptstadt als Austragungsort der Davis-Cup-Partie gegen Weißrussland entschieden. Der Gewinner des Länderduells qualifiziert sich automatisch für die Finalwoche des neu geschaffenen Wettbewerbs in Madrid. Struff ist sozusagen die Vertretung von Alexander Zverev, dessen Absage schon eine Weile bekannt war. Neben Struff hat Bundestrainer Michael Kohlmann Routinier Philipp Kohlschreiber nominiert. „Kohli“ läuft und läuft und läuft – es ist bereits der 23. Einsatz des 36-Jährigen für Deutschland. Eine durchaus beachtliche Zahl, da es nicht eine solch Menge an Länderspielen wie im Fußball gibt. „Das Ziel ist es, Madrid zu erreichen. Beim Davis Cup gewinnst du für dein Land. Es könnte einer meiner letzten Auftritte sein. Daher bin ich etwas nervös, will die Endrunde aber natürlich trotzdem erreichen. Wir sind jedenfalls bereit“, sagt Kohlschreiber.

„Bereit“ ist natürlich relativ. So bereit die DTB-Auswahl eben ohne Zverev sein kann. Struff ist die Nummer 34 der Weltrangliste. Zverev ist 27 Plätze vor ihm gelistet. Doch Zverev ist derzeit mit sich selbst beschäftigt. Statt im Davis Cup startet er bei einem zweitklassigen Challenger in Indian Wells. Er will sich so auf die dann anstehenden Aufgaben vorbereiten. Im deutschen Team ist das kein großes Thema. Kohlschreiber betont lieber, wie ausgeprägt der Mannschaftsgeist der Anwesenden sei. Besonders über Struff überschlägt er sich förmlich in Lob: „Er ist ein starker Einzelspieler, aber kann auch im Doppel ran. Er ist verdammt wichtig für das Team.“ Struff selbst zeigt sich ebenfalls als Teamspieler: „Es ist immer eine Ehre für mich, für Deutschland und im deutschen Trikot zu spielen. Ich mag es, etwas zurückzugeben. Denn als ich hier angefangen habe, gab es Spieler, die das Team geführt haben und zu denen ich hochgeschaut habe. Diese Rolle nun selbst auszuführen, als Nummer eins anzutreten, bedeutet mir sehr viel. Ich werde alles geben.“

Die Absage von Zverev war für Kohlmann nicht überraschend. „Wir haben viel darüber gesprochen. Es war klar, dass die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, wenn er die Turniere in Acapulco und Indian Wells spielt“, sagte der Teamkapitän. Ob Zverev für die Endrunde im November zur Verfügung steht, ist auch noch offen. „Erst müssen wir uns ja mal qualifizieren“, meinte Kohlmann. Und für Weißrussland, so die Hoffnung, sollte es auch ohne Zverev reichen. „Wir sind in der Rangliste besser platziert, haben ein Heimspiel – insofern sehe ich uns schon in der Favoritenrolle“, sagte Kohlmann bei der Vorstellung seiner Auswahl. „Wir nehmen nichts und niemanden auf die leichte Schulter.“ Das findet auch Boris Becker, der in seiner Funktion im Verband Vorgesetzter von Kohlmann ist.

Das deutsche Davis-Cup-Team ist seit den Zeiten von Becker eine Ansammlung von sehr speziellen Charakteren. Als Kohlschreiber noch etwas ambitionierter an sein Tagwerk ging, ist er so manchem gehörig auf den Geist gegangen mit seinen Sonderwünschen. Herausgekommen sind ein paar peinliche Momente im deutschen Herrentennis. Diese düsteren Zeiten will Kohlschreiber naturgemäß lieber nicht in Erinnerung rufen und verkündet: „Wir sind jetzt ein tolles Team.“

Ob dieses Team am Freitag und Samstag in der Mehrzweck-Sporthalle Castello in Düsseldorf an große Zeiten anknüpfen kann, muss vorsichtig bezweifelt werden. Es ist alles eine Nummer kleiner geworden in Deutschland. Das große Ziel ist Madrid. Da ist die große Bühne aufgebaut. Die ITF, die Dachorganisation, hat den Davis Cup an einen Vermarkter abgegeben. Hinter der Finanzierung steckt die Investmentgruppe Kosmos. Zu deren Gründern gehört Spaniens ehemaliger Fußball-Weltmeister Gerard Pique. 2,7 Milliarden Euro für 25 Jahre – so steht es zumindest in den Verträgen. Wie das Paket praktisch funktionieren soll? Genaues ist nicht bekannt. Die ersten Eindrücke sprechen jedenfalls nicht dafür, dass daraus wirklich eine Traditionsveranstaltung erwachsen könnte. Bei vielen Partien gab es viele leere Ränge.