Davis Cup: Deutschland nach Kohlschreiber-Sieg im Viertelfinale

Davis Cup : Deutschland nach Kohlschreiber-Sieg im Viertelfinale - Struff verliert

Das deutsche Davis-Cup-Team steht beim erstmals ausgetragenen Finalturnier in Madrid im Viertelfinale. Der Sieg von Philipp Kohlschreiber reichte bereits für die K.o.-Runde.

Philipp Kohlschreiber verwandelte direkt den ersten Matchball fürs Viertelfinale souverän, in der Box jubelte Boris Becker vergnügt: Das deutsche Davis-Cup-Team ist beim neuen Finalturnier in Madrid in die K.o.-Phase eingezogen. Kohlschreiber bescherte der Auswahl des Deutschen Tennis Bundes (DTB) durch sein 6:4, 6:3 gegen Nicolas Jarry bereits im ersten Match des Tages den benötigten Punkt für den Einzug ins Viertelfinale.

Daran änderte auch die Niederlage von Jan-Lennard Struff nichts. Der Warsteiner musste sich in seinem bereits unbedeutenden Einzel gegen Cristian Garin trotz dreier Matchbälle mit 7:6 (7:3), 6:7 (7:9), 6:7 (8:10) geschlagen geben. Das abschließende Doppel der French-Open-Sieger Kevin Krawietz und Andreas Mies gegen Garin und Jarry brachte die Entscheidung über den Sieg, der für die Viertelfinal-Qualifikation aber nicht mehr von Bedeutung war.

"Wir sind ein großartiges Team und sind sehr glücklich, im Viertelfinale zu stehen", sagte Kohlschreiber: "Wir wussten, dass wir einen Punkt brauchen. Es war wichtig, den bereits im ersten Match zu holen." Am Mittwoch hatte sich die Mannschaft von Kapitän Michael Kohlmann durch ein überraschendes 3:0 gegen Argentinien die gute Ausgangslage gesichert.

Im Vorjahr waren die Deutschen im Viertelfinale nach dem alten Modus an den Spaniern in der Stierkampfarena von Valencia gescheitert, nun geht es als Sieger der Gruppe C am Freitag (nicht vor 17.30 Uhr/DAZN) gegen Großbritannien um Superstar Andy Murray um den ersten Halbfinaleinzug seit 2007. "Wir hoffen, dass die Reise hier noch weitergeht", sagte Struff.

Als Schlüssel für die starken Auftritte in Spanien nannte Kohlschreiber den guten Teamgeist. "Wir haben eine Monsterstimmung und ein tolles Team über die Jahre", sagte der 36-Jährige. Das Fehlen von Spitzenspieler Alexander Zverev, der seine Teilnahme am neuen Finalturnier kategorisch ausgeschlossen hatte, fiel in Madrid bislang nicht ins Gewicht.

Nur einige Hundert Zuschauer hatten sich gegen Chile am spärlich besetzten Court 2 eingefunden, ein Großteil davon chilenische Anhänger. Stimmung kam nur selten auf - kein Vergleich zu den argentinischen Fans am Vortag, die mit Trommeln und lautstarken Gesängen für alte Davis-Cup-Atmosphäre gesorgt hatten.

Im Viertelfinale droht noch ein tristeres Bild: Wie Deutschland hatte auch Großbritannien bislang keine große Fanunterstützung in den Stadien - und parallel am Freitagabend spielt Gastgeber Spanien mit Superstar Rafael Nadal im Hauptstadion um den Halbfinaleinzug. Kohlschreiber stören die vielen leeren Plätze aber nicht. "Wir spielen immer noch für unser Land", sagte er: "Da macht es keinen großen Unterschied, ob du vor 100 oder 10.000 Fans spielst."

Gegen den wackeligen Jarry spielte Kohlschreiber ein "nahezu perfektes" Match, wie er anschließend sagte. Der Augsburger ließ keinen einzigen Breakball zu, nahm dem Chilenen hingegen zweimal den Aufschlag ab und beendete schon nach 68 Minuten die Partie mit seinem ersten Matchball.

Deutlich mehr Gegenwehr hatte Struff im Tiebreak-Krimi gegen Garin. Im zweiten Satz ließ er bereits einen Matchball ungenutzt, im Entscheidungssatz war Struff zwei weitere Male nur einen Punkt vom Sieg entfernt. Nach 2:41 Stunden musste er sich dann geschlagen geben.

(lt/pabie/sid)