Davis Cup: Carlo Thränhardt hilft Tennis-Team auf die Sprünge

Davis-Cup-Duell mit Frankreich: Thränhardt hilft Tennis-Team auf die Sprünge

Der ehemalige Weltklasse-Hochspringer gehört zum Betreuerstab des Davis-Cup-Teams.

Carlo Thränhardt als vielseitig zu bezeichnen, wäre arg untertrieben. Er bezeichnet sich als "Key Note Speaker" und bietet Management-Seminare, Business-Talks, Motivations-Vorträge an. Er hat ein Buch geschrieben ("Helden auf Zeit"), im Fernsehen moderiert und gekocht ("Das perfekte Promi-Dinner"). Er wirbt für Schmerzgel und "digitale Erlebnis-Welten". Den Beruf des Industriekaufmanns hat er erlernt, Germanistik und Journalistik studiert. Zu den Bewohnern des Dschungelcamps zählte er auch schon mal. Und jetzt gehört der Athletik-, Fitness- und Mentalcoach, als der er sich bezeichnet, zum neuen Betreuerstab des Davis-Cup-Teams das ab heute in Frankfurt auf die Tennis-Mannschaft Frankreichs trifft.

Vor seiner Premiere im neuen Job sagt Thränhardt: "Das Hauptthema ist es, die Muskulatur der Spieler so vorzubereiten, dass zum Wochenende hin die größtmögliche Schnellkraft und Flexibilität gegeben ist - und die größtmögliche Lust auf Leistung." Der 57-Jährige liefert Manager-Seminar-Sprech in Vollendung. Noch ein Versatzstück aus dem Baukasten: "Es macht mir großen Spaß, Menschen weiterzuentwickeln und sie an ihre Grenzen heranzuführen."

Wenn Thränhardt den Tennisprofis eins vermitteln kann, dann ist es Stressfestigkeit. Vor 25 und mehr Jahren, als er zu den besten Hochspringern der Welt gehörte, pokerte er im Wettkampf regelmäßig mit Kollegen wie Dietmar Mögenburg oder Patrik Sjöberg. Welche Höhe wird ausgelassen? Wie kann der Gegner unter Druck gesetzt werden? Dreimal verbesserte er den Weltrekord. Seine Bestmarke liegt bei 2,42 Meter - bis heute ist das Hallen-Europarekord. Und bis heute nutzt er seine Erfolge zur Eigenvermarktung. Einen "Weltrekord-Vortrag" hat er im umfangreichen Programm, das er Unternehmen anbietet.

Thränhardt war der Höhen-, nicht aber der Medaillenjäger. Seine einzige internationale Medaille bei einem Freiluft-Wettbewerb holte er 1986 in Stuttgart mit EM-Bronze. Der in seiner Hoch-Zeit für den ASV Köln und für die LG Bayer Leverkusen startende Hochspringer ließ schon häufig durchblicken, dass er die Erfolge der Konkurrenten bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen zum Teil auf Doping zurückführt.

Auch im fortgeschrittenen Athletenalter machte er noch große Sprünge. Vor anderthalb Jahren verbesserte er im "Hochsprung-Mekka" Eberstadt den Altersklassenweltrekord der Männer über 55 Jahren auf 1,90 Meter.

Carlo Thränhardt war zu besten Hochspringer-Zeiten eine Marke. Nicht nur wegen seiner Leistungen. Der 1,99-Meter-Schlaks mit den blonden Haaren pflegte sein Image als unkonventioneller Athlet. Von der Zigarette mochte er sich selbst auf dem Trainingsgelände nur selten trennen. Und nicht nur, wenn sich in Eberstadt inmitten der Weinberge die Weltelite traf, kam ein guter Tropfen auf den Tisch des Hauses.

Thränhardt, der seinen Lebensmittelpunkt in München hat, bewegt sich schon lange in der Tennis-Szene. Vor rund 20 Jahren hat er Boris Becker betreut. Zuletzt arbeitete er vor allem mit deutschen Profis aus der zweiten Reihe zusammen, manchmal auch mit dem nicht gerade pflegeleichten Spitzenspieler Philipp Kohlschreiber.

(RP)
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