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Davis Cup 2021: Deutschland erstmals seit 14 Jahren im Halbfinale

Davis Cup : Erstes Halbfinale seit 14 Jahren für deutsche Tennis-Herren

Deutschland hat erstmals seit 14 Jahren das Halbfinale im Davis Cup erreicht. Gegen Großbritannien war wieder einmal auf das Doppel Verlass.

Kevin Krawietz schmiss sich waghalsig mit Becker-Hecht in die Bälle, Jan-Lennard Struff und Co. brüllten sich auf der Tribüne die Seele aus dem Leib - dank einer enormen Energieleistung lebt der Traum vom vierten Titel im Davis Cup. Erstmals seit 14 Jahren stehen die deutschen Tennisprofis wieder im Halbfinale, auch ohne Olympiasieger Alexander Zverev kämpfen sie am Wochenende in Madrid um die "hässlichste Salatschüssel der Welt".

Die nervenstarken Krawietz und Tim Pütz machten in Innsbruck in einem packenden Krimi gegen Großbritannien die gelungene Revanche für das Viertelfinal-Aus vor zwei Jahren perfekt. Angetrieben von den lautstarken Anfeuerungsrufen ihrer Teamkollegen in der ansonsten coronabedingt leeren Olympiahalle holten die beiden Doppelspezialisten, die noch nie ein Match im Davis Cup verloren haben, mit einem 7:6 (12:10), 7:6 (7:5) gegen Joe Salisbury/Neal Skupski den entscheidenden Punkt zum 2:1. Im zweiten Tiebreak machten sie sogar einen 0:5-Rückstand wett.

Nicht weniger beeindruckend war zuvor die Leistung von Struff gewesen, der den Showdown mit einem 7:6 (8:6), 3:6, 6:2 gegen den Weltranglisten-Zwölften Cameron Norrie überhaupt erst erzwungen hatte. "Das war einer der wichtigsten Siege, die ich errungen habe", sagte der Warsteiner, der einem extremen Druck standhielt. Denn Peter Gojowczyk, erstmals seit sieben Jahren wieder im Davis Cup im Einsatz, hatte zum Auftakt 2:6, 1:6 gegen Daniel Evans verloren.

Halbfinalgegner am Samstag (13.00 Uhr/ServusTV) ist entweder die russische Mannschaft oder Schweden, das Endspiel in der spanischen Hauptstadt findet am Sonntag statt. Deutschland hat den wichtigsten Teamwettbewerb im Männertennis bisher dreimal gewonnen (1988, 1989, 1993).

Für ihre Auftritte in der Vorrunde mit Siegen gegen Serbien um Grand-Slam-Rekordchampion Novak Djokovic und Österreich hatte die deutsche Mannschaft schon viel Lob erhalten. Der Weltranglisten-Dritte Zverev, der als Gegner des neuen Davis-Cup-Formats auf eine Teilnahme verzichtete, gratulierte aus seinem Urlaub, und auch Boris Becker war beeindruckt. "Die Mannschaft ist der Star. Ich bin stolz auf die Jungs", sagte die Tennis-Ikone, sah das Team aber gegen Großbritannien als leichten Außenseiter.

Kapitän Michael Kohlmann versuchte es deshalb mit einem Kniff bei der Aufstellung und schenkte Gojowczyk statt Dominik Koepfer das Vertrauen. Der 32-Jährige, der sich in diesem Jahr bei den US Open als Qualifikant überraschend bis ins Achtelfinale gespielt und zwei Halbfinals auf der ATP-Tour erreicht hatte, agierte aber viel zu angespannt und fehlerhaft.

  • Kevin Krawietz und Tim Pütz (l).
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"Ich habe nicht so gut geschlafen, weil ich ein bisschen nervös war", erklärte er: "Du willst es natürlich unglaublich gut machen, wenn du für Deutschland spielst." Unglaublich gut machte es dann der hellwache Struff. Der 31-Jährige lieferte dem 39 Weltranglistenplätze besser klassierten Norrie, der im vergangenen Monat überraschend das Masters in Indian Wells gewonnen hatte, mit vollem Risiko ein Match auf Augenhöhe.

Dabei bewies er auch große Nervenstärke, als er den Tiebreak des ersten Durchgangs nach zwei abgewehrten Satzbällen noch gewann. "Jetzt versuchen wir natürlich, ins Halbfinale einzuziehen", sagte er nach seiner Glanzleistung bei ServusTV - und wie schon gegen Serbien und Österreich lieferten Krawietz und Pütz wieder beeindruckend ab.

(ako/sid)