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Novak Djokovic hat Australien nach Annullierung seines Visums verlassen

Heimflug statt Titelverteidigung : Djokovic hat Australien verlassen

Nach seiner Niederlage vor Gericht ging alles ganz schnell. Nur wenige Stunden nach dem abgewiesenen Einspruch gegen die erneute Annullierung seines Visums hat Novak Djokovic Australien verlassen.

Das vernichtende Verdikt der Richter war kaum ausgesprochen, da packte Novak Djokovic schon voller Enttäuschung die Taschen - den Ort seiner schmerzvollsten Niederlage wollte er so schnell wie möglich verlassen. Um 22.52 Uhr, bereits gut fünf Stunden nach dem abgewiesenen Einspruch gegen die erneute Annullierung seines Visums, kehrte der ungeimpfte Tennisstar Melbourne am Sonntagabend mit Flug EK409 nach Dubai den Rücken. Das tagelange Hickhack lässt viele Verlierer zurück - und Alexander Zverev als möglichen großen Profiteur.

Den K.o. schon vor dem ersten Ballwechsel der Australian Open trug der Titelverteidiger zumindest nach außen mit Fassung. "Ich bin extrem enttäuscht über die Entscheidung", schrieb Djokovic zwar umgehend in einem Statement, er werde diese aber "respektieren", und er gab sich endgültig geschlagen. Ob der 34-Jährige überhaupt wieder in Melbourne aufschlagen wird, ist fraglich: Bei entzogenem Visum droht in Australien eine Einreisesperre von drei Jahren.

Einstimmig hatten die drei Bundesrichter am Sonntag im juristischen Showdown mit der australischen Regierung gegen Djokovic entschieden und dem Weltranglistenersten die letzte Hoffnung auf einen Start bei den Australian Open genommen. "Es ist mir unangenehm, dass der Fokus in den vergangenen Wochen auf mir lag", schrieb Djokovic: "Ich hoffe, dass wir uns nun alle wieder auf das Spiel konzentrieren können und auf das Turnier, das ich liebe."

Denn schon ab Montag wird es Down Under beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres ernst - und das nach dem vorzeitigen Aus des neunmaligen Titelträgers unter völlig neuen Voraussetzungen. Topfavorit Djokovic wäre ein möglicher Halbfinalgegner von Olympiasieger Zverev gewesen, nun ist klar: Bis zum Finale kann der Weltranglistendritte aus Hamburg nicht auf einen besser klassierten Spieler treffen. Zverevs Chancen auf den ersehnten ersten Grand-Slam-Titel sind auf einmal rasant gestiegen.

Schon einen Tag vor dem finalen Akt der Causa Djokovic hatte sich Zverev selbstbewusst zu den Mitfavoriten gezählt, mit den Erwartungen könne er gut umgehen. "Als Topspieler hat man immer Druck, aber Druck ist doch ein Privileg", sagte der 24-Jährige. Mit dem Titel in Melbourne würde er im Februar sogar Djokovic in der Weltrangliste vom Thron stoßen und als erst zweiter Deutscher nach Boris Becker die Spitze erklimmen.

Während sich der deutsche Topspieler auf sein Erstrundenmatch gegen Landsmann Daniel Altmaier am Montag (2. Match nach 9.00 Uhr MEZ/Eurosport) vorbereitete, schäumten Djokovics Landsleute in der Heimat vor Wut. Serbiens Präsident Aleksandar Vucic sprach erneut von einer "Hexenjagd" gegen den Volkshelden und warf den Anwälten der australischen Regierung in einem "sinnlosen Gerichtsverfahren" Lügen vor.

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Der serbische Tennisverband war der Meinung, "Politik hat den Sport besiegt". Das Online-Portal "kurir.rs" sprach sogar von der "größten Schande in der Geschichte des Sports". Der australische Premierminister Scott Morrison begrüßte hingegen "die Entscheidung, unsere Grenzen stark zu halten und die Sicherheit der Australier zu gewährleisten".

Vorausgegangen war eine beispiellose Auseinandersetzung des Weltranglistenersten mit den Behörden seit seiner Ankunft in Melbourne am 5. Januar, Djokovic war sogar mehrere Tage in einem Abschiebe-Hotel festgesetzt worden. Der 20-malige Grand-Slam-Sieger war ungeimpft und im Glauben, aufgrund einer Coronainfektion Mitte Dezember im Besitz einer ausreichenden medizinischen Ausnahmegenehmigung zu sein, in das strikt gegen die Pandemie vorgehende Land eingereist.

Die Kontroverse fand in der ganzen Welt Beachtung, Djokovic war schon vor dem erneuten Entzug des Visums durch Einwanderungsminister Alex Hawke am Freitag immer mehr in Bedrängnis geraten. Unter anderem räumte er ein, dass er im Dezember in Serbien an einem Interview mit französischen Journalisten trotz des Wissens um einen positiven Coronatest teilgenommen habe.

Der Fall spaltete auch die Tennisszene, Superstar Rafael Nadal zeigte sich arg genervt von der Posse. "Die Australian Open sind viel wichtiger als jeder einzelne Spieler", sagte der Spanier, der sich mit seinem 21. Grand-Slam-Titel zum alleinigen Rekordhalter aufschwingen kann. Ein Ziel, das eigentlich auch Djokovic am 30. Januar in Melbourne erreichen wollte.

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(dpa/old)