Mit acht Fingern und sieben Zehen Britin Jones qualifiziert sich für Australian Open - trotz Handicap

Düsseldorf · Die britische Tennisspielerin Francesca Jones hat sich erstmals für die Australian Open qualifiziert. Das ist eindrucksvoll, denn die 20-Jährige wurde mit nur acht Fingern und sieben Zehen geboren.

Die Weltranglisten-241. Francesca Jones hat sich nach drei Siegen gegen besser klassifizierte Spielerinnen in der Qualifikation in Dubai zum ersten Mal für einen Grand Slam qualifiziert. Das allein ist schon bemerkenswert, zumal sie zu den am niedrigsten gerankten Spielerinnen bei den Australian Open in Melbourne gehören wird. Doch noch beeindruckender ist es angesichts der Tatsache, dass sie mit einem seltenen genetischen Defekt, einer Ektrodaktylie-Ektodermal-Dysplasie, geboren wurde, der dazu führte, dass sich bei ihr nur acht Finger und sieben Zehen bildeten. Ärzte sagten ihr, dass sie niemals eine Tennis-Karriere verfolgen könnte. Als die Mediziner ihr das sagten, beschloss sie, sie vom Gegenteil zu überzeugen, erzählt sie.

Ihr Einzug ins Hauptfeld der Australian Open führte zu einem emotionalen Anruf aus Dubai bei ihren Eltern zu Hause. „Sie konnten gar nicht viel sagen. Alles, was ich gehört habe, war Weinen, Schreie und meinen bellenden Hund“, erzählte die 20-jährige Britin: „Es war ein ziemlich ergreifender Anruf weil wir offensichtlich viel zusammen durchgemacht haben. Ich habe das Vereinigte Königreich mit neun oder zehn verlassen. Man verpasst viele Erlebnisse mit den Eltern und das war hart für uns alle.“ Schon als junges Mädchen ging sie nach Barcelona an die Akademie Sánchez-Casal.

In der drei Runden andauernden Quali in Dubai schlug sie zum ersten Mal in ihrer Karriere zwei Top-200-Spielerinnen: die Rumänin Monica Niculescu, einst sogar Nummer 128 der Welt, und Chinas Jia-Jing Lu in nur 61 Minuten (6:0, 6:1) sowie Kroatiens Jana Fett.

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Foto: dpa/Lee Jin-Man

Eine ihrer größten Beeinträchtigungen ist die Balance, sagt sie. „Wenn man weniger Zehen hat, hat man nicht so viel Fläche, die man mit dem eigenen Gewicht belastet und ich habe ein höheres Risiko, mich zu verletzen.“ Aber davon lässt sie sich nicht abhalten. „Mein Körper ist nicht dazu gebaut, dass ich eine Athletin bin, aber das heißt nicht, dass ich es nicht sein kann. Man musste Autos auch erst von Grund auf bauen, ein Rolls Royce wurde auch immer verbessert. So sehe ich das.“

Die Reise nach Melbourne für sie beginnt wohl am Freitag, wenn sie mit einem Charterflug nach Australien reist, um sich dort für 14 Tage in Quarantäne zu begeben, bevor am 8. Februar das Turnier startet.

(eh)