Australian Open 2018: Angelique Kerber und Coach Wim Fissette - das passt

Neues Erfolgsduo : Mit Coach Fissette stimmt nicht nur Kerbers Fitness wieder

Angelique Kerber hat sich nach ihrer Formkrise eindrucksvoll zurückgemeldet. Mit einem neuen Coach an ihrer Seite ist die deutsche Tennisspielerin noch ungeschlagen. Der Belgier Wim Fissette hat an den richtigen Schrauben gedreht.

Im vergangenen Herbst zog Kerber die Konsequenzen aus dem für sie so enttäuschenden Jahr 2017 und gleichzeitig einen Schlussstrich. Sie beendete die Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen Trainer Torben Beltz, mit dem sie 2016 zur Nummer eins der Welt geworden war. Als neuen Coach präsentierte sie den Belgier Fissette. "Mit Wim fängt ein neues Kapitel an und ich freue mich darauf, nächste Woche mit ihm zum ersten Mal auf dem Platz zu stehen", sagte Kerber im November: "Er hat schon oft bewiesen, wie gut er als Trainer ist und ich bin gespannt, was wir zusammen erreichen können." Eine ganze Menge, das lässt sich schon rund zwei Monate später sagen.

Kerber präsentiert sich im neuen Jahr in bestechender Form. Sie hat noch kein einziges Match verloren und steht bei den Australian Open, die sie 2016 überraschend gewann, im Halbfinale. Ihre Leistung im Viertelfinale war eine Demonstration. Beim 6:1, 6:2 in nur 51 Minuten ließ sie der US-Amerikanerin Madison Keys keine Chance. "Ich bin froh, dass es nicht so lange gedauert hat. So habe ich ein bisschen mehr Zeit, mich auf das Halbfinale vorzubereiten", sagte Kerber. Dort trifft die 30-Jährige am Donnerstag (ca. 6 Uhr MEZ/Eurosport) auf die Weltranglisten-Erste Simona Halep aus Rumänien, die sich gegen die Tschechin Karolina Pliskova 6:3, 6:2 durchsetzte. "Das wird keinen Unterschied machen, dass ich jetzt keinen Tag frei habe, das bringt den Rhythmus nicht durcheinander", sagte Kerber. Im direkten Vergleich mit Halep steht es 4:4.

Ihr neuer Coach wird Kerber bestens auf die Aufgabe vorbereiten können. Schließlich hat Fissette in seiner erfolgreichen Karriere auch schon Halep trainiert. Nach der Saison 2014, in der Halep das Finale der French Open erreichte, trennte sich das Duo. Die Rumänin wollte damals lieber wieder mit einem Coach aus Rumänien arbeiten, so die offizielle Begründung. Mittlerweile ist der Australier Darren Cahill ihr Trainer.

Der Belgier Fissette hatte 2013 Sabine Lisicki ins Wimbledon-Finale gecoacht und neben Halep unter anderem schon Kim Clijsters (Belgien), Wiktoria Asarenka (Weißrussland) und zuletzt Johanna Konta (Großbritannien) betreut - allesamt Top-Spielerinnen. Clijsters führte er 2009 nach deren Babypause zum erfolgreichen Comeback inklusive dem Sieg bei den US Open wenige Wochen nach der Rückkehr auf die Tour. Damals war Fissette (bestes Ranking als Spieler: 1291) selbst erst 29 Jahre alt.

Nun vertraut Kerber auf die Hilfe des 37-Jährigen. "Ich habe schon öfter gegen sie gecoacht. Als ich sie spielen sah, habe ich immer gedacht, da ist noch mehr rauszuholen", sagte ihr neuer Trainer zuletzt der Tageszeitung "taz". "Angie ist eine absolute Künstlerin in der Defensive. Aber sie kann und muss sich noch mehr Angriff zutrauen. Sie hat alles, um die Matches auch selbst klar zu bestimmen." In Melbourne hat Kerber bislang die richtige Mischung zwischen Defensive und Offensive gefunden. Gegen Halep, die eine ähnliche Spielweise hat, muss Kerber erneut mutig agieren und darf sich nicht bloß auf ihr Konterspiel verlassen.

Neben dem taktischen Ansatz und der Fitness - Kerber wirkt ähnlich explosiv und drahtig wie im Erfolgsjahr 2016 - haben die beiden vor allem am Aufschlag geschraubt, nicht gerade eine Stärke im Spiel der 30-jährigen Kielerin. "Als wir uns das erste Mal zusammensetzten und über die gemeinsame Arbeit sprachen, habe ich klar gemacht, dass wir am Aufschlag etwas richtig verändern müssen", sagte Fissette, "schließlich ist das der einzige Schlag im Tennis, den der Gegner nicht beeinflussen kann." Kerber ist noch immer keine Ass-Maschine, aber sie variiert mehr und ist deshalb bei eigenen Aufschlagspielen weniger anfällig.

Auch menschlich scheint es zwischen den beiden zu passen. "Wim und ich verstehen uns auch abseits vom Platz gut, das ist sehr wichtig", sagte Kerber nach ihrem hart umkämpften Achtelfinal-Sieg gegen Su-Wei Hsieh aus Taiwan im "Eurosport"-Interview. Der Belgier spricht fließend Deutsch, das erleichtert die Kommunikation zusätzlich.

Kerber wirkt neben den Platz in Interviews befreit und locker, auf dem Platz fokussiert und selbstbewusst. Schon jetzt steht fest, dass sie nach den Australian Open wieder in den Top Ten geführt werden wird. Begonnen hatte sie das Jahr als Nummer 21. Damit haben Kerber und Fissette ein erstes gestecktes Ziel schon im Januar erreicht. "Das Nahziel ist nun, wieder in die Top Ten zu kommen", hatte der Belgier vor dem Turnier gesagt.

(areh)
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