ATP-Turnier in Stuttgart: Erholter Federer setzt alles auf einen weiteren Wimbledonsieg

Rückkehr nach Pause: Erholter Federer setzt alles auf einen weiteren Wimbledonsieg

Roger Federer kehrt in Stuttgart nach zweieinhalb Monaten Pause auf die ATP-Tour zurück. Zum Auftakt der Rasensaison hat der Grand-Slam-Rekordsieger nicht nur den neunten Wimbledon-Titel im Hinterkopf.

Braun gebrannt, frisch frisiert und bestens gelaunt lief Urlauber Roger Federer den Fanmassen in Stuttgart in die Arme. Schon am Sonntag füllte er die Anlage am Weissenhof noch vor Turnierbeginn mit einer öffentlichen Trainingseinheit auf dem Centre Court mit Philipp Kohlschreiber. Wie im letzten Jahr beginnt der Rasenkönig aus der Schweiz nach langer Pause die Saison auf seinem Lieblingsbelag in Schwaben, an deren Ende möglichst der neunte Triumph in Wimbledon stehen soll.

"Für mich bleibt der Wimbledonsieg das Nonplusultra auf der Tour", stellte Federer gleich klar. Mit dieser Kampfansage läutete der 36-Jährige die nächste Jahreszeit im Tennis-Kalender ein. Nach etlichen Wochen der Dominanz von Matador Rafael Nadal auf den Sandplätzen Europas soll nun erneut die Zeit Federers folgen. Eine Abfolge, die sich beinahe so verfestigt zu haben scheint, wie die Reihenfolge der Jahreszeiten.

"Die Ferien waren wunderbar. Ich habe keine Rückschläge erlebt, aber es ist für mich schon ein komisches Gefühl, einen Grand Slam nicht zu spielen, obwohl ich eigentlich fit gewesen wäre", sagte der 20-malige Majorsieger nach zweieinhalb Monaten Pause: "Früher war ich immer derjenige, der alles gespielt hat." Zuletzt hatte er im März beim Masters in Miammi auf dem Platz gestanden.

In Stuttgart trifft Federer auf Mischa Zverev

Am Mittwochnachmittag trifft Federer in Stuttgart im Achtelfinale auf den sechs Jahre jüngeren Mischa Zverev. Der Hamburger besiegte zum Auftakt den Russen Michail Juschni 7:6 (7:5), 6:3. Im letzten Jahr war der Grand-Slam-Rekordchampion, ebenfalls nach längerer Pause, zum Auftakt überraschend im Achtelfinale an seinem Freund Tommy Haas gescheitert. Vor zwei Jahren war im Halbfinale gegen Dominic Thiem Schluss.

2018 greift Federer im dritten Anlauf nach seinem ersten Turniersieg in Stuttgart. Mit dem Finaleinzug könnte er Nadal wieder von der Spitze der Weltrangliste verdrängen. "Das ist schon eine Extra-Motivation, aber vielleicht nicht am Anfang des Turniers", sagte der Australian-Open-Champion: "Mischa ist auf Rasen immer gefährlich."

Die bisherigen fünf Vergleiche (davon drei auf Rasen) sprechen jedoch eine andere Sprache. Bislang blieb dem Hamburger gegen Federer ein Satzgewinn verwehrt. "Ich freue mich auf Roger. Mit der Zeit komme ich näher an ihn ran", sagte der zehn Jahre ältere Bruder von Alexander Zverev: "In den letzten beiden Matches gab es zumindest schon mal zwei Tiebreaks."

Während Federers Rivale Nadal in den letzten Wochen seine Gegner auf Sand zumeist vom Platz fegte, machte es sich der Schweizer mit seiner Frau und den vier Kindern in der Sonne von Miami, Ibiza und Dubai bequem. Nach einem Konditionsblock verbrachte Federer die letzten vier Wochen in der Schweiz und erhöhte wieder das Pensum seines Tennistrainings.

Als Nadal am Sonntag im Finale gegen Thiem seinen elften French-Open-Titel einfuhr, reiste der Schweizer zeitgleich nach Stuttgart und verwandelte das Training mit Kohlschreiber in ein spektakuläres Showmatch. Spätestens ab Mittwoch muss Federer für seinen großen Traum den Schalter vom Urlaubs- wieder in den Wimbledon-Modus gestellt haben. Ganz dem Tennis-Kalender folgend.

(rent/SID)