Nach Debakel in Stuttgart: Tennis: Steeb sieht schwarz für deutschen Nachwuchs

Nach Debakel in Stuttgart : Tennis: Steeb sieht schwarz für deutschen Nachwuchs

Stuttgart (rpo). Nach dem deutschen Debakel beim ATP-Turnier am Stuttgarter Weissenhof sieht Daviscup-Teamchef Carl-Uwe Steeb für den Tennis-Nachwuchs schwarz. Erstmals in der 85-jährigen Geschichte des Stuttgarter Turniers schaffte keiner der sieben im Hauptfeld gestarteten deutschen Profis den Sprung in die zweite Runde.

"Zwischen unseren besten Profis wie Haas oder Kiefer und der zweiten Garnitur klafft eine Lücke. Wo unsere Topspieler im Moment stehen, sollte eigentlich auch unser Nachwuchs platziert sein", sagte Steeb besorgt: "Keine Frage, da muss was passieren."

Die Hoffnungen ruhen jetzt auf der Umstrukturierung des Nachwuchskonzeptes. Nachdem das 1997 vollmundig als "ideales Förderprojekt" ins Leben gerufene Mercedes-Junior-Team um "Ziehvater" Boris Becker kläglich scheiterte und jüngst vom Deutschen Tennis Bund (DTB) "geschluckt" wurde, basteln die Verantwortlichen an der Zukunft. "Es ist geplant, in drei Städten Anlaufstellen für den Nachwuchs zu schaffen", meint Steeb.

Dabei sollen die vermeintlichen Tennis-Sternchen der kommenden Jahre in erster Linie vom gescheiterten Konzept des Becker-Teams profitieren. Steeb: "Durch die Übernahme des DTB haben wir auch in finanzieller Hinsicht viel mehr Möglichkeiten. Wir können noch mehr junge Profis gezielt fördern. Die Kräfte sind jetzt gebündelt." Auch Becker ist erfreut über "die konsequente Weiterentwicklung". Er freue sich, "dass wir nun gemeinsam für die Zukunft des deutschen Tennis arbeiten können", ließ der dreimalige Wimbledon-Sieger verlauten.

Es geht darum, leistungsstarke Gruppen zu bilden, die gemeinsam auf Turnierreise gehen können. "Durch die neuen Voraussetzungen ist es möglich, dass ein Coach einen einzigen Spieler mal begleitet", betont Steeb. Bereits in den nächsten Wochen sollen die personellen und strukturellen Planungen abgeschlossen sein. In welchem Umfang DaimlerChrysler das Projekt weiter unterstützt, ist nicht bekannt. Insider gehen davon aus, dass der Automobilkonzern die bisherigen Zuwendungen von rund einer Million Mark pro Jahr nicht kürzen wird.

Doch Geld allein bringt keinen Erfolg. Das weiß nicht zuletzt ein Schwabe und ehemaliger Weltklassespieler wie Steeb, der deshalb die Profis in die Pflicht nimmt: "Die Spieler müssen Verantwortung übernehmen. Viele denken, die Trainer bringen einen schon ganz nach oben. Die Leistung müssen sie aber auf dem Platz zeigen."

(RPO Archiv)
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