Wengen/Düsseldorf: Temporekord: 161,9 km/h in der Abfahrt

Wengen/Düsseldorf: Temporekord: 161,9 km/h in der Abfahrt

Zwei deutsche Siege: Neureuther gewinnt Slalom in Wengen, Rebensburg setzt sich bei Super-G in Cortina durch.

Es war ein besonderer, ein goldiger, ein glückselig machender Sonntag für die alpinen Skirennläufer des Deuschen Skiverbands (DSV). Viktoria Rebensburg gewann den Super-G im italienischen Cortina d'Ampezzo, Felix Neureuther setzte sich anderthalb Stunden später im Slalom von Wengen durch. Für beide war es der zweite Sieg in dieser Saison. "Das ist ein besonderes Wochenende für uns, da gehen Träume in Erfüllung", sagte Sportchef Wolfgang Maier.

Für den spektakulärsten Moment sorgte ein französischer Rennläufer. Johan Clarey stellte beim Abfahrtsklassiker am Samstag im schweizerischen Wengen einen neuen Geschwindigkeits-Rekord in der 46-jährigen Geschichte der Weltcup-Rennen auf. In der Passage "Haneggschuss" erreichte er 161,9 km/h und lag damit deutlich über der Richtgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen. "Das ist eine kleine Sache im Rennen, aber ich bin sehr glücklich dayrüber", sagte Clarey – 31 Jahre alt, 1,91 m groß, 98 Kilogramm schwer. Bislang gehörte er nicht zur absoluten Elite. In zehn Weltcupjahren ist ein dritter Platz sein bestes Resultat.

Clarey konnte das Tempo allerdings nicht halten: Er belegte Rang fünf, 1,17 Sekunden hinter Sieger Christof Innerhofer (Italien). Der Franzose profitierte bei seinem Rekord von den Witterungsbedingungen. Die Luft war trocken, und es lag kein Neuschnee in der Piste. In der Kombinations-Abfahrt am Freitag hatte der Schweizer Carlo Janka mit 158,77 km/h schon einen Weltcup-Rekord aufgestellt.

Den offiziellen Geschwindigkeits-Weltrekord auf Ski hält seit sieben Jahren der Italiener Simone Origone, der auf der bekannten Spezialstrecke im französischen Les Arcs auf 251,4 km/h kam. Auf der Kitzbüheler Streif, wo nächstes Wochenende die neben der WM bedeutendsten Rennen des Winters stattfinden, werden 145 km/h erreicht.

Der Haneggschuss gilt als längstes und schnellstes Stück im Weltcupzirkus, bei dem eine Schussfahrt möglich ist. Im Vergleich zum Vorjahr wurde die Geschwindigkeitsmessung weiter nach unten verlegt, genau an die Stelle mit dem höchsten Tempo. Das führt dazu, dass erstmals seit 2005 am Lauberhorn wieder das Spitzentempo gemessen werden kann.

Mit rund 4,5 Kilometer ist die lauberhorn-Abfahrt die längste im Weltcup. Zwischen dem Start und dem Ziel in dem autofreien und nur mit der Seilbahn erreichbaren Ort Wengen liegen mehr als 1000 Höhenmeter.

Speedmessungen sind umstritten. Lange galt die Rekordjagd als verpönt. Jetzt sagt Renndirektor Günter Hujara: "Wenn es der längste Schuss im Weltcup erlaubt und es ungefährlich ist, kann man dort auch Höchstgeschwindigkeiten erreichen." Die Rennfahrer mögen das Spektakel. Seit den ersten Trainingsläufen gab es für sie kaum noch ein anderes Thema.

Der Österreicher Romed Baumann sagte: "Es gibt einfach nichts Schöneres, als bei diesem Wetter mit 160 km/h eine Piste runterzuschnalzen."

(RP)