Laut Umfrage Frauen im Spitzensport noch immer benachteiligt

Berlin · Im deutschen Spitzensport ist nach Ansicht vieler Athletinnen die Gleichberechtigung noch nicht angekommen. In einer SWR-Umfrage unter mehr als 700 Spitzensportlerinnen gab etwa jede Dritte an, für ihren Erfolg spiele auch ihr Äußeres eine Rolle. Die weiteren Ergebnisse.

 Frauen sprinten bei der Leichtathletik-EM in Polen (Symbolbild).

Frauen sprinten bei der Leichtathletik-EM in Polen (Symbolbild).

Foto: dpa/Darko Vojinovic

Auch im deutschen Spitzensport ist nach Ansicht vieler Sportlerinnen die Gleichberechtigung noch nicht angekommen. In einer nicht repräsentativen, anonymen Online-Umfrage des Südwestrundfunks unter 719 Spitzensportlerinnen gaben nur 43 Prozent den Sport als Haupteinnahmequelle an, 41 Prozent der Befragten verdienen weniger als 10.000 Euro im Jahr - und das obwohl die meisten auf internationalem Niveau agieren.

Grund dafür sei vor allem auch die massiv geringere Berichterstattung über Frauen. Laut Studien von Ilse Hartmann-Tews von der Deutschen Sporthochschule Köln beschäftigt sich die tagesaktuelle Sportberichterstattung nur zu zehn Prozent mit Sportlerinnen. Der Sport in den Medien werde immer noch „als klassische Männerdomäne dargestellt.“

Zudem äußerte in der SWR-Umfrage etwa jede dritte Spitzensportlerin das Gefühl, Fans und Gesellschaft erwarteten von ihr ein anderes Verhalten als von männlichen Kollegen. Jede Dritte gab an, für ihren Erfolg spiele auch ihr Äußeres eine Rolle.

Jede vierte Teilnehmerin wurde in ihrem Sport schon einmal sexuell belästigt, fast ein Fünftel berichtet von Stalking, Anfeindungen oder Beschimpfungen. Sechs Teilnehmerinnen gaben an, in ihrem Sport schon einmal sexuell missbraucht worden zu sein. Gemeldet an Trainer, Verein, Verband oder andere Vertrauenspersonen haben solche Vorfälle aber nur 49 Prozent. Als Begründung wurde unter anderem angegeben, dass sich nichts ändern würde oder es negative Auswirkungen auf die Karriere hätte. Auch die beruflichen Chancen nach der aktiven Karriere in ihrem Sport sehen 52 Prozent der Befragten für sich schlechter als für Männer.

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Zwar habe der Sport als traditionelle Männerdomäne schon viele Unterstützungsstrukturen für Frauen entwickelt. Für Gleichstellung, Gleichbehandlung und gleiche Chancen bedürfe es aber noch vieler Anstrengungen, sagte Hartmann-Tews: „In der Hinsicht kann man nicht sagen, dass Sport wirklich fair ist.“

(kron/dpa)