Streit um zu viele Spiele im Tennis – alle gegen Federer

Streit um zu viele Spiele im Tennis – alle gegen Federer

Melbourne/Düsseldorf In diesen Tagen bei den Australian Open geht es um viel Geld. Um sehr viel Geld. 18,8 Millionen Dollar werden unter den Teilnehmern des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres ausgespielt. Das ist eine Rekordsumme, so viel gab es noch nie bei einem der vier bedeutenden Wettbewerbe in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York. Die Sieger bei Damen und Herren bekommen je 2,56 Millionen Dollar. Man könnte also annehmen, in der Branche ist man durchaus zufrieden mit den Geschäften. Vielen Spielern ist der Einsatz zu hoch – durch einen viel zu voll gepackten Terminkalender ist die Belastung der Profis groß, Verletzungen sind die Folge. Es gibt also viele, die gar nicht mehr an die Geldtöpfe herankommen.

Schon viele haben sich in der Vergangenheit zu Wort gemeldet und eine Reduzierung des Spielplans angemahnt. Passiert ist wenig. Das liegt vor allem an den völlig unterschiedlichen Interessen von Aktiven, Verbänden und Turnierveranstaltern. Roger Federer ist Vorsitzender der Spielergewerkschaft. Der Schweizer war 285 Wochen in seiner Karriere die Nummer eins der Rangliste, aktuell ist er auf dem dritten Platz notiert. Seine Stimme hat in der Szene also Gewicht.

Der 30-Jährige hat sich in der Debatte vornehm zurückgehalten. Dafür hat sich nun ein anderer ordentlich Luft gemacht. Der Spanier Rafael Nadal, zweiter Vorsitzender der Gewerkschaft, hat seinem Spitzenfunktionär und Rivalen auf der Tour offen Untätigkeit vorgeworfen. "Es ist leicht, zu sagen: Ich mache nichts, alles ist gut, und ich bleibe ein Gentleman, während sich andere verbrennen", sagte Nadal. "Er wird seine Karriere blühend beenden, weil er ein privilegierter Athlet ist. Aber weder Andy Murray noch Djokovic oder ich werden so aufhören können." Das liegt vor allem an der Geschäftstüchtigkeit der ATP, dem Verband der professionellen Tennisspieler, die immer neue Lizenzen vergibt und dafür natürlich kräftig kassiert. Die unter ihrem Dach organisierten Spieler werden indes verpflichtet, verschiedene Turniere zu spielen. Wer sich daran nicht hält, wird gesperrt. Der Weltverband ITF schaut dem ganzen tatenlos zu und hat auch keine Lösung parat.

Vor ein paar Wochen wollte es eine Gruppe von Spielern offenbar selbst in die Hand nehmen. Es heißt, Rafael Nadal habe ziemlich offen damit kokettiert, einen Streik für ein besonders öffentlichkeitswirksames Mittel halten, um für seine Interessen zu werben. Zur Umsetzung kam es allerdings nicht, weil unter anderem Federer sein Veto einlegte. Nadal wollte sich damit aber nicht begnügen und machte seinem Ärger über den Konkurrenten jetzt Luft. Andere Spieler meldeten sich ebenfalls und unterstützen den Mallorquiner. Sie fordern mehr Freiräume bei der Planung des Jahreskalenders und ein anderes System bei der Erstellung der Weltrangliste. Die wird bislang anhand der Ergebnisse eines Jahres errechnet. Nach Vorstellung des Nadal-Lagers soll dieser Zeitraum ausgedehnt und verletzte Spieler besser geschützt werden. Federer hat sich nicht auf einen Schlagabtausch mit Nadal eingelassen. "Das stimmt so alles nicht. Ich verfolge nur einen anderen Weg und diskutiere das nicht auf Pressekonferenzen", sagte er und rüffelte damit Nadal.

Von der einst herausgestellten Harmonie der beiden ist nicht viel geblieben. Zu unterschiedlich sind ihre Interessen.

(RP)