SpoBis 2019: Hier feiert sich der Sport selbst

SpoBis-Kongress : Der deutsche Sport feiert sich in Düsseldorf selbst

Sport ist ein Milliarden-Business, und alle Beteiligten wollen ein Stück vom Kuchen abbekommen. Beim „SpoBis“ in der Düsseldorfer Messe feiert sich die Branche in diesen Tagen selbst. Immer mit dabei: die Hoffnung auf den nächsten Deal.

An diesem Tag im Congress Center Düsseldorf feiert sich eine Branche gewissermaßen selbst. Alles, was Rang und Namen hat, ist dort vertreten. Es ist die 23. Auflage des sogenannten SpoBis, zum neunten Mal bereits trifft sich die Szene am Rhein. Es gibt an zwei Tagen viel zu bereden. Veronika Rücker, die Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), erzählt darüber, warum ihr Verband E-Sports nicht ganz so doll findet. Jan Pommer, lange Lobbyist der Gaming-Szene und nun Geschäftsführer des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen, darf die Gegenrede halten. In einem anderen Raum geht es um digitales Greenkeeping, also der Frage, wie der Fußballplatz immer schön grün bleibt. Auf Bühne 11 erzählen Vertreter des SC Freiburg darüber, wie das neue Stadion des Klubs aussieht. Im Publikum sitzen viele gut gekleidete Menschen, es werden ziemlich oft Smartphones gezückt und englische Fachausdrücke miteinander ausgetauscht.

Das Wichtigste bei einer solchen Veranstaltung ist das Gipfeltreffen in den Gängen. Es werden Visitenkarten und Prospekte ausgetauscht. Sport ist ein gigantischer Markt, und es gibt reichlich Angebote und auch Nachfrage. Beim SpoBis werden Digital-Projekte vorgestellt, Marketinginstrumente, um dem Fan ein Mehrwert zu bieten, oder Möglichkeiten, das Stadion-TV besser produzieren zu können. Fast jeder Bundesligist hat eine Abordnung entsandt, die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sind mit einer größeren Delegation angereist. Auch andere Sportverbände zeigen Präsenz. Basketball, Eishockey und die Handball-Liga – jeder hofft auf einen Kontakt für neue Geschäfte. Und zumindest etwas Aufmerksamkeit neben dem Fußball. „Wir alle“, sagt Gernot Tripcke, Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga (DEL), „wollen eine Geschichte erzählen und damit möglichst viele Menschen begeistern.“

Der Eintritt zu diesem exklusiven Kreis hat seinen Preis – ein Tagesticket für die Veranstaltung kostet in der billigsten Kategorie 64 Euro (im Foyer) und 2490 Euro mit Zugang zum VIP-Bereich mit allen Entscheidern. Am Donnerstag kommen unter anderem Hans-Joachim Watzke (Dortmund) und Karl-Heinz Rummenigge (FC Bayern München). Die Sportstadt Düsseldorf hatte sich bewusst für die Austragung dieses Branchentreffs beworben. Die Landeshauptstadt inszeniert sich gerne als gigantische Spielwiese für Veranstaltungen von Marathon bis Tischtennis. Immerhin verfolgt man das ambitionierte Ziel, sich 2032 als ein Teil einer möglichen deutschen Olympia-Bewerbung in Stellung zu bringen. Auf dem SpoBis darf sich unter anderem die Düsseldorfer EG (Eishockey) dem Fachpublikum präsentieren.

Der Fußball ist indes das große Thema. Alexander Jobst, Vorstand Marketing des FC Schalke 04, spricht darüber, warum der Fußball-Bundesligist in eine „League of Legends“-Franchise-Lizenz investiert und damit Millionen in den E-Sports investiert, mehr als jeder andere Klub hierzulande. Es geht darum, sich in der Branche zu positionieren. Und es geht darum zu zeigen, dass man das Thema nicht verschlafen hat.

Ein paar Räume weiter sind die Träume etwas kleiner. Die Zweite Liga kämpft um ihren Platz. Ilja Kaenzig, Vorstandschef des VfL Bochum, und Rüdiger Fritsch (Darmstadt 98) verteidigen die Abschaffung der Montagsspiele in der 2. Fußball-Bundesliga ab der Saison 2021/22. „Dann kann man die Liga gleich dicht machen, wenn man alles vom Montagsspiel abhängig macht. Wir müssen als 2. Liga ein volksnahes und regionales Event bleiben“, sagt Kaenzig. „Fußball ist für viele eben nicht wie eine Netflix-Serie, es ist wie eine Religion.“ Sport1-Geschäftsführer Olaf Schröder, dessen Sender bis Ende der Saison 2016/17 643 Montagsspiele im Free-TV übertragen hatte, fand diese Darstellung weniger amüsant. „Ich sehe die 2. Liga durchaus kritisch. Wir müssen schauen, dass wir Heidenheim, Bochum und Paderborn überregional bekanntmachen, da geht es um Storytelling. Nur Fußball spielen: Das ist zu wenig.“

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