Spanien: Freispruch für Radprofi Contador

Spanien: Freispruch für Radprofi Contador

Düsseldorf/Madrid (RP) Der spanische Radsport-Verband hält erneut seine schützende Hand über Alberto Contador (28) und führt damit einen der spektakulärsten Dopingfälle ad absurdum. Rechtzeitig zum Saisonstart bekam der dreimalige Toursieger in Spanien einen Freispruch erster Klasse serviert. Jetzt steht dem Radsport wohl ein monatelanger Justizmarathon ins Haus. Angesichts der fadenscheinigen Begründungen für den Freispruch schlagen Anti-Doping-Experten die Hände vors Gesicht. "Die Spanier machen sich lächerlich. Das ist eine Kabarett-Nummer. Die Wada (Welt-Anti-Doping-Agentur) muss vor den CAS (Internationaler Sportgerichtshof) ziehen", sagte Chefankläger Werner Franke. Durch den Urteilsspruch darf Contador ab sofort wieder in den Sattel steigen, nach Angaben seines Pressesprechers wird er schon heute bei der Algarve-Rundfahrt dabei sein.

Die Wada und der Radsport-Weltverband UCI haben nun einen Monat Zeit, vor dem Internationalen Sportgerichtshof Einspruch gegen das Strafmaß einzulegen. Ob sie das tun, wollen die Verbände nach Prüfung der Unterlagen entscheiden. Contador darf aber auf jeden Fall bis zu einer möglichen Entscheidung des CAS wieder Rennen bestreiten. Schon oft sind die Spanier für ihre laxe Anti-Doping-Politik gerügt worden. Sie bleiben ihr aber offenbar auch im Fall Contador treu. In der Urteilsbegründung bezieht sich der Verband auf Artikel 296 der Dopingregularien, der besagt, dass ein Fahrer freizusprechen ist, wenn er belegen kann, dass ihn bei einem positiven Dopingfall keine Schuld trifft. Contador war am zweiten Ruhetag der Tour de France positiv auf Clenbuterol getestet worden. Er hatte die geringen Spuren der verbotenen Substanz mit kontaminiertem Fleisch zu erklären versucht.

Die RFEC vergleicht die Angelegenheit mit dem Fall des deutschen Tischtennisspielers Dimitrij Ovtcharov, der bei einem Turnier in China ebenfalls positiv auf Clenbuterol getestet worden war. Ovtcharov hatte allerdings mittels einer Haaranalyse glaubhaft seine Unschuld darstellen können. Contador dagegen hatte keine Haaranalyse zu seiner Verteidigung angestrengt. Womöglich aus gutem Grund: Bei dem Radprofi war bereits im September der Verdacht laut geworden, dass die geringen Spuren des Clenbuterols durch eine zuvor durchgeführte Eigenbluttransfusion in den Körper des Spaniers gelangt sei.

(RP)
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