Schönstes Geburtstagsgeschenk selbst gemacht: Schießen: Schumann mit 28. Weltcup-Sieg

Schönstes Geburtstagsgeschenk selbst gemacht: Schießen: Schumann mit 28. Weltcup-Sieg

München (dpa). Der zweimalige Olympiasieger Ralf Schumann hat sich am Samstag in München mit dem 28. Weltcup-Sieg seiner Laufbahn selbst das schönste Geschenk zum 38. Geburtstag bereitet. Der Suhler, der ringgleich mit dem bulgarischen Olympia-Zweiten Emil Milew ins Finale eingezogen war, erzielte mit 102,1 das klar beste Endkampfresultat und hatte mit 694,1 Ringen 5,5 Zähler Vorsprung vor einem Trio, das um den zweiten Platz stechen musste. Dabei erwies sich Vize-Weltmeister Daniel Leonhard (Schluchsee) nervenstark und behauptete sich trotz zweier Defekte an seiner Pistole mit 50,7 Ringen vor dem Rumänen Julian Reicea (50,1) und Milew (48,6). Johann Adolf Claussen (Dossenheim) komplettierte als Fünfter den Triumph der deutschen Schützen.

Perfektionist Schumann war trotz des Sieges nicht ganz zufrieden. "Die Finalleistung war in Ordnung. Doch im Vorkampf habe ich deutlich gespürt, dass die Formkurve nach unten zeigt. Die Spannung ist etwas raus. Jetzt bin ich urlaubsreif", erklärte der Sieger. "Die Form haben wir für die Weltcup-Wettbewerbe aufgebaut. Das hat geklappt, wie die Einstellung des Weltrekords am vergangenen Sonntag in Mailand belegt. Jetzt mache ich ein paar Tage Urlaub und baue dann für Sydney neu auf", sagte der Olympia-Favorit, ehe er mit seiner Frau Anke, die zuvor mit nur 375 Ringen mit der Luftpistole wahrscheinlich ihre letzte Olympia-Chance eingebüßt hatte, ins heimische Stockheim in der bayerischen Rhön fuhr, wo am Abend eine kleine Party stieg.

Dagegen erhielten Sonja Pfeilschifter (München) einen Tag nach ihrem Erfolg im Dreistellungskampf und Petra Horneber (Kranzberg), die vor Wochenfrist beim Weltcup in Mailand den Luftgewehr-Weltrekord egalisiert hatte, den Lohn für ihre stabil guten Leistungen in diesem Jahr. Bundestrainer Claus-Dieter Roth (Sonneberg) schlug dem Präsidium des Deutschen Schützenbundes (DSB) vor, das Duo noch vor den Olympia-Ausscheidungen Mitte Juli in Suhl für Sydney zu nominieren. "Schön zu wissen, dass Leistung honoriert wird", kommentierte die Olympia-Zweite Horneber den Vorschlag.

"Die Entscheidung fällt noch in dieser Woche. Ich will dem nicht vorgreifen, doch wären wir schlecht beraten, wenn wir die weltbesten Schützinnen nicht mitnehmen würden", erklärte DSB-Präsident Josef Ambacher. Schmunzelnd fügte der Bayer hinzu: "Wir wollen doch wieder die erste Olympia-Medaille für das deutsche Team gewinnen. Und die erste Entscheidung fällt mit dem Luftgewehr der Frauen." Die vorfristige Nominierung des Duos sollte um so leichter fallen, weil der DSB für Sydney wegen der guten Leistungen in den vergangenen Jahren einen dritten Gewehr-Startplatz vom Internationalen Schützen- Verband erhalten hatte.

In den drei anderen Samstag-Entscheidungen neben der olympischen Schnellfeuerpistole verpassten die deutschen Teilnehmer die Finals. Mit dem Luftgewehr gewann die Französin Valerie Bellenoue mit 500,3 Ringen, mit der Luftpistole war die Polin Julita Macur mit 485,4 Ringen die Beste, und den Dreistellungskampf entschied der Russe Jewgeni Aleinikow (1270,9) zu seinen Gunsten.

Ergebnisse vom Weltcup der Sportschützen in München:

Männer, KK-Dreistellungskampf (3 Mal 40 Schuss): 1. Jewgeni Aleinikow (Russland) 1270,9 Ringe (1172 im Vorkampf/98,9 im Finale); 2. Artur Aivazian (Ukraine) 1269,6 (1171/98,6); 3. Juha Hirvi (Finnland) 1269,1 (1172/97,1); 4. Jozef Gönci (Slowakei) 1268,1 (1173/95,1/9,7 im Stechen); 5. Heorhi Niakhajew (Weißrussland) 168,1 (1173/95,1/7,6); 6. Artem Khadschibekow (Russland) 1264,9 (1171/93,9); ... 12. Torsten Krebs (Waldsee) 1168; 17. Maik Eckhardt (Dortmund) 1166; 43. Swen Schuller (Remshalden) 1156

Olympische Schnellfeuerpistole (60 Schuss): 1. Ralf Schumann (Suhl) 694,1 (592/102,1); 2. Daniel Leonhard (Schluchsee) 688,6 (591/97,6/50,7 im Stechen); 3. Julian Reicea (Rumänien) 688,6 (586/102,6/50,1); 4. Emil Milew (Bulgarien) 688,6 (592/96,6/48,6); 5. Johann Adolf Claussen (Dossenheim) 688,1 (590/98,1); 6. Andrzej Jasutowicz (Polen) 685,4 (588/97,4)

Frauen, Luftpistole (40 Schuss): 1. Julita Macur (Polen) 485,4 (387/98,4); 2. Yoko Inada (Japan) 485,2 (387/98,2); 3. Olga Kusnezowa (Russland) 484,9 (389/95,9); 4. Soon Hee Boo (Korea) 482,8 (385/97,8); 5. Jie Ren (China) 482,7 (385/97,7); 6. Viktoria Chaika (Weißrussland) 480,6 (385/95,6); ... 13. Carmen Meininger (Gera) 382; 49. Doreen Müller (Berlin) 374; 63. Monika Fraedrich (Linden) 368; außer Konkurrenz: Anke Schumann (Suhl) 375

Luftgewehr (40 Schuss): 1. Valerie Bellnoue (Frankreich) 500,3 (397/103,3/10,3 im Stechen); 2. Young Dae Choi (Korea) 500,3 (397/103,3/9,6); 3. Yinghui Shao (China) 500,0 (398/102,0); 4. Katerina Beranova (Tschechische Republik) 499,3 (397/102,3); 5. Hong Shan (China) 499,1 (396/103,1); 6. Maria Feklistowa (Russland) 499,0 (397/102,0); ... 9. Alexandra Schneider (Waldsee) 396; 26. Cordula Wilsch (Petersaurach) 393; 53. Rebecca Frank (Kastl) 390

(RPO Archiv)
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