Düsseldorf: Rösler führt Fortuna nach oben

Düsseldorf: Rösler führt Fortuna nach oben

Der Routinier, der morgen 34 Jahre alt wird, ist die Symbolfigur des Düsseldorfer Erfolgs. Seit mehr als sieben Monaten hat der Fußball-Zweitligist nicht verloren und klopft an die Pforte zur Ersten Liga.

Reiner Maurer war restlos bedient. "Fortuna muss nicht einmal aufs Tor schießen, um 2:0 in Führung zu gehen", sagte der Trainer des TSV 1860 München mit Galgenhumor. "Ein Ding hauen wir uns selbst rein, beim zweiten will Sascha Rösler flanken und trifft genau in die lange Ecke." Eine treffende Kurzanalyse der entscheidenden Szenen beim 3:0-Erfolg des Düsseldorfer Fußball-Zweitligisten in der zweiten Runde des DFB-Pokals.

Noch genauer traf Maurer aber mit seinem Nachsatz ins Schwarze: "Wenn diese Düsseldorfer, die seit Ewigkeiten nicht mehr verloren haben, einmal vorn liegen – dann ist es ganz schwer, noch etwas zu holen." Diese Erfahrung mussten seit dem 18. März (0:1 beim MSV Duisburg) 21 Gegner in Pokal und Meisterschaft machen, denn so lange ist Fortuna schon ungeschlagen. Auf eigenem Platz liegt die letzte Niederlage noch deutlich länger zurück, am 27. September 2010 war das mit 0:1 gegen den VfL Bochum.

Eine Symbolfigur des Höhenfluges ist Sascha Rösler. Er kam, als gar nichts mehr zu gehen schien bei Fortuna, als der Start in die vergangene Saison mit sieben Niederlagen in sieben Pflichtspielen gründlich misslungen war. Arbeitslos war Rösler damals, nachdem er sich nach eigener Aussage "etwas verpokert" hatte bei den Gesprächen mit seinem Ex-Klub 1860 München.

Schon nach wenigen Partien war deutlich zu merken, dass es passt mit Rösler und Fortuna. Als "hängende Spitze" im 4-2-3-1-System von Trainer Norbert Meier kann der Blondschopf seine Stärken voll ausspielen. Vor allem sind das eine herausragende Spielübersicht und die Fähigkeit, den Ball in kritischen Situationen zu behaupten.

Der gebürtige Tettnanger trifft allerdings auch selbst, und das in einer Regelmäßigkeit wie nie zuvor in seiner langen Profikarriere. In den vergangenen zehn Heimspielen in Liga und Pokal erzielte der Mann, der morgen 34 wird, immer mindestens ein Tor. "Natürlich freue ich mich über jeden Treffer", sagt Rösler dazu. "Letztlich ist es mir aber völlig wurscht, ob ich ein Tor erziele, solange wir nur gewinnen."

Es gibt jedoch auch Situationen, in denen Rösler nicht ganz so großzügig ist. Nachdem der eingewechselte Adriano Grimaldi in der Nachspielzeit gefoult worden war, wollte der frühere Mainzer den Strafstoß gern selbst schießen. Rösler jedoch griff sich entschlossen den Ball und verwandelte selbst zum 3:0. "Die Zeit wird kommen, da schießt auch Adriano die Elfer", sagt der Routinier lächelnd über den 20-Jährigen. "Aber noch ist es nicht so weit."

In dem Alter, das der frühere Gladbacher und Aachener inzwischen erreicht hat, stellt sich unweigerlich die Frage, ob und wie es mit der Karriere weitergeht. Erst recht, da sein Verein mit Macht ans Tor zur Ersten Liga klopft. Wer gesehen hat, mit welchem Tempo Rösler den Konter zum 2:0 durchzog, möchte ihm das deutsche Oberhaus durchaus noch einmal zutrauen. Kaum ein Profi versteht es wie er, sich die Kräfte einzuteilen, genau abzuwägen, wann sich ein Sprint lohnt und wann nicht. Der Angreifer selbst wartet ab: "Ich horche nach jeder Saison in meinen Körper hinein, ob ich meiner Mannschaft noch helfen kann."

Einen Test in Sachen Erstligareife können Rösler und seine Kollegen am 15. Januar vornehmen: Dann erwartet Fortuna zum Turnier um den Stadtwerke Wintercup den Deutschen Meister Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen in der Arena. Viel mehr Bundesliga geht nicht.

(RP)
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