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Robert Harting setzt gutes Signal gegen Doping

Leichtathletik-Analyse : Harting setzt gutes Signal gegen Doping

Aus Protest verzichtet der Diskuswerfer auf die Teilnahme an der Wahl zum Weltleichtathleten.

Robert Harting hat ein neues Wort geschaffen: Abnominierung heißt es. Der beste Diskuswerfer - aktueller Olympiasieger, Weltmeister und Europameister - will nicht Weltleichtathlet werden. Deshalb bat er den internationalen Verband IAAF darum, ihn von der Kandidatenliste zu streichen. Oder eben um "Abnominierung". Mit seiner Begründung setzt er ein markantes Signal gegen Doping. Weil der in seiner Karriere schon zweimal gesperrte US-Sprinter Justin Gatlin mit auf der Vorschlagsliste steht, will Harting nicht mitmachen. Der Werfer, der einen Kreuzbandriss auskuriert, ist der einzige deutsche Leichtathlet, der von der breiten Öffentlichkeit auch außerhalb der Wettkämpfe wahrgenommen wird. Seine Aussage ist deshalb von besonderem Gewicht.

Gatlin gehört zum Kandidatenkreis, weil er mit 9,77 Sekunden über 100 Meter der schnellste Mann des Jahres ist (Usain Bolt bestritt in diesem Sommer kaum Wettkämpfe). Seit 2001 war der Amerikaner mehrmals überführt worden und hatte deswegen 2006 eine Sperre von acht Jahren aufgebrummt bekommen. Im August 2010 wurde sie aufgehoben. Harting empfindet Gatlins Nominierung als Brüskierung, er sieht "nicht nur mich, sondern auch meine Fans beleidigt". Die IAAF, so meint er, sollte auch "Ehrlichkeit in ihr Bewertungsschema aufnehmen". Zum Vergleich zwischen Deutschland und anderen Nationen sagte er: "Andere Länder beugen sich nicht der Moral, sondern nur der Flagge."

Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) bezeichnete Hartings Haltung im Gespräch mit unserer Zeitung als einen "bemerkenswerten und mutigen Schritt und als ein wichtiges Zeichen gegen die Bagatellisierung von Doping im Sport".

Seit 1988 führt der Weltverband die Wahl zum Athleten des Jahres durch. Dotierung: 100 000 Dollar. Auf der Ehrenliste finden sich in Sprinterin Katrin Krabbe (1991) und Hochspringerin Heike Henkel (1992) zwei Deutsche. Neben der überführten Krabbe wimmelt es in der Liste nur so von Dopingsündern - sie ist ein Abbild der Situation in der Weltspitze des Laufens, Springens und Werfens. Marion Jones (USA), die im Zuge eines Verfahrens unter Eid Falschaussagen machte und deshalb ins Gefängnis musste, gewann zum Beispiel zweimal. Genauso wie Carl Lewis, dessen Positivtests im Vorfeld der Olympischen Spiele 1988 vom US-Verband vertuscht worden waren. Auch die Sprinter Asafa Powell und Tyson Gay gehören zu der ganz und gar nicht sauberen Gesellschaft.

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Harting und Doping - das war schon immer ein mitunter brisantes Wortpaar. Während der WM 2009 in Berlin sagte der Athlet: "Wenn der Diskus auf dem Rasen aufspringt, soll er gleich gegen eine der Brillen springen, die die Dopingopfer hier verteilt haben." Er spielte damit auf die Aktion des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins, der 20 000 Pappbrillen hatte verteilen lassen, um auf den weiter stattfindenden Missbrauch verbotener Mittel aufmerksam zu machen. Später bedauerte Harting diese Aussagen. Über Jahre stand aber Werner Goldmann, sein früherer Trainer, in der Kritik. Als Kugelstoßer in der DDR hatte er gedopt, und als Trainer hatte er ostdeutschen Athleten vor der Wende verbotene Mittel verabreicht.

Der gereifte Harting ist um Ideen im Umgang mit Doping-Altlasten nicht verlegen. Weil sich die IAAF weigert, die von Betrug begünstigten Weltrekorde aus früheren Jahrzehnten zu streichen, sprach er sich zuletzt für einen Kunstgriff aus, um das Problem zu lösen. Er würde gern die Gewichte der Geräte um ein paar Gramm erhöhen, so dass neue Rekordlisten geschrieben werden müssten. Im Diskuswerfen steht die Bestmarke von Jürgen Schult bei 74,08 Metern - und das seit mehr als 28 Jahren. Der persönliche Rekord des seit einem halben Jahrzehnt dominierenden Robert Harting: 70,66 Meter.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Robert Harting

(RP)