Riesch krönt ihre Karriere

Riesch krönt ihre Karriere

Als dritte Deutsche nach Rosi Mittermaier und Katja Seizinger hat Maria Riesch den alpinen Gesamtweltcup gewonnen. Die Freude wurde jedoch getrübt: Freundin Lindsey Vonn erwies sich als schlechte Verliererin.

Lenzerheide (sid) Gerade wollte sie sich aufmachen zum finalen Duell mit Lindsey Vonn um den Gesamtweltcup, zum Riesenlalom in Lenzerheide. Maria Riesch saß am Samstagmorgen im Auto vor dem Teamhotel, als sie plötzlich Jubel aus dem Haus hörte. Sekunden später hatte die Doppel-Olympiasiegerin Gewissheit: Das letzte Saisonrennen war abgesagt worden, drei Punkte Vorsprung reichten Riesch, um als erste Deutsche seit 13 Jahren die Wertung zu gewinnen. "Das ist das Größte überhaupt, für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen", sagte Riesch. Sie fiel ihrer Teamkollegin Viktoria Rebensburg in die Arme, die wegen der Absage kampflos die kleine Kristallkugel im Riesenslalom gewann, und weinte. "Ich bin sonst nicht der Typ für Tränen. Aber da ist die ganze Anspannung von mir abgefallen", sagte Riesch, ehe sie den vierten Gesamtsieg einer Deutschen nach Rosi Mittermaier (1976) und Katja Seizinger (1996,1998) beim Prosecco-Frühstück feierte.

Vonn, ihrer langjährigen Freundin, hatte es da schon den Appetit verdorben. Die Entscheidung der Jury um Renndirektor Atle Skaardal, den Riesenslalom abzusagen, war für die Gesamtsiegerin der vergangenen drei Jahre ein Skandal. "Die FIS hat nicht alles getan, um ein Rennen durchzuführen", sagte ihr Coach Alex Hödlmoser ungeachtet der laut Skaardal "bodenlosen" Pistenverhältnisse, die eine Absage "unumgänglich" machten. Dennoch: Vonn schäumte vor Wut. "Ich bin am Boden zerstört und sehr traurig. Ich hätte nur gerne noch eine Chance bekommen", ließ die Amerikanerin mitteilen. Als Riesch später im Zielraum die Kristallkugel übergeben wurde, konnte Vonn sich nicht zu einer fairen Geste überwinden. "Ich habe sie umarmt und Gratulation gesagt", berichtete Riesch über den Moment bei der Siegerehrung, "aber von ihr kam nichts. Ich verstehe, dass sie enttäuscht ist, weil es so knapp war. Aber das hat doch mit der persönlichen Ebene nix zu tun. Das tut schon ein bisschen weh" Riesch legte Wert auf die Feststellung, dass sie selbst sich gegenüber Vonn jahrelang fair verhalten und ihr zu Siegen gratuliert habe. "Für mich war das nicht immer leicht, trotzdem hat es die Freundschaft ausgehalten." In diesem Winter habe sie früh den Eindruck gehabt, dass Vonn mit der neuen Stärke Rieschs nicht zurechtkomme. "Es lag die ganze Zeit ein Schatten drüber. Für sie zählt nur der Sieg", sagte sie. Eine baldige Versöhnung erscheint unwahrscheinlich.

Die Begleiterscheinungen trübten indes auch die Freude von Alpindirektor Wolfgang Maier. "Ich würde mich nie auf die gleiche Schiene begeben", sagte er über die Reaktion des US-Teams. Viel lieber würdigte Maier aber Riesch. "Maria hat den letzten Diamanten in ihre Krone eingesetzt", sagte er. Auch Riesch strich die Bedeutung des Titels heraus: "In der öffentlichen Wahrnehmung mögen der Weltmeister-Titel und die Olympiasiege wichtiger sein, aber sportlich gibt es nichts, was diesen Stellenwert hat."

(RP)
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