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Neuss: Riesch denkt an Karriereende

Neuss : Riesch denkt an Karriereende

Maria Riesch beobachtet die 30 Schüler der Düsseldorfer Carl-Benz-Realschule genau. Manche von ihnen stehen zum ersten Mal auf der Piste der Neusser Skihalle. Wer Hilfe braucht, bekommt einen Tipp von der Doppelolympiasiegerin von 2010 in Vancouver. Dabei erinnert sich die 26-jährige Neu-Kitzbühlerin an ihre Schulzeit. "Ab der neunten Klasse habe ich wegen meines Skitrainings sehr viel im Unterricht gefehlt", sagt sie. "Eine Freundin musste mich immer mit dem verpassten Unterrichtsstoff versorgen, so habe ich die Schule überhaupt schaffen können."

Bei ihren Skischülern für einen Tag handelt es sich ebenfalls um Schüler, die anderen Schülern helfen – sogenannte Buddys (englisch für Kumpel). Sie unterstützen ihre Mitschüler etwa bei den Hausaufgaben. Als Belohnung für ihr soziales Engagement luden die Vodafone-Stiftung und der Verein "Buddy" die Jugendlichen zum Treffen mit dem Skistar ein.

Riesch sieht sich selbst gerade in ihren besten Jahren. "Man kann das nicht pauschal sagen, aber zwischen Mitte und Ende 20 sind die meisten Skirennläufer am erfolgreichsten", sagt die 26-Jährige. "Allerdings will sich jeder am Ende seiner Karriere mit einem Erfolg verabschieden." Die Doppel-Olympiasiegerin, Gesamtweltcupsiegerin und Weltmeisterin plant dies möglicherweise für 2014 in Sotschi. "Es könnte mein Karriereabschluss werden", erklärt Riesch. "Ich bin motiviert. Allerdings weiß ich, dass ich mir nichts mehr beweisen muss. Meine Medaillen kann mir niemand mehr nehmen."

Die Zollhauptwachtmeisterin des Zoll-Ski-Teams ist erleichtert, dass eine Saison ohne Großereignis vor ihr liegt. "Nach den Olympischen Spielen 2010 und der Heim-WM bin ich froh, dass die kommende Saison viel entspannter sein wird. Das genieße ich momentan richtig", sagt sie.

Dann hat die gebürtige Garmisch-Partenkirchenerin auch etwas mehr Freizeit, die sie zum größten Teil sehr sportlich verbringt. "Ich gehe gerne laufen, spiele Tennis und gehe mit meinem Mann wandern", verrät Riesch. "Ansonsten spielen wir gerne Backgammon oder gehen schick Essen. Ich genieße die Zeit zu zweit sehr."

Riesch strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Nach ihrer Hochzeit mit ihrem Manager Marcus Höfl hat die 1,81 Meter große Skirennläuferin in den vergangenen zwei Monaten ihr Konditionstraining absolviert und fühlt sich fit – abgesehen von ihrer momentanen Erkältung. Ende Juli steigt sie auf die Bretter und beginnt mit dem Skitraining für die kommende Saison. Dafür fliegt die Gesamtweltcupsiegerin für dreieinhalb Wochen nach Neuseeland um Slalom und Riesenslalom zu trainieren, danach geht es nach Chile. Hier stehen Abfahrt und Super G auf dem Programm. Ende September ist Riesch zurück, um sich den letzten Feinschliff für den am 22. Oktober beginnen Weltcup in Sölden zu holen.

Enttäuscht ist die Wintersportlerin dagegen über den verpassten Zuschlag für Olympia 2018 in München. "Die Olympischen Spiele im eigenen Land sind mein absoluter Traum – egal ob als aktive Sportlerin oder nur als Zuschauerin", sagt sie. "München sollte sich auf jeden Fall erneut bewerben. Sonst wäre die bisherige Arbeit völlig umsonst."

(RP)