Zeitlimit überschritten: Tour de France endet für Marcel Kittel nach elf Etappen

Sprinter fährt meilenweit hinterher : Ein Trauerspiel in elf Akten – Kittels Tour zum Vergessen beendet

Für Marcel Kittel heißt es bei der Tour de France: Rien ne va plus. Der Sprintstar überschritt das Zeitlimit und musste eine für ihn enttäuschende Rundfahrt vorzeitig beenden.

Bei der größten Party des Radsports in L'Alpe d'Huez war Marcel Kittel kurzerhand von der Gästeliste gestrichen worden. Als die 105. Frankreich-Rundfahrt am Donnerstag vor Hunderttausenden Fans ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte, befand sich der deutsche Sprint-Star auf dem Heimweg. "Ich bin enttäuscht", sagte Kittel in der ARD.

Das Verpassen des Zeitlimits der schwierigen Alpenetappe am Mittwoch nach La Rosiere war der letzte Akt einer Tour zum Vergessen. In den Sprints chancenlos, vom eigenen Sportlichen Leiter öffentlich bloßgestellt, dann am Berg selbst für Sprinter-Verhältnisse meilenweit abgehängt und disqualifiziert: Für seinen Frust hatte Kittel mehr als genügend Gründe.

Die 108,5 km lange 11. Etappe mit vier Bergwertungen sei ein "Hammer" gewesen, sagte Kittel: "Ich glaube nicht, dass wir in den letzten Jahren solche Etappen hatten." Er wisse nicht, wie er ein derartiges Teilstück überleben solle, "selbst wenn ich noch zehn Prozent Extraform draufpacke."

Um rund ein Drittel hatte der 30-Jährige das Zeitlimit verfehlt, neben dem britischen Ex-Weltmeister Mark Cavendish und dessen Helfer Mark Renshaw (beide Dimension Data) war Kittel der einzige zeitbedingte Ausfall des Tages. Ohne Unterstützung seines Katusha-Teams erreichte Kittel das Ziel weit hinter dem Gruppetto, in dem sich abgehängte und angeschlagene Fahrer gemeinsam über die Berge quälen.

"Was mir zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass ich mich nicht habe hängen lassen. Ich habe Vollgas gegeben", sagte Kittel: "Ich hätte nichts anderes machen können. Ich kann mir kein Bein abreißen und ein bisschen weniger wiegen."

Kittels Kritiker, die seine Form hinterfragten, durften sich dennoch bestätigt fühlen, auch die in den eigenen Reihen. Mit der Empfehlung von fünf Tour-Etappensiegen 2017 war er zur laufenden Saison zum Team Katusha-Alpecin gewechselt. Seither gewann Kittel aber nur zwei Etappen bei Tirreno-Adriatico im März.

"Es lief nicht alles rund dieses Jahr", sagte Kittel, der ausdrücklich die sportlichen Leistungen meinte. Doch auch Nebengeräusche machten ihm bei der Tour de France zu schaffen. Sportdirektor Dimitri Konyschew hatte Kittel in einem Zeitungs-Interview unter anderem "Egoismus" vorgeworfen. Auch wenn Kittel im Nachhinein ein Bekenntnis zu Katusha-Alpecin abgab, ist das Vertrauensverhältnis beschädigt. Eine Zusammenarbeit über das Jahr 2018 hinaus scheint nur schwer möglich.

Er habe nun ein bisschen Zeit, über die Tour 2018 nachzudenken, sagte Kittel: "Ich fahre nach Hause, lege die Beine hoch und ruhe mich ein bisschen aus. Das Jahr ist noch nicht vorbei." Ein erfolgreiches wird es nach dem Tour-Debakel aber wohl nicht mehr.

(ako/sid)
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