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Was bleibt vom Hype um den Start der Tour de France in Düsseldorf?

Radsport : Was vom Hype um die Tour de France geblieben ist

Ein Jahr ist seit dem Tour-de-France-Start in Düsseldorf vergangen. Was ist vom Hype geblieben? Immerhin so viel, dass ein nachhaltiger Aufwind spürbar ist, sagen Verband und Profis. Eine Bestandsaufnahme.

Anfang Juli ist eine symbolträchtige Zeit. Für den Steuerzahler wie für Profiradsportler. Während findige Bürger alljährlich ein Datum rund um die Jahresmitte als Tag ausrechnen, ab dem sie nicht mehr für den Staat, sondern in die eigene Tasche verdienen, ziehen die Radsportler verlässlich zum Start der Tour de France – diesmal am 7. Juli – eine Zwischenbilanz ihrer Saison. „Erfolge in der ersten Jahreshälfte sind schön, aber letztlich bedeuten sie nichts. Wenn du in der Tour gewinnst, das zählt“, sagt Marcel Kittel, Deutschlands Vorzeigesprinter aus dem Vorjahr – und in der ersten Jahreshälfte, wie viele seiner deutschen Kollegen, eher unter dem Radar unterwegs. Was zählt in puncto Aufmerksamkeit ist eben die Tour. Und wenn am Wochenende im hessischen Einhausen die Deutsche Meisterschaft als Tour-Generalprobe ansteht, stellt sich eine Frage: Was ist vom Hype um den Grand Départ 2017 in Düsseldorf geblieben?

Der deutsche Radsport nimmt aus seiner Sicht einen nachhaltigen Effekt wahr, der über das Vorjahr hinausgeht. Zur Wahrheit gehört aber auch: Es ist kein Effekt, der dazu taugt, in Euphorie zu verfallen. So verzeichnet der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) aktuell nach eigener Aussage 140.977 Mitglieder. Das sind immerhin 1,2 Prozent mehr als Anfang 2017, als Boom lässt sich das trotzdem nicht deklarieren. „Mit dem Tour-Start in Deutschland hat das sicherlich direkt nichts zu tun, aber mit der gesamten Entwicklung des Radsports. Die Skandalzeit ist überwunden, und die Leute sind wieder vom Radsport mehr begeistert als vor acht, neun Jahren. Die Entwicklung geht kontinuierlich nach oben und ist sicherlich nicht auf ein Ereignis zurückzuführen“, teilt eine BDR-Sprecherin mit. Fabian Wegmann teilt diesen Optimismus.

Der Ex-Profi ist Botschafter für das Eintagesrennen „Sparkassen Münsterland Giro“ im Oktober und zudem Sportlicher Leiter der Deutschland-Tour, die vom 23. bis 26. August nach zehn Jahren ihre Rückkehr feiert. Auf der ersten von vier Etappen machen die Fahrer Station in Bonn. „Die Begeisterung für den Radsport ist seit dem Tour-Start in Düsseldorf spürbar gestiegen. Ich merke das vor allem daran, dass die Zahl der Anmeldungen für das Jedermann-Rennen zugenommen hat. Aber auch die Kenntnisse und das Interesse am Profiradsport sind bei den Leuten gestiegen“, sagt Wegmann. Doch auch er weiß, was die Aufgabe des nach wie vor vom Thema Doping bedrohten Radsports sein muss, will er wirklich einen langfristigen Effekt erzielen. „Nicht jeder Jugendliche muss den Traum haben, später mal die Tour de France zu fahren, aber natürlich ist für einen nachhaltigen Effekt entscheidend, wie viel Zuwachs wir im Nachwuchs-Radsport erzielen können.“

In jeder Sportart sind es letztlich die Stars, die den Nachwuchs ansprechen. Ihn animieren, den Idolen nachzueifern. Stars wie der mehrfache Zeitfahrweltmeister Tony Martin. Er fährt zusammen mit Kittel für Katjuscha-Alpecin und sagt: „Ob der Hype noch in der Masse besteht, kann ich nicht wirklich beurteilen. Überall, wo wir fahren, sind immer viele deutsche Fans vor Ort. Selbst beim Start des Giro in Israel habe ich welche getroffen, die extra nur zum Rennen gekommen sind.“ Simon Geschke (Team Sunweb), der „Bart der Radsportnation“, sieht es ähnlich: „Ich habe auch das Gefühl, dass der Sport in Deutschland wieder sehr gut angenommen wird. Dazu hat sicher der Tour-Start in Düsseldorf einen großen Teil beigetragen.“ Kittel, Martin, Geschke und die anderen Deutschen wollen in diesem Jahr eine erfolgreiche Frankreich-Rundfahrt in eine erfolgreiche Deutschland-Tour ummünzen, quasi den „Zwei-Tages-Hype“ von 2017 auf vier Tage erweitern. „Wir haben derzeit viele talentierte deutsche Fahrer. Mit der neuen Deutschland-Tour haben wir zusätzlich zu Frankfurt, Köln und Hamburg ein großes, internationales Rennen. Ich bin überzeugt: Hätte der Start in Düsseldorf nicht so großen Zuspruch bekommen, würde die Deutschland-Tour nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen werden. Das ist enorm wichtig für uns“, sagt Martin.

TV-Präsenz ist eben der erfolgversprechendste Weg, einen Hype am köcheln zu halten. Selbst, wenn es nur ein kleiner Hype ist.

(mit sid-Material)