Tour de Neuss 2018: "Um Andreas Kappes zu schlagen, musste man auch etwas Glück haben“

Nach Tod von Andreas Kappes: „Um Andi zu schlagen, musste man auch etwas Glück haben“

Der ehemalige Radprofi und Organisator der Tour de Neuss, Andreas Kappes, ist unerwartet im Alter von 52 Jahren gestorben. Die Anteilnahme bei alten Weggefährten ist groß.

Wenn der langjährige deutsche Radprofi Rolf Aldag über seinen ehemaligen Weggefährten Andreas Kappes spricht, sind es Worte der Anerkennung. „Das war einmalig, wie er das durchgezogen hat“, sagt Aldag über die Erfolge seines ehemaligen Mitstreiters. „Um Andi zu schlagen, musste man nicht nur besser sein, sondern auch etwas Glück haben. Er hat immer großen Aufwand betrieben und die Moral gehabt, das hat ihn als Rennfahrer ausgemacht. Als Sportler war er sehr, sehr ehrgeizig.“ Wie nur wenige Profis in seiner Generation feierte Kappes sowohl auf der Bahn als auch bei Straßenrennen Erfolge.

Am Mittwochabend nimmt die Radsportwelt in Neuss gemeinsam Abschied von Andreas Kappes, der in der Nacht zu Dienstag an Herzversagen, hervorgerufen durch einen allergischen Schock nach einem Insektenstich, gestorben ist. Die Teilnehmer der Tour werden beim Eliterennen um 19\.15 Uhr mit Trauerflor auf die Strecke gehen. Kurz vor dem Start wird es eine Schweigeminute geben. An dem Hauptrennen werden unter anderem der deutsche Spitzensprinter André Greipel und Rick Zabel teilnehmen.

Kappes hatte zuletzt die sportliche Leitung der Tour de Neuss inne. „Als die Nachricht über seinen Tod bekannt wurde, stand mein Handy lange nicht still“, sagt Stephan Hilgers, 1\. Vorsitzender des Neusser Radfahrvereins. Er rechnet damit, dass am Abend viele bekannte Gesichter aus dem Radsport nach Neuss kommen, um Kappes zu gedenken.

Der gebürtige Bremer fuhr unter anderem für das Team Telekom und Gerolsteiner, gewann Etappen bei der Tour de Suisse, beim Giro d'Italia sowie Paris-Nizza und nahm fünfmal an der Tour de France teil. 1992 war er für Telekom bei der Frankreich-Rundfahrt am Start. Auf der Bahn feierte er 24 Siege bei insgesamt 115 Teilnahmen an Sechstagerennen. 1997 war er wegen eines Verstoßes gegen die Doping-Bestimmungen nach seinem deutschen Meisterschaftssieg im Punktefahren zeitweise gesperrt gewesen.

Erst 2008 beendete Kappes mit 43 Jahren seine Profikarriere. Zwischenzeitlich putzte er in Köln Fenster, fand aber wieder den Anschluss im Radsport, arbeitete unter anderem für eine Firma, die Trainingskontrollsysteme für Rennfahrer herstellte. Auch nach seiner aktiven Zeit war er noch regelmäßiger Gast bei Sechstagerennen. „Das ist meine zweite Familie“, sagte Kappes vor acht Jahren.

(sef/dpa)
Mehr von RP ONLINE