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Tour de France Femmes 2022: Van Vleuten gewinnt Schluss-Etappe und feiert Tour-Sieg

Tour de France Femmes : Van Vleuten feiert Gesamtsieg - trotz drei Radwechseln auf der letzten Etappe

Annemiek van Vleuten hat die Premiere der Tour de France Femmes gewonnen. Die 39-Jährige ließ sich bei ihrer Triumphfahrt auf der letzten Etappen auch von Materialproblemen nicht aufhalten. Alle wichtigen Meldungen zur Tour de France Femmes im Überblick.

Annemiek van Vleuten zog in der Material-Lotterie Niete um Niete - und flog als Gelber Blitz doch an allen vorbei: Die niederländische Olympiasiegerin hat Radsport-Geschichte geschrieben und die Premiere der Tour de France Femmes gewonnen. Trotz drei Radwechseln siegte die 39-Jährige bei der spektakulären abschließenden Bergankunft auf der Planche des Belles Filles nach einer gewaltigen Energieleistung und behauptete das Gelbe Trikot.

„Es ist ein Traum, der wahr wird. Heute war es alles andere als leicht“, sagte van Vleuten, die im Oktober 40 Jahre alt wird: „Jetzt kann ich mich endlich freuen. Und jetzt gibt es endlich Pizza und Eiscreme.“

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Van Vleuten musste in der heiklen Rennphase wegen eines Defekts gleich mehrmals absteigen und lag auf der letzten Abfahrt vor dem Schlussanstieg knapp zwei Minuten hinter der Spitze. Dann aber flog die Zeitfahr-Siegerin der Sommerspiele von Tokio förmlich an allen Kontrahentinnen vorbei und sicherte sich auf der steilen Staubpiste mit 30 Sekunden Vorsprung auf ihre Landsfrau Demi Vollering noch den Tagessieg.

In der Gesamtwertung hatte die Dominatorin nach 1033,6 km 3:48 Minuten Vorsprung auf Vollering. Dritte wurde die Polin Katarzyna Niewiadoma (+6:25). Van Vleuten hatte in diesem Jahr schon den Giro d'Italia gewonnen. Eine starke Tour fuhr auch Liane Lippert, die Friedrichshafenerin wurde zum Abschluss Zehnte und 16. im Gesamtklassement.

Van Vleuten hatte bereits am Samstag die schwere Bergetappe über den Großen Belchen im Elsass nach Le Markstein gewonnen und das Gelbe Trikot von Marianne Vos, ebenfalls Niederlande, übernommen. In den Anstiegen der Vogesen und des Jura war die dreimalige Weltmeisterin die mit Abstand stärkste Fahrerin.

Die Vorgänger-Tour der Frauen, die zuletzt den Namen Grande Boucle Feminine Internationale getragen hatte, war zwischen 1992 und 2009 16-mal ausgetragen worden. Vor 13 Jahren ging die Britin Emma Pooley als letzte Siegerin in die Geschichte ein. Die Tour-Organisatoren der A.S.O. hatten nach langer Pause eine Nachfolge-Veranstaltung auf die Beine gestellt, die sich sehr an der Männer-Rundfahrt orientiert.

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Die Frauen-Tour hatte am Abschlusstag des Männer-Rennens ebenfalls in Paris begonnen. Auch auf der Planche des Belles Filles endete eine Etappe der Männer-Rundfahrt. Damals war Ausreißer Lennard Kämna (Wedel) nur 100 m vor dem Ziel von den Verfolgern um den späteren Tagessieger Tadej Pogacar abgefangen worden.

+++ 30. Juli +++

Van Vleuten stürmt mit Etappensieg ins Gelbe Trikot

Die Niederländerin Annemiek van Vleuten (39) steht kurz vor dem Gesamtsieg bei der Tour de France der Frauen. Die dreimalige Weltmeisterin gewann die fordernde Bergetappe über 127,1 km nach Le Markstein als Solistin und übernahm das Gelbe Trikot. Die zweitplatzierte Demi Vollering (Niederlande) hatte am Samstag schon 3:26 Minuten Rückstand, die zuvor führende Niederländerin Marianne Vos brach völlig ein.

„Das war unglaublich. Ich musste es heute einfach versuchen“, sagte Van Vleuten (Movistar Team Women). Die Olympia-Zweite im Einzelzeitfahren war auf der Kletterpartie durch das Elsass, die unter anderem in 1338 m Höhe über den höchsten Vogesen-Gipfel Großer Belchen führte, eine Klasse für sich. Van Vleuten griff 62 Kilometer vor dem Ziel an - und wurde nicht mehr eingeholt. In der Gesamtwertung liegt sie nun vor der Schlussetappe 3:14 Minuten vor Vollering.

Die Entscheidung fällt am Sonntag bei der Bergankunft an der Planche des Belles Filles, wo am 8. Juli auch eine Etappe der Männer-Tour geendet hatte. Damals war Ausreißer Lennard Kämna nur 100 m vor dem Ziel von der Verfolgern um den späteren Tagessieger Tadej Pogacar angefangen worden.

Die Niederländerin Marianne Vos, die am Vortag mit ihrem zweiten Etappensieg die Gesamtführung ausgebaut hatte, lag im Ziel mehr als 20 Minuten hinter van Vleuten und wurde auch im Gesamtklassement durchgereicht.

Die zweimalige Etappensiegerin Lorena Wiebes (Niederlande/Team DSM), Trägerin des Grünen Trikots der punktbesten Fahrerin, trat nach ihrem heftigen Sturz am Vortag nicht mehr an.

Vos baut Gesamtführung aus

Marianne Vos geht als Gesamtführende in die abschließenden beiden Bergetappen bei der Tour de France der Frauen. Die Niederländerin vom Team Jumbo-Visma gewann das sechste Teilstück nach 128,6 km von Saint-Die-des-Vosges nach Rosheim und baute ihren Vorsprung im Kampf um das Gelbe Trikot weiter aus. Für Vos, die nun 30 Sekunden vor der Italienerin Silvia Persico liegt, war es der zweite Tour-Etappensieg in diesem Jahr.

Die Serie schwerer Stürze setzte sich derweil auch am Freitag fort. Die zweimalige Etappensiegerin Lorena Wiebes (Niederlande/Team DSM) kam in ihrem Grünen Trikot der punktbesten Fahrerin zu Fall und erreichte unter Tränen erst mehrere Minuten nach der Siegerin das Ziel.

Nächster schwerer Sturz überschattet erneuten Etappensieg von Wiebes

Die Serie schwerer Stürze bei der Tour de France der Frauen hat sich auf der fünften Etappe fortgesetzt. 45 Kilometer vor dem Ziel in Saint-Die-des-Vosges kam es im Feld zum Massencrash. Die mehrfache dänische Meisterin Emma Norsgaard (Movistar) musste aufgeben. Weitere Fahrerinnen erlitten leichtere Verletzungen, die Niederländerin Chantal van den Broek-Blaak (SD Worx) wurde behandelt, verlor Zeit, kehrte aber wieder ins Peloton zurück.

Den Sieg auf der längsten Tour-Etappe sicherte sich nach 175,6 Kilometern Lorena Wiebes im Massensprint. Für die Niederländerin vom Team DSM, die das Grüne Trikot trägt, war es bereits der zweite Etappensieg. Zweite wurde Weltmeisterin Elisa Balsamo aus Italien (Trek-Segafredo) vor Wiebes Landsfrau Marianne Vos (Jumbo-Visma), die damit ihr Gelbes Trikot erfolgreich verteidigte.

Die Ausreißerinnen Victoire Berteau (Cofidis) aus Frankreich und Antri Christoforou aus Zypern (Human Powered Health) waren drei Kilometer vor dem Ziel vom Feld geschluckt worden. Für Wiebes war es bereits der 17. Saisonsieg.

Stürze überschatten das Comeback der Frankreich-Rundfahrt der Frauen, betroffen war auch Laura Süßemilch (Weingarten), die sich auf der zweiten Etappe zwei Wirbel brach und damit aller Wahrscheinlichkeit nach für die Bahnrad-EM in München ausfällt.

Am Freitag geht es in Frankreich von Saint-Die-des-Vosges über 129,2 km nach Rosheim, vier kleinere Anstiege sind zu überwinden. Das Ziel auf der Planche des Belles Filles am Sonntag rückt näher, die Entscheidung über den Gesamtsieg dürfte auf den beiden Bergetappen am Wochenende in den Vogesen fallen.

Schweizerin Reusser gewinnt vierte Tour-Etappe

Mit einer Solo-Fahrt hat die Schweizer Radrennfahrerin Marlen Reusser die vierte Etappe der Tour de France der Frauen für sich entschieden. Die 30-Jährige setzte am Mittwoch 23 Kilometer vor dem Ziel die entscheidende Attacke und gewann mit 1:24 Minuten Vorsprung auf die Französin Évita Muzic.

Nach mehreren schweren Stürzen an den Vortagen gab es erneut Unfälle. So wurde die spanische Meisterin Margarita Victoria Garcia Canellas rund 13 Kilometer vor dem Ziel vom Mannschaftswagen ihres Teams am Hinterrad berührt und kam schwer zu Fall. Die 38-Jährige konnte die Etappe zwar mit Schürfwunden beenden, fiel jedoch in der Gesamtwertung von Platz sechs auf elf zurück. Bei der Tour hatte sich unter anderem Deutschlands Bahnrad-Mannschaftsweltmeisterin Laura Süßemilch bei einem schweren Massensturz zwei Wirbel gebrochen.

Die Niederländerin Marianne Vos setzte sich im Sprint des Hauptfelds nach 127 Kilometern von Troyes nach Bar-sur-Aube durch und wurde Fünfte. Damit verteidigte die dreimalige Straßenweltmeisterin und Olympiasiegerin von 2012 auch das Gelbe Trikot der Gesamtführenden erfolgreich. Mit 16 Sekunden führt Vos vor der Italienerin Silvia Persico und der Polin Katarzyna Niewiadoma. Die deutsche Meisterin Liane Lippert wurde Zwölfte des Tages und belegt mit einem Rückstand von 2:55 Minuten auf Vos den 13. Platz der Gesamtwertung.

Die fünfte Etappe führt am Donnerstag über weitgehend flache 176 Kilometer von Bar-le-Duc nach Saint-Dié-des-Vosges.

+++26. Juli+++

Dänin Ludwig gewinnt dritte Etappe – Vos verteidigt Gelb

Die dänischen Radsportfeiertage gehen bei der Tour de France Femmes weiter. Zwei Tage nach dem Gesamtsieg von Jonas Vingegaard bei den Männern gewann dessen Landsfrau Cecilie Uttrup Ludwig am Dienstag die dritte Etappe der Frauen-Ausgabe.

Die 26 Jahre alte dänische Meisterin, die am Vortag noch schwer gestürzt war, setzte sich nach 133,6 Kilometern von Reims nach Épernay im Sprint einer Spitzengruppe vor der niederländischen Vortagessiegerin Marianne Vos und Ashleigh Moolman (Südafrika) durch. Die deutsche Meisterin Liane Lippert wurde mit einem Rückstand von 2:01 Minuten 13. der Tageswertung.

„Es fühlt sich nach einem Super-Comeback nach dem Tag gestern an. Jetzt bin ich eine Etappensiegerin der Tour de France“, sagte Uttrup Ludwig unter Tränen nach der Etappe. Die Dänin war am Vortag wie ihre italienische Teamkollegin und Mitfavoritin Marta Cavalli schwer gestürzt. Cavalli erlitt dabei ein Schädel-Hirn-Trauma. Deutschlands Bahnrad-Mannschaftsweltmeisterin Laura Süßemilch brach sich bei dem schweren Massensturz zwei Wirbel.

Vos verteidigte indes mit Platz zwei das Gelbe Trikot der Gesamtführenden. Mit 16 Sekunden führt die dreimalige Straßenweltmeisterin und Olympiasiegerin von 2012 vor der Italienerin Silvia Persico und der Polin Katarzyna Niewiadoma. Lippert verbesserte sich um 13 Positionen auf Gesamtrang zwölf.

Die vierte Etappe führt am Mittwoch über 126,8 wellige Kilometer von Troyes nach Bar-Sur-Aube.

+++ 25. Juli +++

Laura Süßemilch bei Sturz auf der 2. Etappe schwer verletzt

Bahnrad-Weltmeisterin Laura Süßemilch hat sich bei einem Sturz auf der zweiten Etappe der Tour de France Femmes erheblich verletzt. „Sie hat sich zwei Wirbel gebrochen und muss vorerst eine Halskrause tragen. Die Brüche sind stabil, und sie hofft, bald nach Deutschland zurückkehren zu können“, schrieb ihr belgisches Team Plantur-Pura am Montagabend in den sozialen Medien.

Der Unfall der 25 Jahre alten Weltmeisterin mit dem Bahn-Vierer geschah etwa 20 Kilometer vor dem Ziel in Provins. Süßemilch wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht. Sie war auch schon beim Auftakt am Sonntag gestürzt.

Süßemilch war nicht die einzige, die am Montag verunglückte. Gleich dreimal kamen innerhalb der letzten 30 Kilometer mehrere Fahrerinnen zu Fall. Betroffen waren unter anderen die Top-Profis Marta Cavalli aus Italien und Cecilie Ludwig aus Dänemark. Zudem spielte starker Seitenwind eine bedeutende Rolle, wodurch das Hauptfeld in mehrere Teile zerfiel und die Auftaktsiegerin Lorena Wiebes den Anschluss zur Spitze und ihr Gelbes Trikot verlor.

Das zweite Teilstück über 136,5 Kilometer von Meaux nach Provins östlich von Paris gewann die frühere Straßenrad-Weltmeisterin Marianne Vos gewonnen. Die 35 Jahre alte London-Olympiasiegerin aus den Niederlanden übernahm damit auch die Führung in der Gesamtwertung.

Am Dienstag wird es vor allem im Finale profilierter. Nach dem Start in der Champagnerstadt Reims geht es zunächst flach in Richtung Süden. Nach einer 180-Grad-Schleife geht es über drei Bergwertungen nach Épernay. Nach 133,6 Kilometern dürfte es zum Sprint einer kleineren Gruppe kommen.

Marianne Vos gewinnt von Stürzen geprägte Etappe und übernimmt Gelb

Die frühere Straßenrad-Weltmeisterin Marianne Vos hat die Führung bei der Tour de France Femmes übernommen. Die 35 Jahre alte London-Olympiasiegerin aus den Niederlanden gewann am Montag die zweite Etappe im Sprint einer Ausreißergruppe überlegen vor der Italienerin Silvia Persico und Katarzyna Niewiadoma aus Polen. Nach dem 136,5 Kilometer langen Teilstück zwischen Meaux und Provins östlich von Paris liegt Vos in der Gesamtwertung zehn Sekunden vor Persico und zwölf Sekunden vor Niewiadoma.

Einmal mehr war das Finale der Etappe von schweren Stürzen geprägt. Gleich dreimal kamen innerhalb der letzten 30 Kilometer mehrere Fahrerinnen zu Fall. Betroffen waren unter anderen die Top-Profis Marta Cavalli aus Italien und Cecilie Ludwig aus Dänemark. Zudem spielte starker Seitenwind eine bedeutende Rolle, wodurch das Hauptfeld in mehrere Teile zerfiel und die Auftaktsiegerin Lorena Wiebes den Anschluss zur Spitze und ihr Gelbes Trikot verlor.

Am Dienstag wird es vor allem im Finale profilierter. Nach dem Start in der Champagnerstadt Reims geht es zunächst flach in Richtung Süden. Nach einer 180-Grad-Schleife geht es über drei Bergwertungen nach Épernay. Nach 133,6 Kilometern dürfte es zum Sprint einer kleineren Gruppe kommen.

+++ 24. Julia +++

Philipsen siegt auf der Champs-ÉlyséesVingegaard feiert Gesamtsieg

Jonas Vingegaard hat als zweiter dänischer Radprofi nach Bjarne Riis die Tour de France gewonnen. Der 25-Jährige holte am Sonntag in Paris den Gesamtsieg vor Titelverteidiger Tadej Pogacar aus Slowenien. Die 115,6 km lange Schlussetappe mit Ziel in Paris gewann Jasper Philipsen (Belgien/Alpecin-Deceuninck). Der 24-Jährige, der bereits die Etappe in Carcassonne gewonnen hatte, setzte sich im prestigereichen Massensprint auf den Champs-Elysees durch. Das Grüne Trikot des besten Sprinters ging an Vingegaards belgischen Teamkollegen Wout van Aert, der im vergangenen Jahr zum Abschluss auf dem Pariser Pracht-Boulevard gesiegt hatte.

Sprinterin Wiebes gewinnt erste Etappe bei der Tour de France Femmes

Lorena Wiebes ist die erste Trägerin des Gelben Trikots der Tour de France Femmes. Die Top-Favoritin aus den Niederlanden setzte sich am Sonntag auf den Pariser Champs-Élysées im Massensprint vor ihrer Landsfrau Marianne Vos und der Belgierin Lotte Kopecky durch. Beste Deutsche auf der am Eiffelturm gestarteten 82 Kilometer langen Etappe war Lisa Brennauer auf Platz 19.

Die Etappe wurde von einem schweren Sturz von Alana Castrique überschattet. Die Belgierin kam 13 Kilometer vor dem Ziel auf dem Kopfsteinpflaster der Champs-Élysées zu Fall und musste mit dem Krankenwagen abtransportiert werden. Fünf Kilometer vor dem Ziel stürzte zudem Laura Süßemilch, konnte das Rennen aber fortsetzen.

Die zweite Etappe führt am Montag über 136,5 Kilometer von Meaux nach Provins. Auf dem völlig flachen Teilstück im Osten von Paris ist mit einem weiteren Sprint zu rechnen. Die Rundfahrt endet am Sonntag in den Vogesen auf der Planche des Belles Filles.

Die Vorgängerversion der Tour de France der Frauen wurde von 1984 bis 2009 ausgetragen. Damals gab es bereits Starthilfe von der Tour-Organisation ASO, die das Rennen parallel zur Tour veranstaltete. Doch das Unternehmen zog sich nach fünf Jahren zurück. Nach und nach verlor die Rundfahrt unter anderen Namen an Bedeutung. Im vergangenen Jahr gab es bereits ein Mini-Comeback als Eintagesrennen im Rahmen der Tour.

Fünf Geschichten zur 109. Ausgabe der Frankreich-Tour

Nach 3343,8 Kilometern endet die 109. Tour de France am Sonntag auf dem Pariser Prachtboulevard Champs Élysees. Erstmals seit 26 Jahren fährt in Jonas Vingegaard wieder ein dänischer Radprofi im Gelben Trikot durch die französische Hauptstadt. Die deutschen Fahrer holten zwar keinen Etappensieg, dafür war Routinier Simon Geschke fast zwei Wochen im Bergtrikot unterwegs.

Danish Dynamite: Der Grand Départ fand schon stimmungsvoll in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen statt. Mit dem Rückenwind aus der Heimat lieferten die dänischen Fahrer ein Spektakel ab. Jonas Vingegaard schnappte sich auf dem Col du Granon das Gelbe Trikot von Tour-Champion Tadej Pogacar und gab es nicht mehr her, zur Krönung gewann er auch die Bergankunft in Hautacam. Erstmals seit Bjarne Riis 1996 erreicht wieder ein Däne in Gelb Paris. Doch damit nicht genug: Magnus Cort Nielsen trug erst das Bergtrikot und gewann dann die Etappe nach Megeve. Dazu holte sich Ex-Weltmeister Mads Pedersen den Tagessieg in Saint-Etienne.

Wundersame Reise im Bergtrikot: Eher zufällig schlüpfte Simon Geschke ins Bergtrikot, das er dann nicht mehr hergeben wollte. Mit großem Kämpferherz verteidigte der Mann mit dem Vollbart den rotgepunkteten Dress über die Alpen, durch das Zentralmassiv bis in die Pyrenäen. Ständig ging er in Fluchtgruppen und sammelte Punkte. Auf der letzten Bergetappe war er mit seiner Kraft am Ende und wurde nach neun Tagen von Patron Vingegaard abgelöst. Aus war der Traum vom ersten deutschen Bergkönig in Paris. Dass er das Trikot als Stellvertreter von Vingegaard trotzdem bis nach Paris tragen musste, war ihm eher unangenehm.

Der belgische Alleskönner: Was kann dieser Mann eigentlich nicht? Als Vingegaard auf der Kopfsteinpflaster-Etappe nach einem Defekt abgehängt war, führte ihn Teamkollege Wout van Aert mit einem beeindruckenden Ritt wieder nah an Pogacar heran. Auch bei der Bergankunft in Hautacam war er die Lokomotive für seinen Kapitän, so dass dieser nur vollenden musste. Die Etappe nach Calais gewann der frühere Cross-Weltmeister im Alleingang, in Lausanne sprintete van Aert zum Sieg. Und ein Weltklasse-Zeitfahrer ist der Belgier auch noch, wie er mit seinem Sieg am Samstag demonstrierte. Der inzwischen lebenslang gesperrte Ex-Tour-Dominator Lance Armstrong traut ihm auch den Gesamtsieg zu. In diesem Jahr erreichte van Aert im Grünen Trikot des Punktbesten Paris.

Krise der Gastgeber: Das war knapp. Auf der 19. Etappe gelang Christophe Laporte doch noch der erste französische Etappensieg. Damit entging die Grande Nation dem größten Fiasko seit 1999 ganz knapp. Ohne den nach einem Sturz im Frühjahr fehlenden Weltmeister Julian Alaphilippe hatten die französischen Fahrer nicht viel zu bieten. Auch in der Gesamtwertung ist kein Sieganwärter in Sicht. Das Warten auf den Nachfolger von Bernard Hinault geht auch nach 37 Jahren weiter.

Leben mit Corona: Ab der zweiten Woche verging fast kein Tag ohne einen neuen Corona-Fall bei der Tour. 16 Fahrer mussten nach einem positiven Test das Rennen beenden, darunter auch der viermalige Toursieger Chris Froome und der Deutsche Max Walscheid. Wie in der Gesellschaft stiegen auch bei der Tour mit den Lockerungen die Anzahl der Fälle.

Geschke bei der Deutschland Tour wohl im Nationalteam am Start

Auch wenn sein Cofidis-Team nicht an der Deutschland Tour teilnimmt, müssen die einheimischen Radsport-Fans wohl nicht auf Simon Geschke verzichten. „Es sieht sehr gut aus, dass ich die Deutschland Tour für das Nationalteam fahren kann“, sagte der bei der Tour de France lange Zeit im Bergtrikot fahrende Berliner. „Ich freue mich auf jeden Fall auf die Etappe, die in meiner Wahlheimat Freiburg startet. Von daher ist das eines meiner Highlights in diesem Jahr.“

Geschke hätte bei der Tour fast als erster Deutscher die Bergwertung gewonnen. Erst auf der letzten Pyrenäen-Etappe verlor er das rotgepunktete Trikot an den Gesamtersten Jonas Vingegaard. Weil der Däne im Gelben Trikot unterwegs war, durfte es Geschke aber bis Paris tragen. Die Deutschland Tour findet vom 24. bis zum 28. August statt. Die dritte Etappe startet dabei in Freiburg

Ex-Weltmeisterin Teutenberg: Schub für Frauenradsport durch Tour

Die frühere Straßenrad-Weltmeisterin Ina-Yoko Teutenberg rechnet durch die Neuauflage der Tour der France der Frauen mit einem Schub für ihre Sportart. Besondere Hoffnung hat die 47 Jahre alte Sportliche Leiterin beim Rennstall Trek Segafredo aufgrund der Fernsehübertragungen. „Wenn sich jetzt viele Leute die Frauen bei der Tour angucken, dann hilft das einfach“, sagte Teutenberg im „Tagesspiegel“ (Sonntag).

In Deutschland zeigen die Free-TV-Sender One und Eurosport alle acht Etappen live. Auch im Internet ist die am Sonntag beginnende Tour de France Femmes kostenlos auf der Seite der „Sportschau“ zu sehen. Der 82 Kilometer lange Auftakt durch Paris endet dabei auf den Champs-Élysées an jener Stelle, an der ein paar Stunden später der Gewinner der 109. Tour de France der Männer gekürt wird.

„Der Unterschied ist schon noch groß“, sagte Teutenberg auf die Frage, wie weit Frauen und Männer strukturell und finanziell voneinander entfernt seien. „Aber es entwickelt sich, nicht nur auf der obersten Ebene, sondern auch bei den Continental Teams. Es wird alles professioneller, es geht aufwärts. Vor allem die Fernsehübertragungen sind wichtig.“ In ihrer aktiven Karriere wurde sie 2012 Weltmeisterin im Teamzeitfahren.

Die Vorgängerversion der Tour de France der Frauen wurde von 1984 bis 2009 ausgetragen. Damals gab es bereits Starthilfe von der Tour-Organisation ASO, die das Rennen parallel zur Tour veranstaltete. Doch das Unternehmen zog sich nach fünf Jahren zurück. Nach und nach verlor die Rundfahrt unter anderen Namen an Bedeutung. Im vergangenen Jahr gab es bereits ein Mini-Comeback als Eintagesrennen im Rahmen der Tour.

++++23. Juli+++++

Jonas Vingegaard weist Dopingspekulationen zurück: „Wir sind alle absolut sauber“

Der designierte Tour-de-France-Sieger Jonas Vingegaard hat für sich und sein Team Jumbo-Visma jegliche Doping-Spekulationen weit zurückgewiesen. „Wir sind alle absolut sauber. Ich kann das für jeden von uns sagen. Ich sage Ihnen das direkt und ohne ein Zögern“, sagte der Däne am Samstag auf die Frage nach der Dominanz des niederländischen Radrennstalls bei der Frankreich-Rundfahrt.

Vingegaard, der unmittelbar vor seinem ersten Tour-Triumph steht, erklärte den Erfolg mit der professionellen Vorbereitung. „Wir machen Trainingslager in der Höhe, wir ernähren uns gut, wir machen alles bestmöglich. Deswegen haben wir gewonnen“, so der 25-Jährige.

Durch Vingegaard (Gelb und Gepunktet) und den Belgier Wout van Aert (Grün) gehen in diesem Jahr die drei wichtigsten Trikots an den dominierenden Rennstall. Bei den bisherigen 20 Etappen kam der Sieger sechsmal von Jumbo-Visma.

Van Aert gewinnt das Zeitfahren - Vingegaard vor erstem Tour-Sieg

Der dänische Radprofi Jonas Vingegaard steht unmittelbar vor seinem ersten Gesamtsieg bei der 109. Tour de France. Der 25-Jährige vom Team Jumbo-Visma brachte seinen großen Vorsprung auf Titelverteidiger Tadej Pogacar beim vorentscheidenden Einzelzeitfahren über 40,7 Kilometer von Lacapelle-Marival nach Rocamadour ohne Probleme als Tages-Zweiter ins Ziel und fuhr dabei alles andere als mit angezogener Handbremse.

Den Sieg auf der 20. und vorletzten Etappe der Frankreich-Rundfahrt sicherte sich Vingegaards Teamkollege Wout van Aert. Für den Träger des Grünen Trikots war es der dritte Tagessieg bei der diesjährigen Tour. Pogacar wurde Dritter und behauptete damit seinen zweiten Platz in der Gesamtwertung vor dem früheren Tour-Champion Geraint Thomas (Großbritannien/Ineos Grenadiers), der Vierter wurde.

Pogacar hatte die Frankreich-Rundfahrt in den vergangenen beiden Jahren gewonnen und war als Topfavorit in die diesjährige Ausgabe gegangen. Auf der Schlussetappe am Sonntag erfolgen traditionell keine Angriffe mehr auf das Gelbe Trikot. Der 21. Teilabschnitt führt über 115,6 km in die französische Hauptstadt.

Am Sonntagmorgen startet das Peloton bereits in Paris zur Tour d'Honneur. Von der La Défense Arena geht es zunächst aus der Stadt raus in Richtung Westen, ehe man über die Cote du Pavé des Gardes ins Zentrum fährt und auf den Champs-Élysées die obligatorischen Schlussrunden dreht. Favorit auf den Sieg ist van Aert, der bereits im Vorjahr dort gewann.

Hier geht es zum ausführlichen Bericht.

Wo die Tour de France der Frauen im TV zu sehen ist

Auch bei der Tour de France der Frauen haben Radsport-Fans die freie Auswahl und können die Rundfahrt auf verschiedenen TV-Sendern kostenlos schauen. Die Free-TV-Sender One und Eurosport zeigen alle acht Etappen live. Auch im Internet ist die am Sonntag in Paris beginnende Tour de France Femmes kostenlos auf der Seite der „Sportschau“ zu sehen.

Kommentator für die ARD-Angebote ist Florian Naß, der nur am Sonntag noch bei den Männern im Einsatz ist und von Florian Kurz vertreten wird. Co-Kommentatorin ist Lisa Klein, Olympiasiegerin von Tokio 2021 mit dem Bahnrad-Vierer. Bei Eurosport sind Reporter Gerhard Leinauer und Experte Christian Lichtenberg am Mikrofon.

+++22. Juli+++

Christophe Laporte sorgt für ersten französischen Etappen-Sieg

Christophe Laporte hat die 19. Etappe der 109. Tour de France gewonnen und Frankreich endlich den ersten Sieg beschert. Nach dem Abschied aus den Pyrenäen gewann der 29-Jährige am Freitag auf dem flachen 188,3 Kilometer langem Teilstück zwischen Castelnau-Magnoac und Cahors vor dem Belgier Jasper Philipsen und dem Italiener Alberto Dainese.

An der Spitze der Gesamtwertung gab es vor dem letzten Zeitfahren keine Veränderungen. Jonas Vingegaard verteidigte sein Gelbes Trikot erfolgreich und liegt 3:26 Minuten vor Titelverteidiger Tadej Pogacar. Geraint Thomas ist mit 8:00 Minuten Rückstand Dritter. Am Samstag wird die Tour im Kampf gegen die Uhr über 40,7 Kilometer endgültig entschieden.

19. Etappe kurzzeitig unterbrochen

Die 19. Etappe der Tour de France musste 156 Kilometer vor dem Ziel kurzfristig unterbrochen werden. Erneut waren Protestierende der Grund dafür. Bereits auf der zehnten Etappe dieser Frankreich-Rundfahrt musste das Rennen kurzfristig gestoppt werden. Um welche Protestgruppe es sich schlussendlich handelte, war am Freitag noch nicht bekannt. Die Ausreißer um den Deutschen Nils Politt mussten ein paar Minuten auf der Straße stehen bleiben. Kurz darauf hielt auch das Feld an. Der Abstand wurde allerdings eingefroren, sodass das Rennen wie zuvor weitergeführt werden konnte.

Mas hat Corona

Die Tour de France hat ihren nächsten Coronafall. Der Spanier Enric Mas vom Team Movistar muss die Frankreich-Rundfahrt nach einem positiven Test abbrechen. Das gab das Team des Vorjahres-Sechsten und Vuelta-Zweiten von 2018 und 2021 vor dem Start der 19. Etappe am Freitag bekannt.

Damit sind noch 139 der ursprünglich gestarteten 176 Fahrer und noch sieben von neun Deutschen dabei.

Das erwartet die Fahrer auf der 19. Etappe

Finales Durchatmen bei der Tour de France: Am Tag nach der letzten großen Bergankunft in den Pyrenäen und vor dem finalen Showdown im Einzelzeitfahren steht am Freitag eine recht unspektakuläre Etappe auf dem Programm. Über knapp 190 weitgehend flache Kilometer geht es von Castelnau-Magnoac nach Cahors, wobei lediglich zwei kleinere Anstiege der vierten Kategorie zu überwinden sind.

Das Profil scheint wie gemacht für eine Sprintankunft im großen Feld. Aufgrund der deutlich ansteigenden Zielgeraden kommt insbesondere der designierte Gewinner des Grünen Trikots, Wout van Aert, für seinen dritten Tour-Etappensieg 2022 in Frage.

Nach den Strapazen der inzwischen fast drei Wochen auf dem Rad könnte aber auch eine Ausreißergruppe ihre Chance wittern. Für den Deutschen Nils Politt von Bora-hansgrohe ist es mit großer Wahrscheinlichkeit die letzte Gelegenheit auf einen Tagessieg bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt.

Im Gesamtklassement werden sich aller Voraussicht nach keinerlei Verschiebungen ergeben. Hier fällt die endgültige Entscheidung am Samstag nach dem Kampf gegen die Uhr im Ziel von Rocamadour.

Geschke mit Bergtrikot auf 19. Etappe am Start

Das Bergtrikot hat Radprofi Simon Geschke bei der Tour de France nach neun Tagen an den Gesamtersten Jonas Vingegaard verloren. Trotzdem wird der 36-Jährige weiter den rotgepunkteten Dress tragen. Wie kann das sein? Solange Vingegaard als Führender das Gelbe Trikot trägt, muss der Zweitplatzierte der Bergwertung als Stellvertreter einspringen. Dies ist weiterhin Geschke, der mit 64 Punkten hinter Vingegaard (72) liegt. Überholen kann er den Dänen aber nicht mehr. Es gibt auf den letzten drei Etappen nur noch drei Bergpunkte zu holen.

Vingegaard knapp vor dem ersten Gesamtsieg

Jonas Vingegaard ist der Gesamtsieg bei der 109. Tour de France kaum noch zu nehmen. Der 25-jährige Däne gewann am Donnerstag die letzte Bergetappe in Hautacam vor Titelverteidiger Tadej Pogacar und baute seinen Vorsprung vor dem Slowenen auf 3:26 Minuten aus. Dass der von einem Sturz geschwächte Pogacar diesen Rückstand im Einzelzeitfahren am Samstag aufholt, ist sehr unwahrscheinlich.

Zudem ist die Zeit von Simon Geschke im Bergtrikot vorbei. Der Berliner sammelte auf dem 143,2 Kilometer langen Teilstück mit drei Bergwertungen keine Punkte und musste das weiße Jersey mit den roten Punkten Vingegaard überlassen. Auf den verbleibenden Etappen sind nur noch drei Punkte zu vergeben, sodass der 36-jährige Geschke mit 64 Zählern Vingegaard (72) nicht mehr einholen kann.

Pogacars Tour wäre auf der Abfahrt vom Col de Spandelles fast schon vorbei gewesen. Der 23-Jährige stürzte etwa 30 Kilometer vor dem Ziel, als er in einer Kurve auf ein Schotterstück geriet. Pogacar stieg umgehend wieder aufs Rad, Vingegaard attackierte nicht und wartete auf seinen Konkurrenten. Beim Schlussanstieg nach Hautacam setzte Vingegaard dann 4,4 Kilometer vor dem Ziel die entscheidende Attacke.

Heißes Duell erwartet

Jetzt gilt es. Die letzte Bergetappe der 109. Tour de France ist für Tadej Pogacar quasi die letzte Chance, den bislang so souveränen Patron Jonas Vingegaard zu attackieren. Und für Simon Geschke geht es im Kampf um das Bergtrikot um jeden Punkt.

Showdown in Hautacam: In 1520 Metern Höhe fällt womöglich die Vorentscheidung über den Gesamtsieg bei der 109. Tour de France. Gelingt es Titelverteidiger Tadej Pogacar auf dem Schlussanstieg nach Hautacam nicht, seinen Rivalen Jonas Vingegaard abzuschütteln, dürfte dem Dänen der erste Tour-Triumph kaum mehr zu nehmen sein. „Das wird eine härtere Etappe. Ich bin optimistisch. Ich kann noch immer die Tour gewinnen“, sagte Pogacar. 2:18 Minuten liegt Vingegaard vor dem zweifachen Champion Pogacar. Einen Vorsprung, den der Slowene im Einzelzeitfahren am Samstag kaum aufholen kann. Den dritten Platz auf dem Podium dürfte sich wohl Ex-Toursieger Geraint Thomas sichern, wenn sich der Waliser keinen großen Einbruch mehr leistet.

Noch ein Kraftakt: Neunmal in Serie hat sich Simon Geschke bereits das Bergtrikot auf dem Tour-Podium abgeholt. Wenn er in dem weißen Dress mit den roten Punkten auch Paris erreichen will, muss er auf der letzten Pyrenäen-Etappe unbedingt punkten. Mit 64 Zählern liegt er zwölf Punkte vor Vingegaard und 18 vor Pogacar. Da sich die beiden Top-Stars vermutlich am Schlussanstieg duellieren werden, sollte Geschke möglich am Col d'Aubisque punkten.

Dürfen die Franzosen mal jubeln?: Noch kein Etappensieg, dazu ist das Podium in Paris für David Gaudu und Romain Bardet auf den Plätzen 5 und 6 weit entfernt. Gehen die Gastgeber womöglich ganz leer aus? Zuletzt gab es 1999 keinen Etappensieg. Damals gewann immerhin Richard Virenque das Bergtrikot und begeisterte die Landsleute. Weltmeister und Publikumsliebling Julian Alaphilippe wird schmerzlich vermisst.

Pogacar siegt bei Bergankunft – macht aber keine Zeit gut

Die großen Attacken bleiben aus, doch am Ende der steilen Schlussrampe in Peyragudes feierte Tadej Pogacar immerhin einen Achtungserfolg. Der Titelverteidiger gewann an der Skistation in den Pyrenäen die 17. Etappe der Tour de France und machte durch eine Zeitgutschrift immerhin vier Sekunden auf Spitzenreiter Jonas Vingegaard wett. Vor dem letzten Akt in den Bergen liegt der Däne 2:18 Minuten vor Pogacar. Die 109. Tour, so viel dürfte klar sein, wird zwischen den beiden Giganten dieser Ausgabe entschieden. Simon Geschke sorgte für den nächsten deutschen Lichtblick und verteidigte sein Bergtrikot erneut.

Pogacar ließ seine Mannschaft an den ersten drei von vier Bergwertungen bereits ein hohes Tempo fahren. Schon am Col de Val Louron-Azet, dem 1580 Meter hohen vorletzten Pass, gab es die ersten Erträge der Arbeit. Dem Tempo von Pogacars Helfer Brandon McNulty konnten nur der zweimalige Tour-Sieger und Vingegaard folgen. Der Gesamtdritte Geraint Thomas sowie der Vierte Nairo Quintana waren schon vor dem Finale abgehängt. Kurz vor der Bergwertung setzte Pogacar sein erste Attacke, der Vingegaard problemlos folgte. So ging das Duo zusammen in den Schlussanstieg.

Derweil werden Geschkes Träume von der Fahrt im Bergtrikot durch Paris am Sonntag immer realistischer. Am Mittwoch holte der 36-Jährige an der ersten Steigung erneut Punkte und verteidigte die Führung in der Wertung. Am zweiten Anstieg hatte Geschke Pech, als er kurz vor dem Gipfel durch ein Problem am Rad zurückfiel. Danach wurde der Berliner von der Gruppe der Favoriten eingeholt. Am Donnerstag könnte es Geschke auf dem Weg nach Hautacam reichen, wenn er die erste Bergwertung am legendären Col d'Aubisque für sich entscheidet.

„Er braucht noch einen guten Tag. Es wäre eine historische Leistung“, sagte Geschkes Teamkollege Maximilian Walscheid der ARD. Der 29-Jährige musste die Tour am Dienstag mit einem positiven Corona-Test verlassen, war bis dahin Geschkes Zimmerkollege. „Er geht mit der Aufmerksamkeit um ihn sehr gut um“, sagte Walscheid. Allein Geschkes Follower-Zahl bei Instagram ist durch die Zeit im Bergtrikot um etwa 25 Prozent gestiegen. Der Kampf um das Grüne Trikot ist bereits beendet. Wout van Aert ist in der Wertung nicht mehr einholbar und muss nun nur noch Paris erreichen.

Das hofft Pogacar vor allem für den Rest seiner Mannschaft. Am Mittwochmorgen musste er durch den Ausfall von Rafal Majka den nächsten schweren Rückschlag hinnehmen. Der Pole hatte sich einen Teilriss des Oberschenkelmuskels zugezogen, als ihm am Dienstag am letzten Berg die Kette gerissen war. Zudem fiel der erkrankte Spanier Marc Soler am Dienstag aus dem Zeitlimit und ist raus. Damit hat Pogacar im US-Amerikaner McNulty nur noch einen Helfer in den Bergen. Der Schweizer Marc Hirschi und der Däne Mikkel Bjerg sind eher Spezialisten für flache und hügelige Etappen.

Die Tour meldete zudem den zwölften Corona-Fall. Der Belgier Tim Wellens wurde am Mittwoch positiv getestet und muss das Rennen verlassen. Er habe milde Symptome, teilte sein Lotto-Soudal-Rennstall vor der 17. Etappe mit. Wellens lag weit abgeschlagen auf dem 121. Platz der Gesamtwertung.

Radprofi Walscheid beklagt Streckenführung

Auch die Tour de France will Jahr für Jahr mehr Zuschauer begeistern. Dadurch wird die Streckenführung immer spektakulärer und anstrengender für die Fahrer. Radprofi Max Walscheid sieht das kritisch, vor allem für die Sprinter im Feld. Mehr hier.

Das bringt die 17. Etappe

Die 109. Tour de France geht in die entscheidende Phase. Am Mittwoch steht die vierte Bergankunft auf dem Programm. In Peyragudes will Titelverteidiger Tadej Pogacar angreifen. Für Bergkönig Simon Geschke geht es wieder um wichtige Punkte.

Showdown in 1580 Metern Höhe: Titelverteidiger Tadej Pogacar schaltet auf Angriff. Auf dem Weg nach Foix konnte der Däne Jonas Vingegaard die Attacken souverän parieren und sein Gelbes Trikot verteidigen. „Ich habe mit Attacken gerechnet. Ich bin immer noch im Gelben Trikot und habe den gleichen Vorsprung. Alles ist gut“, sagte Vingegaard, der 2:22 Minuten vor Pogacar liegt. Am Mittwoch wartet die vierte Bergankunft in Peyragudes, da dürfte Pogacar wieder seine Chance suchen. Einen Tag später folgt die nächste Bergankunft in Hautacam.

Bloß nicht wieder Corona: Bei den Olympischen Spielen in Tokio wurde Simon Geschke vor einem Jahr positiv getestet. Statt auf dem Rennrad saß er mehr als eine Woche lang im Quarantäne-Zimmer. Nun könnte ihm das Virus wieder einen Strich durch die Rechnung machen und den Traum vom Bergtrikot in Paris platzen lassen. Denn sein Zimmerkollege Maximilian Walscheid wurde positiv getestet. „Ich bin bei sowas nicht so unruhig, weil es nicht in meiner Hand liegt. Wir werden testen und hoffen. Es gibt die neue Regelung, dass man trotz positivem Test weiterfahren könnte. Aber wenn es gar nicht geht, ist es halt so“, sagte Geschke, der seine Führung in der Bergwertung auf der ersten Pyrenäen-Etappe ausgebaut hat. Achtmal hat er sich bereits den weißen Dress mit den roten Punkten abgeholt.

Neue Hoffnung bei Bora-hansgrohe: Der russische Kapitän Alexander Wlassow rückte auf den achten Platz in der Gesamtwertung vor, nachdem er am Dienstag in der Ausreißergruppe vertreten war. Zumindest der vierte Gesamtrang ist wieder in Reichweite. „Jetzt muss ich es noch bis nach Paris bringen. In eine Fluchtgruppe werden sie mich nicht mehr lassen“, sagte Wlassow. Das Bora-Team agierte bislang glücklos und wartet weiter auf einen Etappensieg.

Geschke bleibt im Bergtrikot

Simon Geschke hat den Corona-Sorgen getrotzt und das Bergtrikot zu Beginn der Pyrenäen-Trilogie bei der Tour de France souverän verteidigt. Nach dem Ausstieg seines Zimmerpartners Max Walscheid aufgrund eines positiven Tests baute der 36-Jährige seine Führung in der Bergwertung sogar aus. Den Tagessieg auf der 16. Etappe sicherte sich der Kanadier Hugo Houle als Solist - ein emotionaler Triumph im Gedenken an den getöteten Bruder.

„Ich habe noch nie gewonnen, das ist der richtige Ort, mein erstes Rennen zu gewinnen“, sagte Houle und fügte unter Tränen hinzu: „Ich habe diese Etappe für meinen Bruder gewonnen, der gestorben ist. Das ist unglaublich. Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“

Geschke hatte sich früh als Teil einer großen Spitzengruppe vom Feld abgesetzt. Auf den zwei großen Anstiegen des Tages kämpfte der Cofidis-Fahrer aufopferungsvoll, sammelte insgesamt zwölf Punkte und liegt mit nun 58 Zählern 19 Punkte vor Verfolger Louis Meintjes. Ins Finale konnte Geschke, der auf der abschließenden langen Abfahrt ins Ziel nach Foix ausrollte, nicht eingreifen.

Dort triumphierte Houle aus dem Team Israel-Premier Tech, der bei der diesjährigen Pyrenäen-Premiere den ersten Tour-Etappensieg seiner Karriere feierte. Es ist zudem erst der zweite Tageserfolg eines Kanadiers bei der Frankreich-Rundfahrt seit Steve Bauer 1988.

Die Angriffe des Titelverteidigers Tadej Pogacar auf den Gesamtführenden Jonas Vingegaard liefen dagegen ins Leere. Der Däne vom Team Jumbo Visma ließ sich nicht beunruhigen und hielt konsequent das Hinterrad des Slowenen. Vingegaard fuhr einträchtig mit Pogacar ins Ziel und verteidigte souverän sein Gelbes Trikot.

Der nächste heiße französische Sommer-Tag hatte mit einer schlechten Nachricht aus deutscher Sicht begonnen. Bora-hansgrohe-Fahrer Lennard Kämna musste aufgrund einer hartnäckigen Erkältung das Rennen aufgeben. Der 25 Jahre alte Hoffnungsträger hatte in den ersten beiden Tourwochen für einige Highlights gesorgt, verpasste aber sowohl den Sprung ins Gelbe Trikot als auch einen Etappensieg denkbar knapp.

Wenig später erreichte auch Geschke, dessen großes Ziel es ist, das Gepunktete Trikot als erster Deutscher nach Paris zu tragen, eine Hiobsbotschaft: Cofidis-Teamkollege Walscheid wurde am Montag positiv auf Corona getestet und musste wie Kämna aufgeben. Geschke muss sich nun um einen coronabedingten Verlust des Bergtrikots Sorgen machen - und das, obwohl die noch schwereren Pyrenäenetappen der kommenden beiden Tage schon kompliziert genug werden dürften.

Kurz nach dem Start in Carcassonne bildete sich eine fast 30-köpfige Spitzengruppe, in der Geschke als einziger Deutscher mit von der Partie war. Zudem mischten in Kapitän Alexander Wlassow und dem Österreicher Felix Großschartner auch zwei Fahrer des deutschen Rennstalls Bora-hansgrohe vorne mit.

„Wenn Fluchtgruppen gegangen sind, waren wir, bis auf einen Tag, in jeder vertreten. Die Strategie wollen wir auch weiterfahren“, hatte Sportdirektor Rolf Aldag dem SID am Ruhetag am Montag gesagt. Den erhofften Ertrag brachte die Taktik aber erneut nicht. Wlassow wurde am Ende nur Sechster, machte aber immerhin einige Zeit in der Gesamtwertung gut.

Kämna und Walscheid steigen aus

Lennard Kämna und Max Walscheid sind bei der 109. Tour de France als erste deutsche Radprofis ausgestiegen. Das teilten ihre Teams Bora-hansgrohe und Cofidis am Dienstag mit. Kämna war seit Tagen verschnupft gefahren, am letzten Ruhetag am Montag hatte er vergeblich versucht, die Erkältung auf dem Hotelzimmer auszukurieren. Walscheid, Teamkollege des Bergtrikot-Trägers Simon Geschke, wurde positiv auf das Coronavirus getestet.

Youngster Kämna hatte dreimal versucht, seinem Solo-Coup von 2020 den zweiten Etappensieg bei der Großen Schleife folgen zu lassen. Kämna war am Samstag als Ausreißer auf dem achten Rang gelandet. Nach dem Drama auf der siebten Etappe, als ihm nur wenige Meter zum Sieg auf der Super Planche des Belles Filles gefehlt hatten, musste Kämna diesmal bereits einige Kilometer vor dem Ziel die anderen Topfahrer ziehen lassen.

Auf der zehnten Etappe nach Megeve fehlte ihm gar nur eine Nuance von elf Sekunden, um Titelverteidiger Tadej Pogacar das Gelbe Trikot zu entreißen. Walscheid hatte bei der Kopfsteinpflaster-Etappe nach Arenberg in der ersten Woche trotz eines Sturzes mit Platz zwölf geglänzt.

Vor dem Start der 16. Etappe von Carcassonne nach Foix wurden zudem zwei weitere Ausstiege bekannt. Das Team AG2R Citröen muss in der letzten Tourwoche auf Aurelien Paret-Peintre and Mikael Cherel verzichten. Bei beiden Fahrern wurde während des Ruhetages eine Corona-Infektion nachgewiesen.

Zwei weitere Coronafälle bei der Tour

Die 109. Tour de France vermeldet die Corona-Fälle Nummer neun und zehn. Die beiden französischen Radprofis Aurélien Paret-Peintre und Mikaël Chérel wurden positiv getestet und müssen das Rennen aufgeben. Das gab das französische AG2R-Team am Dienstag vor der 16. Etappe bekannt. Bereits am Vortag hatte der Weltverband UCI mitgeteilt, dass zwei Fahrer bei den verpflichtenden Corona-Tests positiv getestet wurden. Beide Fahrer waren aber asymptomatisch, so dass ein Ausschluss noch nicht endgültig war.

Das AG2R-Team hat damit nur noch drei von ursprünglich acht Fahrern im Rennen. Einer davon ist der Luxemburger Bob Jungels, der kurz vor dem Tour-Start noch positiv getestet worden war, anschließend aber die neunte Etappe nach Chatel gewann.

Das erwartet die Fahrer auf der ersten Pyrenäen-Etappe

Nach dem zweiten und letzten Ruhetag der Tour de France geht es am Dienstag erstmals in die Pyrenäen - und direkt ordentlich zur Sache. Vier Bergwertungen haben die Fahrer nach dem Start in Carcassonne zu überwinden, davon zwei der ersten Kategorie.

Nach zwei kleineren Prüfungen zu Beginn der Etappe wartet im letzten Renndrittel der Anstieg hinauf auf den Port de Lers, ehe 33 km vor dem Ziel die Mur de Peguere auf dem Programm steht. Anschließend führt eine lange kurvige Abfahrt Richtung Ziel in Foix, das zum siebten Mal Tour-Etappenort ist.

Es ist die erste von insgesamt drei Etappen, die in diesem Jahr im südfranzösischen Teil des Hochgebirges ausgetragen werden - und es könnte die letzte große Chance für eine Fluchtgruppe sein. Das deutsche Team Bora-hansgrohe um Ausreißer-Spezialist Lennard Kämna wird sich Hoffnungen auf den Tagessieg machen. Die Favoriten in der Gesamtwertung könnten trotz der langen Abfahrt und des Flachstücks kurz vor dem Ziel versuchen, am Berg zu attackieren und wichtige Sekunden herauszufahren.

Für Simon Geschke (Cofidis) geht es derweil darum, sein Bergtrikot zu verteidigen. In den Alpen hat der 36 Jahre alte Routinier bewiesen, dass er durchaus das Zeug dazu hat, auch in höheren Gefilden um Bergpunkte zu kämpfen: „Ich erhole mich Tag für Tag und versuche, so viele Kräfte wie möglich zu sammeln für die Pyrenäen“, sagt Geschke mit Blick auf die entscheidenden Etappen.

Fuglsang steigt aus

Der Däne Jakob Fuglsang ist einen Tag nach seinem spektakulären Sturz auf der 15. Etappe am Sonntag aus der Tour de France ausgestiegen. Der Fahrer des Teams Israel-Premier Tech hatte bei dem Unfall einen Rippenbruch erlitten. Dies ergab die Röntgenuntersuchung.

Ursprünglich wollte Fuglsang trotz der Verletzung weiterfahren, entschied sich dann aber nach einer Besprechung mit der medizinischen Abteilung seines Teams für die Aufgabe. „Ich bin früher schon einmal mit einer gebrochenen Rippe weitergefahren“, sagte der 37-Jährige: "Aber in diesem Fall gibt es für mich nichts mehr zu gewinnen, deshalb macht es sicher mehr Sinn, die Verletzung in Ruhe auszukurieren.

Philipsen siegt auf der 15. Etappe

Jasper Philipsen hat die 15. Etappe der 109. Tour de France gewonnen. Der Belgier holte sich am Sonntag bei Temperaturen von bis zu 40 Grad nach 202,5 Kilometern von Rodez nach Carcassonne den Sieg im Massensprint vor Wout van Aert und Mads Pedersen. Zuvor war ein Ausreißversuch des deutschen Meisters Nils Politt und dem Dänen Mikkel Honoré nach 145 Kilometern beendet worden. Das Bergtrikot erhielt zum siebten Mal nacheinander der gebürtige Berliner Simon Geschke.

In der Gesamtwertung liegt Jonas Vingegaard weiter 2:22 Minuten vor Titelverteidiger Tadej Pogacar. Für den Dänen lief es aber alles andere als rund. Der Gesamterste wurde in einen Sturz verwickelt, konnte aber zum Feld wieder aufschließen. Dafür war das Rennen für zwei seiner wichtigsten Helfer beendet: Der ursprünglich als Kapitän vorgesehene Slowene Primoz Roglic trat wegen seiner Sturzverletzungen aus der ersten Woche nicht mehr an. Während des Rennens erwischte es dann den früheren niederländischen Tour-Dritten Steven Kruijswijk, der aufgeben musste.

Am Montag legt die Tour den letzten Ruhetag ein, bevor es am Dienstag in die Pyrenäen geht. Am Dienstag stehen 178,5 Kilometer von Carcassonne nach Foix an.

Nach Ausfall von zwei Helfern: Vingegaard fürchtet um Gesamtsieg

Radprofi Jonas Vingegaard fürchtet nach dem Ausfall zwei seiner wichtigsten Helfer um den Gesamtsieg bei der Tour de France. „Sie sind zwei wichtige Teamkollegen, zwei sehr starke Fahrer, und es macht mich nicht glücklich, dass sie nicht mehr im Rennen sind. Das ist ein Nachteil für uns, aber wir werden bis Paris weiterkämpfen“, sagte der Däne nach dem Ausfall von Steven Kruijswijk (Niederlande) und Primoz Roglic (Slowenien).

Kruijswijk war nach einem Sturz auf der 15. Etappe am Sonntag nach Carcassonne in einem Krankenwagen abtransportiert worden. Der frühere Tour-Zweite Roglic war bereits vor der Etappe angeschlagen aus dem Rennen ausgestiegen. Jumbo-Visma stehen somit in der letzten Tour-Woche nur noch sechs Fahrer zur Verfügung.

„Ich hatte heute einen kleinen Sturz, aber mir geht es gut. Der Verlust von Steven und Primoz ist bei weitem die schlimmste Nachricht des Tages. Sie waren beide wichtige Teamkollegen für unsere Strategie für die Zukunft“, sagte Vingegaard, der mit einem Vorsprung von 2:22 Minuten auf den slowenischen Titelverteidiger Tadej Pogacar in die letzte Woche der Frankreich-Rundfahrt geht. Am Montag ist bei der Tour Ruhetag.

Positive Corona-Tests bei Etappensieger Cort und Clarke

Die 109. Tour de France ist am Sonntag ohne zwei Etappensieger fortgesetzt worden. Der Däne Magnus Cort und der Australier Simon Clarke wurden positiv auf das Coronavirus getestet und mussten die Rundfahrt verlassen, wie die Teams der Radprofis mitteilten. Cort hatte sieben Tag lang das Bergtrikot getragen und die zehnte Etappe in Megève gewonnen. Clarke war auf dem Kopfsteinpflaster-Teilstück zum Wald von Arenberg siegreich.

Die beiden Profis sind die Corona-Fälle sieben und acht während der Tour. Zuvor mussten bereits die Franzosen Warren Barguil, Guillaume Martin, Geoffrey Bouchard, der Norweger Vegard Staeke Laengen, der Neuseeländer George Bennett und der Australier Luke Durbridge die Rundfahrt corona-positiv verlassen. Die nächsten verpflichtenden Tests stehen am Montag an.

Vingegaard verliert zwei wichtige Helfer

Jonas Vingegaard muss bei der Tour de France die Verteidigung seines Gelben Trikots ohne zwei prominente Helfer fortsetzen. Der ursprünglich als Kapitän vorgesehene Slowene Primoz Roglic trat am Sonntag zur 15. Etappe von Rodez nach Carcassonne nicht mehr an. Während des Rennens musste dann auch noch der Niederländer Steven Kruijswijk, immerhin Tour-Dritter von 2019, nach einem Sturz aufgeben. Aber auch für Vingegaard lief es am Sonntag nicht reibungslos. Der Mann in Gelb kam rund 60 Kilometer vor dem Ziel auch zu Fall, konnte aber zum Feld wieder aufschließen.

Roglic musste damit wie im Vorjahr wegen der Folgen eines Sturzes vorzeitig aussteigen. Der Olympiasieger im Zeitfahren war auf der fünften Etappe gestürzt und hatte sich die Schulter ausgekugelt. Roglic renkte sich die Schulter selbst wieder ein und setzte das Rennen fort. Die Hoffnung auf den ersten Gesamtsieg bei der Tour waren durch den Zeitverlust jedoch dahin. Roglic spannte sich als Helfer von Spitzenreiter Vingegaard ein, war mit seinen Kräften aber nun offenbar am Ende. Schon am Samstag wurde der dreimalige Vuelta-Sieger auf dem Weg nach Mende vom Feld abgehängt und verlor rund zwölf Minuten auf die Favoriten.

+++ 16. Juli +++

Matthews gewinnt Hitzeschlacht auf der 14. Etappe - Geschke weiter im Bergtrikot

Michael Matthews hat die 14. Etappe der 109. Tour de France gewonnen. Der Klassiker-Spezialist aus Australien holte sich am Samstag nach einer 192,5 km langen Hitzeschlacht von Saint-Étienne nach Mende den Sieg als Solist vor dem Italiener Alberto Bettiol und dem Franzosen Thibaut Pinot. Der Berliner Simon Geschke, der ebenfalls lange der Ausreißergruppe angehörte, sicherte sich zum sechsten Mal hintereinander das Bergtrikot.

Der Däne Jonas Vingegaard (Jumbo-Visma) bleibt im Gelben Trikot des Gesamtführenden. Sein Vorsprung auf Titelverteidiger Tadej Pogacar (Slowenien/UAE Team Emirates), der ihn am letzten Anstieg erfolglos angriff, beträgt wie zuvor 2:22 Minuten.

+++15. Juli+++

Pedersen gewinnt 13. Etappe –Geschke weiter im Bergtrikot

Ausreißer Mads Pedersen hat in der Hitze von Saint-Étienne das erwartete Sprint-Spektakel verhindert und bei der 109. Tour de France seinen ersten Etappensieg gefeiert. Der dänische Ex-Weltmeister setzte sich am Freitag bei Temperaturen von über 35 Grad vor dem Briten Fred Wright und dem Kanadier Hugo Houle durch. Simon Geschke verteidigte sein Bergtrikot nach 192,6 Kilometern einmal mehr erfolgreich und schrieb ein kleines Stück deutsche Tour-Geschichte.

„Es ist unglaublich, endlich den Etappensieg zu holen. Die Form ist gut und es hat viele Versuche gekostet. Für einen Fahrer wie mich gibt es bei dieser Tour wenig Chancen, da musste ich diese nutzen“, sagte Pedersen. „Lange Zeit dachte ich, es war ein Fehler, in die Gruppe zu gehen. Der Vorsprung war nicht groß, aber die Strecke war schwer genug.“ Es war bereits der dritte dänische Etappensieg bei dieser Tour, die in Kopenhagen startete.

In der Gesamtwertung hatte Jonas Vingegaard erwartungsgemäß keinerlei Probleme, sein Gelbes Trikot zu verteidigen. Der Däne liegt 2:22 Minuten vor Titelverteidiger Tadej Pogacar und 2:26 vor dem walisischen Ex-Toursieger Geraint Thomas.

Nach dem Start in Bourg d'Oisans am Fuße des Anstiegs zur Alpe d'Huez versuchten es zahlreiche Fahrer mit einem Ausreißversuch, darunter auch der deutsche Meister Nils Politt. Letztlich entstand eine siebenköpfige Spitzengruppe ohne deutschen Fahrer, in der Zeitfahr-Weltmeister Filippo Ganna vertreten war. Unter den Sprinter-Teams herrschte jedoch keine Einigkeit in der Nachführarbeit, so dass die Ausreißer sich ins Ziel retteten.

Bergkönig Geschke verzichtete auf Attacken und weitere Punkte und hielt sich nach den anstrengenden Tagen im Hochgebirge im Feld auf. Mit 43 Punkten steht der Berliner noch immer an der Spitze der Bergwertung, der Südafrikaner Louis Meintjes ist vier Zähler zurück Zweiter. In Saint-Étienne erhielt der 36-Jährige das berühmte weiße Trikot mit den roten Punkten zum fünften Mal und stellte damit eine deutsche Bestmarke auf.

Bisher war Marcel Wüst der Radprofi, der das Bergtrikot bei der Tour aus deutscher Sicht am häufigsten getragen hat. Vier Etappen lang trug der Sprinter aus Köln das Trikot bei der Tour 2000. Geschke hat gute Chancen, die Führung in der Wertung bis zum zweiten Ruhetag am Montag erfolgreich zu verteidigen. Die Etappen am Wochenende führen durch das Zentralmassiv und sollten dem Cofidis-Profi vom Profil her liegen. Die Frage ist nur, wie es um die Kräfte des Routiniers steht.

Einer von Geschkes Konkurrenten um das Bergtrikot musste sich am Freitagmorgen kampflos geschlagen geben. Warren Barguil musste die Tour als sechster Radprofi wegen eines positiven Coronatests verlassen. Die Tests der anderen sieben Fahrer der Mannschaft, darunter der Gesamtsechste Nairo Quintana aus Kolumbien, waren nach Angaben des Teams negativ. Der Franzose Barguil hatte 2017 das Bergtrikot der Tour gewonnen, lag vor der 13. Etappe mit 30 Punkten in Schlagdistanz zu Geschke.

Vor Barguil mussten bereits George Bennett, Geoffrey Bouchard, Vegard Stake Laengen, Guillaume Martin und Luke Durbridge die Rundfahrt corona-positiv verlassen. Die nächsten verpflichtenden Tests des Weltverbandes stehen am zweiten Ruhetag am Montag an.

Barguil vom Team Arkea-Samsic positiv getestet

Die Tour hat ihren nächsten Aussteiger. Der ehemalige französische Meister Warren Barguil vom Team Arkea-Samsic wurde am Freitag positiv auf das Coronavirus getestet und musste vor der 13. Etappe aufgeben. Barguil war außerdem auf der zwölften Etappe am Donnerstag bei der Abfahrt von Croix-de-Fer gestürzt und hatte sich dabei an der rechten Schulter verletzt. In der Gesamtwertung lag er mit 42 Minuten Rückstand auf das Gelbe Trikot auf Platz 24.

+++ 14. Juli +++

Pidcock gewinnt Königsetappe nach Alpe d‘HuezVingegaard bleibt in Gelb

Jonas Vingegaard präsentierte stolz das frisch verteidigte Gelbe Trikot, dann strahlte er im Radsport-Mekka Alpe d'Huez mit der Abendsonne um die Wette. Während die begeisterten Fans vor dem Podium den Vorjahreszweiten aus Dänemark mit Sprechchören feierten, musste der in Schach gehaltene Tadej Pogacar hinter der Bühne noch reihenweise Trikots unterschreiben.

„Tadej hat ein paar mal versucht, mich abzuhängen, aber das hatte ich erwartet, ich konnte kontern“, sagte Vingegaard entspannt - und ebenso abgeklärt war er zuvor auch auf den 21 berühmtesten Kehren des Radsports vor Hunderttausenden frenetischen Fans aufgetreten: Alle Attacken des slowenischen Titelverteidigers wehrte er ab, der Abstand zwischen dem Mann in Gelb und Pogacar als bestem „Jungprofi“ in Weiß beträgt weiterhin 2:22 Minuten.

„Der gestrige Tag hat mich schon viel Energie gekostet, daher habe ich heute gar nicht über Zeitgewinne nachgedacht“, sagte Vingegaard, der neben Pogacar auch mit den hohen Temperaturen zu kämpfen hatte: „Es war sehr warm, vor allem in den Tälern stand die Hitze.“ Am Mittwoch hatte Herausforderer Vingegaard seinem Widersacher das Maillot jaune entrissen, nachdem Pogacar einen ungewohnt schweren Einbruch erlebt hatte.

Geschlagen gibt sich Pogacar aber noch lange nicht - im Gegenteil: „Ich habe mich viel besser gefühlt als gestern. Es gibt mir einen Schub und eine Menge an Selbstvertrauen“, sagte der 23-Jährige. Vingegaard parierte knapp drei Kilometer vor dem Ziel den ersten Angriff von Pogacar, der in der Gesamtwertung vorbei an Romain Bardet auf Rang zwei kletterte, und klemmte sich an dessen Hinterrad. Auf den letzten 1000 Metern fand er auf weitere Attacken Pogacars immer eine Antwort und blieb auch im Zielsprint an seinem ärgsten Konkurrenten dran.

Am französischen Nationalfeiertag bejubelte Thomas Pidcock auf der zwölften Etappe seinen ersten Tour-Etappensieg und damit den größten Triumph seiner Karriere. Der Brite war 3:23 Minuten vor Vingegaard und Pogacar über die Ziellinie gefahren. „Ein Etappensieg bei meiner ersten Tour, nicht schlecht, oder? Das ist definitiv einer meiner größten Tage, eines meiner größten Erlebnisse“, sagte Pidcock.

Der Deutsche Simon Geschke verteidigte das Bergtrikot. „Jetzt habe ich noch vier Punkte Vorsprung. Mal sehen, wie lange die noch halten. Die nächsten Etappen werden jetzt erstmal ein bisschen leichter“, sagte der Berliner, der das gepunktete Trikot am Sonntag erobert hatte. Einen Achtungserfolg bejubelte der viermalige Tour-Sieger Chris Froome, der Dritter wurde.

Im Peloton kontrollierte Vingegaards Team Jumbo-Visma angeführt vom bislang überragenden Allrounder Wout van Aert, der acht Kilometer vor dem Ziel seine Arbeit als Edelhelfer beendete, das Tempo. Pogacar sparte mit seinem aufgrund von Coronafällen um zwei Fahrer dezimierten Team UAE zunächst wertvolle Energie. Auf den letzten knapp fünf Kilometern blieb ihm kein Helfer mehr übrig. Pogacars Attacken hatten keine Wirkung auf Vingegaard - aus der fünf Mann starken Fluchtgruppe heraus hatte Pidcock den längeren Atem.

Nach den zwei massiv schweren Hochgebirgsetappen dürfen sich die Fahrer am Freitag ein wenig erholen. Über 192,6 Kilometer von Le Bourg d'Oisans nach Saint-Etienne warten nur zwei Berge der dritten und einer der zweiten Kategorie. Es bietet sich den Sprintern eine der wenigen Chancen auf eine Massenankunft.

12. Etappe Briancon/Frankreich - Alpe d'Huez/Frankreich (165,10 km): 1. Thomas Pidcock (Großbritannien) - Ineos Grenadiers 4:55:24 Std.; 2. Louis Meintjes (Südafrika) - Wanty-Gobert + 48 Sek.; 3. Christopher Froome (Großbritannien) - Israel-Premier Tech + 2:06 Min.; 4. Neilson Powless (USA) - EF Education-EasyPost + 2:29; 5. Tadej Pogacar (Slowenien) - UAE Team Emirates + 3:23; 6. Jonas Vingegaard Rasmussen (Dänemark) - Jumbo-Visma; 7. Geraint Thomas (Großbritannien) - Ineos Grenadiers; 8. Enric Mas Nicolau (Spanien) - Movistar Team + 3:26; 9. Sepp Kuss (USA) - Jumbo-Visma; 10. Giulio Ciccone (Italien) - Trek - Segafredo + 3:32

Gesamtwertung Einzel, Stand nach der 12. Etappe: 1. Jonas Vingegaard Rasmussen (Dänemark) - Jumbo-Visma 46:28:46 Std.; 2. Tadej Pogacar (Slowenien) - UAE Team Emirates + 2:22 Min.; 3. Geraint Thomas (Großbritannien) - Ineos Grenadiers + 2:26; 4. Romain Bardet (Frankreich) - Team DSM + 2:35; 5. Adam Yates (Großbritannien) - Ineos Grenadiers + 3:44; 6. Nairo Quintana (Kolumbien) - Team Arkea-Samsic + 3:58; 7. David Gaudu (Frankreich) - Groupama-FDJ + 4:07; 8. Thomas Pidcock (Großbritannien) - Ineos Grenadiers + 7:39; 9. Enric Mas Nicolau (Spanien) - Movistar Team + 9:32; 10. Aleksander Wlasow (Russland) - Bora-hansgrohe + 10:06


Hier geht es zum Bericht über Chris Froome.

++++14. Juli++++

Das erwartet die Fahrer auf der Königsetappe - hinauf nach Alpe d'Huez

Mit der Bergankunft in Alpe d'Huez erreicht die 109. Tour de France am Donnerstag ihren Siedepunkt. Erstmals seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie steht das Skiresort in den Alpen wieder im Programm.

Spektakel am französischen Nationalfeiertag: Es sind die 21 berühmtesten Serpentinen der Welt, die ins Radsport-Mekka Alpe d'Huez führen. Wenn am Donnerstag zum französischen Nationalfeiertag die zwölfte Etappe der 109. Tour de France über 165,1 Kilometer von Briançon nach Alpe d'Huez ansteht, kommt es zum großen Showdown in den Alpen. Hunderttausende Fans werden an dem 13,8 Kilometer langen Schlussanstieg mit durchschnittlich 8,1 Prozent Steigung wieder Spalier stehen und für ein Tollhaus sorgen. Aber auch schon vorher hat es die Etappe in sich. Nach dem Start in Briançon geht es über den 2642 Meter hohen Bergriesen Col du Galibier sowie den Col de la Croix de Fer, allesamt Berge der höchsten Kategorie.

Kampf um Gelb: Jonas Vingegaard traut seinem Vorsprung noch nicht und erwartet einen Angriff von Tadej Pogacar in Alpe d’Huez. „Er ist immer noch mein Haupt-Herausforderer. Er wird mich jetzt bei jeder Gelegenheit attackieren. Das wird richtig hart“, sagte der 25-Jährige. Pogacar kündigte umgehend nach der bisher größten Niederlage seiner Karriere an, sich das Gelbe Trikot zurückholen zu wollen. „Ich will eine Revanche. Die Tour ist noch nicht vorbei“, betonte der Slowene.

Noch ein Tag im Bergtrikot: Unermüdlich kämpft Simon Geschke um jeden Punkt in der Bergwertung. Zur Belohnung darf er das weiße Trikot mit den roten Punkten nach Alpe d'Huez tragen. Schafft er den Kraftakt ein weiteres Mal? „So wie ich mich jetzt fühle, geht es für mich eher um das Zeitlimit. Wenn es irgendeine Chance gibt, werde ich es versuchen. Aber es kostet unheimlich viel Kraft“, sagte der 36-jährige Berliner. Geschke liegt in der Bergwertung mit 43 Punkten nun acht Zähler vor dem Franzosen Pierre Latour.

Das sagen die Deutschen: Lennard Kämna kletterte schon als kleiner Junge hinauf auf 1850 Meter. „Wir sind dort im Urlaub hoch gefahren. Ich war zehn oder elf und es hat mir viel Spaß gemacht. Ich habe das damals gerade so geschafft“, sagte der 25-Jährige. Am Donnerstag erwartet Kämna eine „einmalige Atmosphäre“. Auf die freut sich auch Geschke: „Alpe d'Huez ist immer eine riesen Party. Das ist ein riesiges Erlebnis.“

Die Kurve der Holländer: Der ganze Berg wird am Donnerstag eine gewaltige Party sein. Das größte Event steigt jedoch in Kurve sieben. Als der niederländische Pfarrer Jaap Reuten 1964 dort zum Skifahren war, konnte er nicht glauben, dass es dort keine Kirche gab. Also ließ er eine errichten, ging dort selbst seinem Beruf nach und läutete beim Sieg seines Landsmanns Joop Zoetemelk 1976 die Glocken. Fortan tat er das bei jedem niederländischen Sieg, acht sind es bis heute. Die Fans aus Oranje machten die Kurve zu ihrer Exklave und eskalierten bei jeder Etappe ein wenig mehr. „Dutch corner“ gehört heute zu Alpe d'Huez wie die Champs-Élysées zu Paris.

+++ 13. Juli +++

Vingegaard siegt am Col du Granon und fährt in Gelb – Pogacar bricht ein

Der dänische Herausforderer Jonas Vingegaard hat einen atemberaubenden ersten Schlagabtausch im Hochgebirge für sich entschieden und ist bei der Tour de France ins Gelbe Trikot gestürmt. Auf der elften Etappe nahm er Titelverteidiger Tadej Pogacar, der einen kapitalen Einbruch erlebte, 2:51 Minuten ab und siegte vor dem Kolumbianer Nairo Quintana und Romain Bardet aus Frankreich.

„Ich habe es noch nicht verstanden“, sagte Vingegaard, „was soll ich sagen - das ist es, wovon ich immer geträumt habe. Wir hatten einen Plan, wir wollten hart fahren. Und alles hat funktioniert.“

Beim Schlussanstieg der ersten richtig schweren Alpenetappe auf den Col du Granon Serre Chevalier hatte Vingegaard knapp fünf Kilometer vor dem Ziel unwiderstehlich angegriffen. Pogacar, der bereits zuvor immer wieder attackiert worden war, konnte nicht folgen und brach in der Folge vollkommen ein. Mit gequälter Miene musste der Dominator der bisherigen Tour Fahrer um Fahrer an sich vorbei ziehen lassen und wurde am Ende nur Siebter.

Vingegaard liegt damit nun 2:22 Minuten vor dem Slowenen, der hinter Bardet (+ 2:16) nur noch Gesamt-Dritter ist. Lennard Kämna, der tags zuvor beinahe ins Gelbe Trikot gefahren war, fiel im Gesamtklassement erwartungsgemäß weit zurück, während Simon Geschke das Trikot des besten Bergfahrers verteidigte.

Gestartet war die knapp 152 km lange Etappe der Frankreich-Rundfahrt in Albertville, dem Austragungsort der Olympischen Winterspiele von 1992. Relativ früh bildete sich eine 20-köpfige Spitzengruppe, in der auch Geschke mit von der Partie war.

„Es wird sicherlich nicht einfach, das Bergtrikot im Hochgebirge zu verteidigen“, hatte der 36-Jährige dem SID vor dem Rennen gesagt. Doch Geschke nahm den Kampf auf beeindruckende Weise an, sicherte sich zwei zweite und einen dritten Platz bei den Bergwertungen des Tages und behauptete das gepunktete Trikot.

Pogacar, dessen UAE Team Emirates zuletzt zwei Coronafälle verkraften musste, hatte bereits auf dem Weg zum Gipfel des Telegraphe nur noch drei Helfer an seiner Seite. Wenig später war der 23-Jährige dann sogar erstmals komplett isoliert. In einem denkwürdigen Schlagabtausch attackierten die Jumbo-Visma-Fahrer Vingegaard und Roglic, der später zurückfiel, im Wechsel - und das bereits am vorletzten Anstieg hinauf auf das Dach der Tour auf dem Col du Galibier.

Pogacar sowie Geraint Thomas (Ineos Grenadiers) konterten zunächst aber alle Attacken. Im Anschluss an die Abfahrt der über 2600 Meter hohen Bergkuppe am Galibier waren dann alle Favoriten und wichtige Helfer wieder in einer Gruppe vereint, ehe der finale Showdown auf dem Schlussanstieg begann und Pogacar einbrach.

Am Donnerstag geht es bei der Tour sogar noch anspruchsvoller weiter. Auf der Königsetappe mit drei Anstiegen der höchsten Kategorie und insgesamt rund 4750 Höhenmetern geht es über den Col du Galibier und den Col de la Croix Fer die 21 berühmtesten Kehren des Radsports hinauf nach Alpe d'Huez.

Das bringt die 11. Etappe

In den Alpen steht die zweite Bergankunft der 109. Tour de France auf dem Programm - und die hat es in sich. 36 Jahre nach dem ersten und bisher letzten Besuch der Frankreich-Rundfahrt am Col du Granon Serre Chevalier darf Tadej Pogacar gegen seine ärgsten Widersacher keine Schwächen zeigen. Es ist eine Schlüssel-Etappe dieser Tour.

Bereits vor dem 11,3 km langen Schlussanstieg mit einer durchschnittlichen Steigung von 9,2 Prozent wird das Fahrerfeld extrem gefordert. Nach dem Lacets de Montvernier nach knapp 50 km folgt eine schwere Kombination aus Col du Telegraphe und Col du Galibier, der einen Tag später auf dem Weg nach Alpe d'Huez noch einmal erklommen werden muss. Die Ziellinie liegt auf 2413 Metern.

Beim ersten großen Finale am Col du Granon im Jahr 1986 verlor Bernard Hinault, einer von vier Fahrern, die fünfmal die Tour gewonnen haben, das Gelbe Trikot an Greg LeMond. Der US-Amerikaner gewann am Ende als erster Nichteuropäer das Maillot jaune.

Startort des elften Teilstücks ist Albertville. Insgesamt ist der Ausrichter der Olympischen Winterspiele 1992 zum siebten Mal Tour-Etappenort.

Zimmermann kritisiert Umweltproteste

Der deutsche Radprofi Georg Zimmermann hat die Protestaktion französischer Umweltaktivisten auf der zehnten Etappe der Tour de France kritisiert: „Meiner Meinung nach kann man anders auf politische Missstände aufmerksam machen“, sagte der 24-Jährige der ARD nach seinem starken sechsten Platz.

Man solle lieber gut durchdachte Argumente liefern, anstatt Veranstaltungen „radikal zu torpedieren und anderen Leuten auf die Nerven zu gehen“, fuhr Zimmermann fort, der für das grundsätzliche Anliegen der Protestierenden durchaus Verständnis zeigte: „An sich muss man natürlich das Klima retten und ich stehe auch hinter dem Umweltschutz, aber das nimmt die falschen Ausmaße an.“

Zuvor hatten mehrere Personen die Strecke rund 37 km vor dem Tagesziel in Megeve mit einer Sitzblockade versperrt und bengalische Feuer gezündet. Das Rennen musste mehrere Minuten neutralisiert werden, ehe die Etappe mit den zuvor bestehenden zeitlichen Abständen fortgesetzt wurde.

Der Unterbrechung konnte Zimmermann immerhin auch etwas Positives abgewinnen: „Für mich war es eigentlich recht angenehm, ich musste eh auf die Toilette“, scherzte der Fahrer vom Team Intermarche-Wanty-Gobert Materiaux.

Kämna verpasst Etappensieg und Gelb knapp – Demonstration sorgt für Unterbrechung

Lennard Kämna ist am Ort seines Durchbruchs bei der Tour de France hauchzart am Gelben Trikot vorbeigerauscht. Vier Tage nach seinem um 100 Meter verpassten Coup an der Super Planche des Belles Filles fehlten dem 25-Jährigen vom deutschen Team Bora-hansgrohe in Megeve bei der zweiten Bergankunft der 109. Frankreich-Rundfahrt am Ende elf Sekunden, um Tadej Pogacar das Maillot jaune zu entreißen.

Im Gesamtklassement kletterte Kämna, der Zehnter wurde, auf Platz zwei. Georg Zimmermann glänzte noch vor Kämna als Sechster. „Ich hatte heute das Gefühl, dass jeder gegen mich fährt in der Spitzengruppe“, sagte Kämna in der ARD: „Es hat echt gar keinen Spaß gemacht den ersten Berg hoch. Am Ende habe ich alles gefahren, was ich hatte.“

Parallel verteidigte Landsmann Simon Geschke sein am Sonntag erobertes Bergtrikot auf den 148,1 km. Titelverteidiger Pogacar muss sich trotz der knapp verteidigten Gesamtführung nach dem zweiten Coronafall in seinem UAE-Team aber weiter große Sorgen machen. Der Tagessieg ging an den Dänen Magnus Cort Nielsen (EF Education).

Im August 2020 hatte Kämna beim Criterium du Dauphine oben auf dem Flugplatz von Megeve seinen ersten Profisieg gefeiert, einen Monat später bejubelte er in Villard-de-Lans mit einem beeindruckenden Soloritt auf der 16. Etappe seinen ersten Tour-Erfolg.

Am ersten „echten“ Ruhetag am Montag hatte Kämna seine Ambitionen nach dem nur knapp verpassten Sieg am Freitag untermauert. „Es gibt noch ein paar schöne Bergetappen, ich werde es auf jeden Fall noch probieren. Die Chance wird sich noch ergeben“, sagte der deutsche Zeitfahrmeister.

Nach einer erwartet unruhigen Anfangsphase dauerte es knappe 65 km, bis sich eine Fluchtgruppe bildete. Und die ließ sich Kämna nicht entgehen. Ebenfalls mit in der 25 Fahrer starken Gruppe war Georg Zimmermann. Die Gruppe fuhr in der Spitze über neun Minuten auf das Hauptfeld um Dominator Pogacar heraus. Auch ein kurzzeitiger Klimastreik brachte Kämna und Co. zunächst nicht aus dem Konzept.

Im packenden, über 21 km langen Anstieg hinauf nach Megeve schwanden bei Kämna sichtlich die Kräfte, das spannende Finale der Ausreißergruppe, das Magnus Cort im Fotofinish für sich entschied, verfolgte er nur noch aus der Distanz. Dann begann das Warten auf Pogacar. Doch der Slowene war dann doch elf Sekunden zu schnell.

Am Mittwoch steht in den Alpen die zweite Bergankunft auf dem Programm - und die hat es in sich. 36 Jahre nach dem ersten und bisher letzten Besuch der Frankreich-Rundfahrt am Col du Granon Serre Chevalier darf Pogacar gegen seine ärgsten Widersacher keine Schwächen zeigen. Es ist eine Schlüssel-Etappe dieser Tour.

Etappe aufgrund einer Demonstration unterbrochen

Die 10. Etappe der Tour de France musste am Nachmittag unterbrochen werden. Gut 37 Kilometer vor dem Ziel sorgte eine Demonstration für eine Neutralisation des Rennens. Mehrere Personen blockierten die Straße und zündeten unter anderem bengalische Feuer. Es soll sich um Klimaaktivisten gehandelt haben. Nach gut 15 Minuten durften die Fahrer das Rennen fortsetzen.

Bei den Protestierenden handelt es sich um neun Personen einer Umweltschutzbewegung („derniere generation“), die sich unter anderem gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt. Sie hatte mit einer ähnlichen Aktion bei den French Open schon für Aufsehen gesorgt.

Besonders bitter war das für Alberto Bettiol, der gerade einen Vorsprung vor einer größeren Verfolgergruppe herausgefahren hatte, in der sich auch Lennard Kämna befindet.

Die Abstände wurden allerdings nach einem Re-Start wieder hergestellt. Die Fahrer der jeweiligen Gruppen mussten dann so langsam fahren, dass der alte Zeitabstand wieder hergestellt ist.

Das bringt die 10. Etappe

Die zehnte Etappe der 109. Tour de France von Morzine nach Megève ist zwar als bergig ausgewiesen, doch die großen Schwierigkeiten fehlen. Streckenchef Thierry Gouvenou bezeichnete das 148,1 Kilometer sogar als „leichten Regenerationstag“.

Leichte Kost: Die Streckenplaner standen vor einer kniffligen Aufgabe. Sie sollten eine Alpenetappe planen, die am Tag nach dem Ruhetag aber nicht so bergig sein sollte. Herausgekommen ist ein Ausflug zum Genfer See und am Ende wartet der 21 Kilometer lange Anstieg nach Megève. Es ist jedoch nur ein Berg der zweiten Kategorie, vor dem kein Fahrer Angst haben muss.

Geschkes Outfit: Simon Geschke wird in Morzine aus der ersten Reihe starten. Dort versammeln sich stets die Führenden der diversen Wertungen. Der Cofidis-Profi wird dann erstmals bei der Tour das Bergtrikot tragen. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass Geschke im Ziel erneut auf das Podium gerufen wird und das weiße Trikot mit den roten Punkten zum zweiten Mal bekommt.

Hitze als Faktor: In der zweiten Tour-Woche wird es jeden Tag ein wenig wärmer. Schon auf der ersten Alpenetappe nach Chatel hatten einige Fahrer mit der Hitze zu kämpfen. Der Franzose Alexis Vuillermoz musste nach dem Teilstück mit einem Hitzschlag ins Krankenhaus und teilte am Ruhetag seine Aufgabe mit.

Weitere Corona-Fälle überschatten die Tour

Corona-Alarm im Team von Tour-de-France-Spitzenreiter Tadej Pogacar: Am Dienstag wurde der Neuseeländer George Bennett positiv auf das Coronavirus getestet und musste das Rennen aufgeben. Am Wochenende hatte es bereits den Norweger Vegard Stake Laengen aus Pogacars UAE-Team erwischt. Auch Edelhelfer Rafal Majka wurde positiv getestet, durfte das Rennen aber gemäß Reglement weiterfahren, weil der Pole als kaum infektiös gilt. Bei Majka werde die Situation weiter beobachtet, teilte Teamarzt Adrian Rotunno mit.

Für Pogacar ist die Situation aber alles andere als angenehm. Vor den schweren Hochgebirgsetappen bleiben ihm nur noch fünf Helfer. Dabei ist fraglich, wie leistungsfähig Majka ist.

Insgesamt verzeichnete die Tour am Dienstag die Corona-Fälle vier und fünf. Vor Bennett musste der Australier Luke Durbridge aussteigen. Wie Bennett klagte er über milde Symptome. Am Wochenende hatten drei Fahrer, darunter der gut platzierte Franzose Guillaume Martin, wegen eines positiven Tests die Heimreise angetreten. Danach waren am Ruhetag am Montag aber alle obligatorischen Tests der Fahrer negativ ausgefallen.

Einmal vor dem Tour-Start in Kopenhagen und an den Ruhetagen waren Corona-Tests für die Fahrer verpflichtend angesetzt. Viele Teams lassen aber freiwillig testen, um Infektionen rechtzeitig zu erkennen.

+++ 11. Juli +++

Vorjahresvierter O'Connor muss aufgeben

Der Vorjahresvierte Ben O'Connor hat bei der 109. Tour de France verletzungsbedingt vorzeitig aufgegeben. Wie sein Team AG2R Citröen am Ruhetag mitteilte, hat der Australier mit einer Muskelverletzung am rechten Gesäßmuskel zu kämpfen. O'Connor ist nach Teamkollege Geoffrey Bouchard, der am Samstag positiv auf das Coronavirus getestet worden war, der zweite Ausfall der französischen Equipe.

Damit sind noch 164 der ursprünglich gestarteten 176 Fahrer im Rennen. Alle Deutschen sind noch dabei.

Keine weiteren Corona-Fälle bei der Tour

Die Erleichterung stand Tadej Pogacar ins Gesicht geschrieben. Mit der Gewissheit nach der Pflicht-Testreihe rund um den ersten „echten“ Tour-Ruhetag weiterhin vom ständigen „Angstgegner“ Coronavirus verschont geblieben zu sein, schrieb der bislang so unantastbare Titelverteidiger am Teambus fleißig Autogramme für die in Scharen wartenden Fans.

Doch der Schein trügt ein wenig, die Sorgen kann auch der Träger des Gelben Trikots auf dem Weg zum dritten Tour-Sieg in Folge nicht beiseite schieben. „COVID ist nicht mein größter Rivale. Es kann aber die ganze Tour ruinieren. Wir sind jeden Tag unterwegs und werden von vielen Fans unterstützt. Ich mag das, aber das birgt natürlich Gefahren“, sagte Pogacar: „Aber ich hoffe, das war es jetzt für unser Team und wir bleiben bis zum Ende verschont.“

Dann rollte der erst 23 Jahre alte Slowene gemeinsam mit seinen Teamkollegen und Freundin Urska Zigart vom Teamhotel im beschaulichen Alpen-Örtchen La Chappelle-d'Abondance los zur gemeinsamen Ausfahrt. Am Wochenende hatten bei seinem UAE Team Emirates die Alarmglocken geschrillt. Pogacars wichtiger Helfer Vegard Stake Laengen war positiv getestet und aus der Grand Boucle ausgeschlossen worden.

Ebenfalls von einem Fall im eigenen Team betroffen ist Simon Geschke, der am Sonntag seine starke erste Tour-Woche mit der Eroberung des Bergtrikots gekrönt hatte. Vor dem Triumph war Guillaume Martin, Kapitän des französischen Rennstalls Cofidis, als dritter Fall der Tour ausgestiegen.

„Man ist natürlich nervös, wenn man die Sorge hat, zwei Tage später mit dem Bergtrikot nicht mehr an den Start gehen zu können“, sagte der achte deutsche Träger des gepunkteten Trikots dem SID am Montag. Auch beim deutschen Bora-hansgrohe Team herrschte Erleichterung. „Ich versuche das Thema immer auszublenden“, sagte Teamchef Ralph Denk: „Aber wenn dann das negative Ergebnis kommt, ist es dann doch gut und schön.“

Schon vor Beginn der Tour waren einige Profis aus dem Fahrerfeld genommen worden. Der Luxemburger Bob Jungels hingegen, Etappensieger vom Sonntag in Chatel, durfte aufgrund seiner niedrigen Viruslast trotz positiven Tests an den Start gehen. Der Weltverband UCI war Veranstaltern, Teams und Fahrern zum Saisonhöhepunkt mit Lockerungen der Regeln entgegengekommen.

So entfiel etwa die Regel, dass eine Mannschaft aus dem Rennen genommen wird, sobald zwei Fahrer positiv getestet werden. Wird ein Fahrer positiv getestet, wird dieses Ergebnis durch einen PCR-Test überprüft. Zeigt dieser ein negatives Resultat, so wird der Schnelltest als falsch-positiv gewertet - der Fahrer kann das Rennen fortsetzen.

Das wäre im Fall der Fälle in den verbleibenden zwei Tour-Wochen der wohl einzige Rettungsanker für Pogacar und Co. gegen den weiterhin mitfahrenden unsichtbaren „Angstgegner“ Corona.

+++ 10. Juli 2022 +++

Jungels gewinnt erste Alpenetappe – Geschke holt Bergtrikot

Erst schürte das Aus seines Kapitäns die Corona-Sorgen, dann eroberte Simon Geschke das Bergtrikot der Tour de France. Der Berliner nutzte auf der neunten Etappe die unerwarteten Freiheiten und fährt in der kommenden Woche im berühmten weißen Trikot mit den roten Punkten durch die Alpen. Den Etappensieg sicherte sich der Luxemburger Bob Jungels, während der ebenfalls von einem Corona-Fall in seinem Team betroffene Tadej Pogacar das Gelbe Trikot erfolgreich verteidigte.

Geschke ist damit der erste deutscher Radprofi im Bergtrikot seit 2016. Damals trug Paul Voß es für einen Tag. Insgesamt ist der 36-Jährige der achte Deutsche, der die Bergwertung anführt.

„Man kommt nicht immer in die Situation, ein Trikot bei der Tour zu haben. Für mich ist es das erste Mal. Ich bin ein paar Tode gestorben an der letzten Bergwertung. Es hat sich aber gelohnt“, sagte Geschke, der mit mehr als vier Minuten Rpückstand das Ziel erreichte, und ergänzte: „Die Tour ist noch lang. Ich genieße es jetzt, übermorgen im Bergtrikot an den Start zu gehen, wenn mir Corona nicht einen Strich durch die Rechnung macht.“

Kurz vor dem Start in Aigle wurde bekannt, dass Geschkes Kapitän Guillaume Martin wegen eines positiven Coronatests das Rennen verlassen muss. Der studierte Philosoph lag als 14. aussichtsreich im Rennen. Geschke hatte ohnehin vor, in die Fluchtgruppe des Tages zu gehen und setzte seinen Plan in die Tat um. Eine 20 Fahrer starke Gruppe, zu der auch der deutsche Meister Nils Politt gehörte, setzte sich früh ab. Geschke gewann die vorletzte Bergwertung, rettete dann mit letzter Kraft am Schlussanstieg zwei Punkte und hat mit 19 Zählern einen mehr auf dem Konto als Jungels.

Den Tagessieg wollte Dominator Pogacar auf der ersten echten Alpenetappe nicht. Sein UAE-Team verwaltete nur den Vorsprung der Ausreißer. Im nicht allzu schweren Finale hinauf nach Chatel Les Portes du Soleil blieben Attacken der Favoriten aus. In der Gesamtwertung liegt Pogacar 39 vor dem Vorjahreszweiten Jonas Vingegaard aus Dänemark und 1:17 vor dem Waliser Geraint Thomas. Beim Etappensieg von Wout van Aert am Samstag in Lausanne hatte sich Pogacar mit seinem dritten Platz weitere vier Bonussekunden gesichert.

Pogacar machen die Sorgen über das Coronavirus mehr zu schaffen als die Konkurrenz im Rennen. Der 23-Jährige sorgt sich vor allem um die Gefahr von außen. „Jeden Tag schreien einen die Leute an den Anstiegen an, was ich mag. Aber es steigert die Wahrscheinlichkeit, sich mit Viren anzustecken“, sagte der Slowene. Pogacar hofft, dass das Virus nicht in der Team-Blase ist und der Norweger sich tatsächlich durch einen Fan angesteckt hat. „Ich hoffe, dass es das war und wir bis zum Ende sicher sind.“

Drei neue Fälle gab es über das Wochenende. Neben Martin und Poagcars Teamkollegen Vegard Stake Laengen musste auch der Franzose Geoffrey Bouchard das Rennen verlassen. Vor dem ersten Ruhetag am Montag stieg die Nervosität im Peloton, wie viele Fahrer es bei den ersten verpflichtenden seit dem Start in Kopenhagen Tests erwischen würde. Nach über einer Woche Ruhe ist das Virus plötzlich zurück im Peloton, nachdem vor dem Start in Kopenhagen sechs Fahrer ihren Start zurückziehen mussten. Ironischerweise wurde Jungels vor dem Start ebenfalls positiv getestet, profitierte jedoch von einer neuen Regeln, nach der ein symptomfreier und nciht ansteckender Profi trotzdem fahren darf.

Das Cofidis-Team von Geschke und Max Walscheid war die erste Équipe, die ihren Kapitän verlor. „Man kann nur das Möglichste tun, um sich zu schützen. Ich denke, das haben wir auch gut gemacht. Das ist dann einfach Pech“, sagte Walscheid der Deutschen Presse-Agentur vor dem Start der neunten Etappe und fügte hinzu: „Das ist schon blöd, weil wir uns alle so akribisch vorbereiten und einfach das Rennen so groß und so hart ist. Es lässt sich einfach nicht ändern. Das gehört jetzt leider dazu, damit müssen wir umgehen.“ Walscheid rechnet noch mit weiteren Fällen.

Pogacar gab sich daegegen noch relativ gelassen. „Covid ist kein Rivale. Es ist nur ein Virus, das Dinge beeinflussen und eine Tour ruinieren kann“, sagte Pogacar. Rivalen seien Fahrer von Teams wie Jumbo und Ineos. Der 23-Jährige sei zuversichtlich, dass sein UAE-Team auch mit sieben Fahrern noch stark genug sei.

Martin mit Corona raus

Die Tour de France hat ihren dritten Coronafall im Fahrerfeld. Der französische Radprofi Guillaume Martin wurde am Sonntag vor der neunten Etappe positiv auf COVID-19 getestet und aus dem Rennen genommen. Martin war Kapitän des französischen Rennstalls Cofidis, in dem auch der Deutsche Simon Geschke (36) unter Vertrag steht.

Am Vortag hatte es die ersten beiden Coronafälle im Peloton gegeben. Geoffrey Bouchard (AG2R-Citroen) aus Frankreich und der Norweger Vegard Stake Laengen aus dem UAE-Team des Titelverteidigers und Gesamtführenden Tadej Pogacar wurden vor dem Start der achten Etappe von Dole nach Lausanne positiv getestet.

„COVID ist nicht mein größter Rivale. Es kann aber die ganze Tour ruinieren. Wir sind jeden Tag unterwegs und werden von vielen Fans unterstützt. Ich mag das, aber das birgt natürlich Gefahren“, hatte der 23-Jährige Slowene im Anschluss gesagt.

Erste Alpenetappe steht an

Vor dem ersten Ruhetag steht die erste richtige Alpenetappe der Tour de France an. Auf dem 192,9 Kilometer langen Weg von Aigle nach Chatel Les Portes du Soleil müssen vier Anstiege bewältigt werden, wovon zwei der ersten Kategorie zugeordnet wurden.

Zu Besuch bei den Chefs: Die neunte Etappe startet in Aigle am Sitz des Radsport-Weltverbandes UCI. Wer sich als Zuschauer dort positioniert, bekommt die Fahrer zweimal zu Gesicht. Denn von Aigle aus macht das Peloton eine Schleife durch die Schweiz, ehe es erneut bei der UCI vorbeischaut. Da am Montag der erste Ruhetag ansteht, können die Profis etwas mehr Kräfte investieren als auf einer normalen Alpenetappe.

Zu leicht für Attacken: Der Anstieg zum Pas de Morgins kurz vor dem Ziel ist zwar mit über 15 Kilometern recht lang, doch nie wirklich schwer. Spitzenreiter Tadej Pogacar wird man mit Attacken nicht abhängen können. Dann folgt eine etwa sechs Kilometer lange Abfahrt, ehe es - sehr moderat steigend - vier Kilometer hoch zum Ziel geht. Aber für Lennard Kämna könnte sich in einer Fluchtgruppe eine Chance ergeben.

Corona-Sorge: Am Samstagmorgen schreckten zwei Corona-Fälle das Peloton auf. Pogacars Helfer Vegard Stake Laengen und Geoffrey Bouchard mussten das Rennen aufgeben. Nach über einer Woche Ruhe ist das Virus plötzlich zurück. Selbstredend geht die Sorge vor weiteren Fällen um. Die Teams und der Veranstalter ASO werden die Entwicklung genau verfolgen und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen.

van Aert holt zweiten Etappensieg

Der belgische Radprofi Wout van Aert hat vor der malerischen Alpenkulisse am Genfer See das achte Teilstück der Tour de France gewonnen. Beim Abstecher in die Schweiz setzte sich der 27-Jährige vom Team Jumbo-Visma im schwierigen Etappenfinale am Olympiastadion von Lausanne durch. Titelverteidiger Tadej Pogacar fuhr auf Platz drei und verteidigte das Gelbe Trikot erfolgreich, muss sich aber wegen eines Coronafalls in seinem Team Sorgen machen.

Auf den letzten Kilometern der 186,3 km langen Etappe auf mittelschwerem Terrain mussten die Fahrer einen kurzen giftigen Anstieg bewältigen. Die Topfahrer blieben bis zum Ende zusammen, ehe van Aert im Bergsprint die besten Beine hatte.

Der Träger des Grünen Trikots trat aus Pogacars Windschatten heraus an und holte sich den Etappensieg am Sitz des Internationalen Olympischen Komitees - vor Michael Matthews aus Australien. Die deutschen Fahrer um Lennard Kämna (Bora-hansgrohe), dessen Traum vom zweiten Tour-Etappensieg am Freitag erst wenige Meter vor dem Ziel geplatzt war, konnten im Finale nicht entscheidend eingreifen.

Stunden zuvor hatte der Tag mit schlechten Nachrichten begonnen: Das Coronavirus erreichte das Fahrerfeld, als Geoffrey Bouchard und Vegard Stake Laengen im Vorfeld der Etappe positiv getestet wurden. Letzterer fährt pikanterweise für das UAE Team Emirates - dem Rennstall von Titelverteidiger Pogacar. Der wurde zwar am Samstag wie auch alle restlichen Teammitglieder negativ getestet, doch der Fall in den eigenen Reihen dürfte beim bislang so unantastbaren Dominator die Angst vor einem coronabedingten Tour-Aus schüren.

Nach den zwei zusätzlichen Ausfällen gingen in Dole im französischen Jura noch 170 von ehemals 176 Fahrern an den Start. Bereits nach wenigen Kilometern kam es bei hoher Geschwindigkeit von fast 60 km/h zu einem Massensturz im Feld, bei dem zahlreiche große Namen beteiligt waren. Maximilian Schachmann vom Team Bora-hansgrohe verletzte sich dabei leicht im Gesicht, konnte aber weiterfahren. Auch Pogacar wurde aufgehalten, kam aber ohne Sturz davon und wurde von seinem Team schnell wieder ins Feld zurückgeführt, das Tempo herausgenommen hatte.

Der allgemeine Trubel spielte den drei Ausreißern in die Karten, die sich kurz vor dem Massensturz gefunden hatten. Der Brite Fred White, der Belgier Frederik Frison und Mattia Cattaneo aus Italien fuhren in der Folge einige Minuten Vorsprung heraus, wurden vom Feld aber anschließend an der kurzen Leine gehalten. Wright wurde dennoch erst kurz vor dem Ziel eingeholt, nachdem das große Finale Fahrt aufgenommen hatte.

Am Sonntag geht es nach dem Start in Aigle, dem Sitz des Radsport-Weltverbandes UCI, erstmals in die Alpen. Auf der Bergetappe hinauf zum Chatel les Portes du Soleil müssen die Fahrer unter anderem zwei Anstiege der ersten Kategorie bezwingen. Die Top-Favoriten dürften hier nochmals in Erscheinung treten, ehe am Montag eine Woche nach dem Transfer von Dänemark nach Frankreich der erste „echte“ Ruhetag der Tour auf dem Programm steht.

Zwei Coronafälle unter den Fahrern

Die 109. Tour de France hat ihre ersten beiden Coronafälle im Fahrerfeld. Der französische Radprofi Geoffrey Bouchard (AG2R-Citroen) und der Norweger Vegard Stake Laengen aus dem UAE-Team des Titelverteidigers und Gesamtführenden Tadej Pogacar wurden vor dem Start der 8. Etappe von Dole nach Lausanne positiv auf COVID-19 getestet.

Der 30 Jahre alte Bouchard und Stake Laengen (33) wurden umgehend von ihren Teams isoliert. Schon während der Etappe am Vortag habe er sich nicht wohlgefühlt, sagte Bouchard. Die Tests seiner Teamkollegen waren negativ. Stake Langen soll nach der Bergankunft an der Super Planche des Belles Filles am Freitag über erste Symptome geklagt haben.

170 von 176 der am 1. Juli in Kopenhagen gestarteten Radprofis sind bei der Großen Schleife noch dabei. Alle neun deutschen Starter sind im Rennen.

Das erwartet die Fahrer auf der 8. Etappe

Achte Etappe, viertes Land: Nach Tagen in Dänemark, Belgien und natürlich Frankreich zieht die Tour de France am Samstag weiter in die Schweiz. In Lausanne wartet eine herausfordernde Zielankunft.

Vom See zum Stadion: Von den 186,3 Kilometern von Dole nach Lausanne hat es das Finale in sich. Vom Ufer des Genfer Sees wird das Feld hinauf zum Olympiastadion geführt. Allein der letzte Kilometer weist Abschnitte mit bis zu 13 Prozent Steigung auf. Die Favoriten müssen einmal mehr wachsam sein.

Pause für Bora: Nach der furiosen Fahrt von Lennard Kämna bei der ersten Bergankunft muss das deutsche Team Bora-hansgrohe durchschnaufen. „Wir müssen uns erst einmal sammeln“, sagte Sportchef Rolf Aldag. Dass beim Abstecher in die Schweiz ein Fahrer der bayrischen Équipe in eine Fluchtgruppe geht, ist eher unwahrscheinlich.

Hattrick von Pogacar: Zwar liegt das Finale der Etappe dem Spitzenreiter, doch nach zwei Siegen hintereinander dürfte Tadej Pogacar der Konkurrenz den Jubel überlassen. „Bisher nehmen sie mit, was geht“, sagte Aldag zur Taktik von Pogacars Team UAE. Doch die Mannschaft wird sich eine Pause gönnen und sich auf die Kontrolle des Rennens beschränken. Nicht ausgeschlossen, dass Pogacar am Ende trotzdem versuchen wird, erneut einige Sekunden gegen die Konkurrenz um den Gesamtsieg herauszufahren.

Kämna verpasst knapp den Etappensieg

Lennard Kämna hat den Sieg bei der ersten Bergankunft der 109. Tour de France hauchdünn verpasst. Der 25 Jahre alte Radprofi wurde am Freitag auf dem siebten Teilstück über 176,4 Kilometern von Tomblaine nach La Super Planche des Belles Filles rund 100 Meter vor dem Ziel von den Topstars noch eingeholt und belegte den vierten Platz. Den Sieg holte sich der slowenische Vorjahressieger Tadej Pogacar vor dem Dänen Jonas Vingegaard. Pogacar verteidigte damit auch das Gelbe Trikot erfolgreich.

Für Kämna wäre es der zweite Tour-Etappensieg nach 2020 gewesen, als er in Villard-de-Lans triumphiert hatte. Im Mai dieses Jahres hatte er bereits beim Giro d'Italia die Bergankunft auf dem Ätna gewonnen.

Kämna gehörte einer Ausreißergruppe um Bora-hansgrohe-Teamkollege Maximilian Schachmann sowie Simon Geschke an, die sich nach gut 50 Kilometern abgesetzt hatte. Am Schlussanstieg mit bis zu 24 Prozent Steigung zog Kämna dann alleine weg, ehe die Favoriten kurz vor dem Ziel doch noch vorbeizogen.

Am Samstag wird die Tour mit der achten Etappe über 186,3 Kilometer von Dole nach Lausanne fortgesetzt. Der letzte Kilometer weist dabei Abschnitte mit bis zu 13 Prozent Steigung auf. Entsprechend wachsam müssen die Favoriten sein.

Das erwartet die Fahrer auf der siebten Etappe

Die Tour macht ernst: Die siebte Etappe endet mit der ersten wirklichen Bergankunft. Und die erste Bergankunft der 109. Tour de France hat es in sich. Die Super Planche des Belles Filles in den Vogesen weist am Ende gewaltige Steigungen auf. Der Gesamtführende Tadej Pogacar will die 176,3 Kilometer lange Etappe mit Start in Tomblaine gewinnen: „Natürlich will ich dort den Sieg. Das ist ein besonderer Anstieg für mich.“

Schotter auf der Skipiste: Der finale Anstieg ist nur sieben Kilometer lang, hat es aber in sich. Zum einen kommen die steilsten Abschnitte mit 20 und 24 Prozent ganz am Ende. Und um das Ganze noch ein wenig schwieriger zu gestalten, hat man nicht die ganze Auffahrt asphaltiert, die eigentlich als Skipiste konzipiert ist. So müssen sich die Profis auch über einige Meter Schotter quälen.

Urska an der Ziellinie: Der Anstieg zur Planche ist für Tadej Pogacar ohnehin besonders. 2020 gewann er dort durch einen Etappensieg am vorletzten Tag die Tour de France. Und auch am Freitag dürfte die Motivation passen. „Meine Freundin wird an der Ziellinie stehen, und meine Eltern werden auch da sein“, sagte Pogacar. Freundin Urska Zigart ist ebenfalls Radprofi.

Chance für Kämna: Beim diesjährigen Giro d'Italia gewann Lennard Kämna die erste Bergankunft. Bei der Tour könnte dem 25-Jährigen ein ähnlicher Coup gelingen. Sein Team Bora-hansgrohe will einen Fahrer in eine Ausreißergruppe schicken, und Kämna ist mit seinen Qualitäten am Berg prädestiniert dafür. Die meisten Sportchefs rechnen zudem damit, dass eine Gruppe durchkommt.

Schachmann kritisiert Fahrweise von Team Jumbo-Visma und Roglic deutlich

Der deutsche Radprofi Maximilian Schachmann hat die Fahrweise des Teams Jumbo-Visma um Topfahrer Primoz Roglic bei den bisherigen Etappen der 109. Tour de France heftig kritisiert. „Jumbo muss sich mal ein bisschen einkriegen“, sagte der 28-Jährige im Anschluss an die sechste Etappe, bei der sein Kapitän Alexander Wlassow aus dem Bora-hansgrohe-Team in der Schlussphase zu Fall gekommen war.

„Roglic hat wieder diesen Sturz ausgelöst“, sagte der zweimalige Paris-Nizza-Gewinner: „Weil die alle wieder wie die Kaputten auf dem letzten Zentimeter fahren, es aber nicht können und sich dann an der Straßenkante aufhängen.“ Dies sei eine Gefährdung aller Fahrer, meinte Schachmann: „Und das ist unnötig.“

Auf der fünften Etappe am Mittwoch hatte das von Schachmann kritisierte niederländische Team seinerseits mit Stürzen zu kämpfen gehabt. Unter anderem war Roglic, Tour-Zweiter von 2020, zu Fall gekommen und hatte im Anschluss viel Zeit auf Titelverteidiger Tadej Pogacar verloren.

+++ 7. Juli +++

Pogacar gewinnt sechste Tour-Etappe und holt Gelb

Titelverteidiger Tadej Pogacar hat die sechste Etappe der 109. Tour de France gewonnen und damit auch das Gelbe Trikot übernommen. Der Slowene siegte auf dem mit 219,9 Kilometern längsten Teilstück dieser Tour vom belgischen Binche nach Longwy vor dem Australier Michael Matthews und dem Franzosen David Gaudu.

Pogacar verdrängte damit den Belgier Wout van Aert vom ersten Gesamtrang. Van Aert musste nach einem langen Ausreißversuch zehn Kilometer vor dem Ziel abreißen lassen.

Nach der längsten Etappe müssen die Favoriten am Freitag bei der ersten Bergankunft ihre Form zeigen. Der sieben Kilometer lange Anstieg zur La Super Planche de Belles Filles ist vor allem am Ende ein Monster. Es warten Steigungen von 20 und 24 Prozent, zudem ist die Straße teilweise nicht asphaltiert. Eigentlich ist die Planche eine Skispiste, wurde vor zehn Jahren von den Tour-Organisatoren entdeckt und erstmals ins Programm genommen.

Nach Crash mit Fan: Oss muss Tour mit Halswirbelbruch aufgeben

Nach dem spektakulären Crash mit einem Zuschauer muss auch Daniel Oss die Tour de France aufgeben. Sein Team TotalEnergies teilte in der Nacht zum Donnerstag mit, dass weitere Untersuchungen einen Halswirbelbruch ergeben hätten. „Er darf sich für einige Wochen nicht bewegen und muss die Tour verlassen“, hieß es in der Mitteilung. Der Unfall auf dem dritten Kopfsteinpflastersektor der fünften Etappe hatte bereits den Österreicher Michael Gogl zur Aufgabe wegen eines Becken- und Schlüsselbeinbruchs gezwungen.

+++ 6. Juli +++

Österreicher Gogl muss nach spektakulären Crash mit Fan operiert werden

Ein folgenschwerer Zusammenprall mit einem Zuschauer hat den österreichischen Radprofi Michael Gogl zur Aufgabe bei der Tour de France gezwungen. Auf der fünften Etappe touchierte zunächst der Schweizer Daniel Oss einen unachtsamen Zuschauer auf einer Kopfsteinpflasterpassage mit dem Kopf und kam zu Fall. Der dahinter ranrasende Gogl konnte bei hoher Geschwindigkeit nicht mehr ausweichen und flog über das Rad von Oss. Dabei zog sich Gogl nach Angaben seines Teams Alpecin-Deceuninck einen Beckenbruch und einen Schlüsselbeinbruch zu und muss operiert werden.

Sowohl Oss als auch der ebenfalls in den Sturz verwickelte Danny van Poppel setzten das Rennen fort. „Leute, bitte bleibt von der Straße weg“, schrieb Radprofi Simon Geschke bei Twitter. Bereits im vergangenen Jahr war es bei der Tour zu einem schweren Sturz gekommen, als der Deutsche Tony Martin in das auf die Straße gehaltene Pappschild einer Zuschauerin raste, mit dem sie ihre Großeltern grüßen wollte.

Pogacar weist Konkurrenz in die Schranken

Titelverteidiger Tadej Pogacar hat seinen ärgsten Rivalen in der „Hölle des Nordens“ eine Lektion erteilt und ist beim brutalen Kopfsteinpflaster-Abstecher der Tour de France nur knapp am Gelben Trikot vorbeigeflogen. In einer chaotischen und von vielen Stürzen überschatteten Staubschlacht machte der 23 Jahre alte Slowene beim Überraschungssieg des Australiers Simon Clarke einen weiteren Schritt zu seinem dritten Gesamtsieg.

Pogacar als Siebter kam 51 Sekunden hinter einer sechsköpfigen Ausreißergruppe um Clarke ins Ziel, nachdem er sich mit einem starken Antritt aus dem verbliebenen Hauptfeld gelöst hatte. Mit einer fulminanten Aufholjagd rettete der früh gestürzte Belgier Wout van Aert das Gelbe Trikot und sorgte an einem rabenschwarzen Tag für das Jumbo-Team für Schadensbegrenzung.

Die deutschen Hoffnungen auf einen großen Coup von John Degenkolb oder Nils Politt erfüllten sich hingegen nicht. Stattdessen glänzend Max Walscheid trotz eines spektakulären Überschlags in der Anfangsphase als Zwölfter und Max Schachmann auf Platz 13.

„Es war extrem schnell schon durch die neutrale Phase, extrem hektisch, zahlreiche Stürze. Richtung erste Paves war es extrem schnell, es wurde gar nicht mehr langsam. Es war ein Ausscheidungsfahren nach hinten“, sagte Schachmann.

Jumbo-Topstar Primoz Roglic war mit 2:08 Rückstand auf Pogacar der Verlierer des Tages, auch er war gestürzt. Aber auch allen anderen Herausforderern nahm der 23 Jahre alte Pogacar mit einer taktischen Meisterleistung auf unbekanntem Terrain - Paris-Roubaix hat er nie bestritten - Zeit ab. Dem dänischen Vorjahreszweiten Jonas Vingegaard allerdings nur 13 Sekunden.

In der Gesamtwertung führt van Aert mit 13 Sekunden Vorsprung auf den US-Amerikaner Neilson Powless, der beim größten Karriere-Erfolg von Überraschungsmann Clarke Vierter wurde. Pogacar liegt auf Platz vier (+0:19) und könnte am Freitag bei der ersten Bergankunft Gelb übernehmen.

Große Probleme hatte frühzeitig van Aert: Einen Tag nach seinem grandiosen Etappensieg von Calais geriet er in einem nervösen Rennen in Schwierigkeiten, als er nach rund 60 km an einer Verkehrsinsel stürzte und sich erst mühsam offenbar mit Schmerzen an der Schulter aufrappelte.

Weil das Feld zu diesem Zeitpunkt schnell unterwegs war, musste van Aert eine Lücke von mehr als einem Kilometer zufahren - und entging dabei nur knapp einem erneuten Crash, als er unaufmerksam beinahe auf ein bremsendes Teamfahrzeug auffuhr. Der Belgier hatte zudem Glück, dass er trotz grenzwertiger Aufholjagd im Auto-Windschatten ohne Zeitstrafe davon kam.

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(rent/lonn/old/dör/ako/dpa/SID)