Radsport: Marcel Kittel - "Gänsehaut, wenn ich an Düsseldorf denke"

Radsport-Star Marcel Kittel: "Gänsehaut, wenn ich an Düsseldorf denke"

Marcel Kittel war im Sommer ein Star der Tour de France. Der Sprinter hält nun den Rekord für deutsche Etappensiege. In der neuen Saison fährt Kittel mit Tony Martin in einem Team. Die Erwartungshaltung ist dementsprechend groß.

Marcel Kittel ist beileibe nicht der einzige Deutsche, der dem hiesigen Schmuddelwetter in Richtung Mallorca entflohen ist. Doch anders als mancher Urlauber ist der Rad-Sprinter aus Thüringen nicht zum Ausspannen auf der Baleareninsel, sondern zum Arbeiten. Für Kittel steht das erste Trainingslager mit seinem neuen Katjuscha-Alpecin-Team an. In Cala d'Or an der Südostküste. Im dortigen Klub-Hotel waren auch schon Jan Ullrich, Erik Zabel und Co. zu Hochzeiten des Teams Telekom abgestiegen.

Heute ist Kittel der Star, das sehen auch seine neuen Kollegen so. "Er ist einfach eine Rakete. Optimal, dass er bei uns ist", findet Rick Zabel, Eriks Sohn. "Wenn du Marcel 200 Meter vor dem Ziel vorne ablieferst, fährt kein Fahrer der Welt mehr an ihm vorbei - vorausgesetzt, er hat keinen Platten." Sie versprechen sich also eine ganze Menge beim deutsch-russisch-schweizerischen Rennstall von ihrer prominenten Verpflichtung. Schließlich war Kittel bei der Tour de France im Juli einer der Stars. Er gewann - noch im Trikot von Quick-Step - fünf Etappen, überholte Zabel senior damit als den Deutschen mit den meisten Tagessiegen (14) und galt bis zu seinem sturzbedingten Ausscheiden als großer Favorit auf das Grüne Trikot. "Das war ein Hammer-Jahr für mich. Aber um ehrlich zu sein, fahre ich nicht professionell Rennrad, um Rekorde zu brechen. Im Fokus stehen bei mir Etappensiege. Es muss schon vieles zusammenpassen, um das Grüne Trikot nach Paris tragen zu können", sagt Kittel unserer Redaktion.

Der Grand Départ vor heimischem Publikum in Düsseldorf hievte Kittel ins Blickfeld einer breiteren Öffentlichkeit. Einen Fakt, den der Mann mit den hochgekämmten Haaren für sich zu nutzen wusste. Mit Leistungen auf der Straße und als Frohnatur am Rand. "Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich an den Tour-Auftakt in Düsseldorf denke", sagt Kittel. Er hofft, dass nicht nur er, sondern der gesamte Radsport hierzulande einen positiven Effekt aus dem zurückliegenden Sommer ziehen kann. "Der deutsche Radsport sollte diesen Rückenwind nutzen. Wir haben viele Talente, und mit dem Comeback der Deutschland-Tour ist schon ein erster Schritt getan." Die kehrt im August nach zehnjähriger Abstinenz in den Rennkalender zurück. Für die Neuauflage kann es aus Kittels Sicht nur ein Ziel geben. "Dass deutsche Fahrer erfolgreich sind. Nur dann wird die Aufmerksamkeit in der breiten Masse da sein", sagt er.

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Kittel beginnt seine Saison Anfang Februar bei der Dubai-Tour, danach sind Starts in Abu Dhabi und bei Paris-Nizza Anfang März geplant. Anders als Kumpel und Zeitfahrweltmeister Tony Martin will sich Kittel aber vor der Deutschland-Tour und dem Saisonhöhepunkt Tour de France im Juli nicht auch noch im Mai den Giro d'Italia antun. "Er wird das Team noch mal ein ganzes Stück nach vorn bringen - mit seiner Aura, mit seiner Erfahrung und mit seinen Erfolgen", ist sich Martin mit Blick auf Kittel sicher.

Neben den beiden und Zabel junior stehen in Nils Politt und dem U23-Zeitfahrweltmeister von 2016, Marco Mathis, noch zwei Deutsche im Katjuscha-Team, dessen geschätzter Etat bei 17 Millionen Euro liegen soll. Hinzukommt deutsches Personal im Betreuerstab. "Ich verstehe, wenn wir als deutsches Team wahrgenommen werden. Aber von einer Nationalmannschaft würde ich noch nicht sprechen. Wir sind in erster Linie ein internationales Team", sagt Kittel.

In jedem Fall eines mit einem deutschen Star.

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(klü)