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Radsport: Lance Armstrongs Doping-Arzt laut Bericht in Verbindung mit Jakob Fuglsang

Radsport : Bericht rückt Fuglsang in die Nähe von Dopingarzt Ferrari

Lance Armstrongs skandalumwitterter früherer Arzt Michele Ferrari treibt im Profi-Radsport angeblich weiter sein Unwesen. Jetzt wird er in Verbindung mit einem der besten Radfahrer des vergangenen Jahres gebracht.

Lance Armstrongs skandalumwitterter Doping-Doktor Michele Ferrari wurde mit einem Top-Fahrer des Vorjahres in Verbindung gebracht, in Österreich legte Ex-Profi Stefan Denifl auf der Anklagebank ein Geständnis ab und zeichnete ein düsteres Bild: Der Radsport ist am Montag von Doping-Schlagzeilen aufgeschreckt worden.

In Dänemark berichtete die Tageszeitung Politiken, dass Ferrari, Spitzname "Dottore Epo", Beziehungen zum Astana-Team unterhalten und 2019 Top-Fahrer Jakob Fuglsang (Dänemark) betreut haben soll. Das Blatt verweist dabei auf einen vertraulichen 24-seitigen Bericht der unabhängigen Anti-Doping-Kommission CADF.

Demnach soll Ferrari das Astana-Team bei der Katalonien-Rundfahrt im März begleitet haben. In Nizza/Monaco sei es zu einem Treffen mit Fuglsang gekommen, bei dem auch dessen kasachischer Teamkollege Alexej Luzenko anwesend gewesen sei, heißt es angeblich in dem Bericht.

Der 66-jährige Ferrari, der als eine der Schlüsselfiguren in Armstrongs Dopingsystem galt, dementierte alle Vorwürfe. "Leider sehe ich mich einmal mehr dazu gezwungen, den jüngsten Schwindel der Medien zu dementieren", hieß es in einer Stellungnahme auf seiner Webseite. Unter anderem erklärte Ferrari, seit einem Jahrzehnt in keiner Beziehung zu Astana-Fahrern zu stehen und in 20 Jahren bei keinem Radrennen mehr gewesen zu sein.

Auch Fuglsang stritt die Vorwürfe vehement ab. "Ich bestreite, dass ich mich mit Dr. Ferrari getroffen habe", schrieb der Däne bei Instagram: "Mir ist kein Bericht bekannt, und ich kann bestätigen, dass die zuständigen Anti-Doping-Behörden noch kein Verfahren gegen mich eingeleitet haben. Dementsprechend habe ich keinen Grund, dazu Stellung zu beziehen. Ich bin äußerst besorgt, dass solche Gerüchte in der Presse verbreitet werden können."

Das Astana-Team äußerte sich ebenfalls. Die Equipe sei dem Anti-Doping-Kampf verschrieben und verlange von ihren Fahrern die Einhaltung aller entsprechenden Regeln. Auch der Kontakt zu gesperrten Medizinern sei untersagt. Das Aufsuchen teamexterner Ärzte bei Fragen, die in Zusammenhang mit der Leistungsfähigkeit stehen, sei nicht erlaubt.

Zudem verwies Astana auf die für das Jahr 2020 erneuerte Lizenz als Beleg für die Einhaltung aller Verpflichtungen. Man stehe in Kontakt mit der CADF und dem Weltverband UCI. "Bislang wurden keine Maßnahmen gegen einen Fahrer eingeleitet", hieß es in der Stellungnahme.

Der 34-jährige Fuglsang fuhr 2019 eine seiner stärksten Saisons. Er gewann den Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich und das Tour-Vorbereitungsrennen Criterium du Dauphine. Bei der Vuelta in Spanien gewann Fuglsang eine Etappe.

Derweil gestand Ex-Radprofi Denifl vor dem Innsbrucker Landgericht Blutdoping. Der Prozess gegen den 32-Jährigen, der im Zuge der Operation Aderlass aufgeflogen war, wurde aber zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben. Das bestätigte ein Sprecher des Gerichts dem SID.

Denifl habe demnach erfolgreich darauf bestanden, dass zunächst weitere Zeugen vernommen werden müssten. Dabei handele es sich um Vertreter der Radsport-Teams, die ihn eingestellt hatten. "Das kann einige Zeit dauern, bis wir diese Personen ausfindig gemacht haben", erklärte der Gerichtssprecher.

Der Sieger der Österreich-Rundfahrt von 2017 will beweisen, dass die Teams, für die er gefahren ist, von seinen Doping-Praktiken gewusst haben und ihn deshalb der Vorwurf des Betruges nicht trifft. Außerdem soll genau geklärt werden, in welcher Form den Teams ein Schaden entstanden ist.

Denifl, der von 2016 bis 2018 Blutdoping betrieben haben soll, ist wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen schweren Betrugs angeklagt. Er gestand Blutdoping ein, versicherte aber auch, dass er kein Verbrecher sei. Im Profibereich würden Leistungen verlangt, die ohne Doping nicht mehr möglich seien. Die Teams wüssten darüber Bescheid, ohne Doping hätte er nach einer Knieverletzung nie einen Vertrag erhalten, sagte Denifl.

(eh/sid)