Giro d'Italia: Ex-Skispringer Roglic deklassiert die Konkurrenz schon zum Auftakt

Giro d’Italia : Ex-Skispringer Roglic deklassiert die Konkurrenz schon zum Auftakt

Primoz Roglic hat seine Favoritenrolle beim Giro unterstrichen. Der Ex-Skispringer fährt beim Zeitfahren in einer anderen Liga. Überraschen kann Altstar Nibali, was seine Fans freut. Als großer Verlierer steht nach dem Auftakt Ex-Zeitfahr-Weltmeister Dumoulin da.

Topfavorit Primoz Roglic hat seinen Rivalen gleich zum Auftakt des 102. Giro d'Italia einen schweren Schlag versetzt. Der frühere Skispringer stürmte am Samstag beim acht Kilometer langen Einzelzeitfahren in Bologna vor mehr als 100 000 Zuschauern am schnellsten die Rampen zur Santuario di San Luca hinauf und siegte mit 19 Sekunden Vorsprung auf Vuelta-Champion Simon Yates. Der italienische Hoffnungsträger Vincenzo Nibali wurde 23 Sekunden zurück Dritter. Zeitfahrspezialist Tom Dumoulin, der schon zweimal den Giro-Auftakt der Radprofis gewonnen hatte, enttäuschte mit fast einer halben Minute Rückstand auf Platz fünf. Von den acht deutschen Fahrern konnte sich keiner im Vorderfeld platzieren.

„Das ist ein tolles Gefühl. Es fühlt sich verrückt an. Wir haben einen perfekten Job gemacht. Mein Fokus lag nicht auf Dumoulin, sondern es ging darum, das bestmögliche Zeitfahren hinzulegen. Das hat bestens geklappt“, sagte Roglic, der vor allem auf dem zwei Kilometer langen Schlussanstieg die Konkurrenz distanzierte. Damit wurde der 29-Jährige gleich seiner Favoritenrolle gerecht, denn Roglic ist in dieser Saison der Überflieger bei den Rundfahrten. Erst in der vergangenen Woche hatte er die Tour de Romandie gewonnen, insgesamt steht er schon bei acht Saisonsiegen.

Dabei ist Roglic, der als Junior noch WM-Gold im Mannschafts-
Skispringen gewonnen hatte, erst seit 2016 im Profigeschäft. Doch seitdem hat er sich rasend schnell in die Weltspitze vorgearbeitet. Schon mit seinem vierten Platz bei der Tour de France im vergangenen Jahr hat er sein Potenzial angedeutet.

Mit einer derartigen Überlegenheit von Roglic hätte aber keiner gerechnet, denn der Kurs war eigentlich wie gemacht für Dumoulin. Doch der Niederländer, 2017 immerhin Gesamtsieger und im vergangenen Jahr als Zweiter knapp von Chris Froome geschlagen, scheint offenbar von seiner Bestform ein gutes Stück entfernt zu sein. Ohnehin wartet der Kapitän des deutschen Sunweb-Teams in 2019 noch auf einen Sieg.

Aus Angst vor Regen in den Abendstunden waren bis auf Vuelta-Champion Simon Yates alle Stars gleich am Anfang auf die Strecke gegangen. Es blieb aber trocken, Yates konnte auch zu später Stunde noch eine schnelle Zeit fahren. Dumoulin hatte indes den 102. Giro gar eröffnet. Doch auf dem Weg nach San Luca hinauf war ihm anzusehen, dass es nicht sein Tag war. Sogar Altstar Nibali, eigentlich kein Zeitfahrspezialist, war schneller. „Eine wirklich gute Zeit“, sagte der 34-Jährige, der in diesem Jahr zum ältesten Giro-Sieger aufsteigen könnte. Dafür benötige er „einen Geniestreich“, betonte Nibali.

Getragen wurde der Giro-Champion von 2013 und 2016 auch von seinen Landsleuten am Straßenrand. „Eine fantastische Atmosphäre“, sagte Nibali, der sich von Roglic beeindruckt zeigte. „Wie er gefahren ist, gehört er zu den stärksten Konkurrenten. Aber die Dinge können sich schnell ändern.“

Am Sonntag sollte es auf der zweiten Etappe über 205 Kilometer von Bologna nach Fucecchio keine Veränderungen an der Spitze der Gesamtwertung geben. Stattdessen dürfen die Sprinter auf eine Massenankunft hoffen. Dann bietet sich für den deutschen Meister Pascal Ackermann die erste Chance auf einen Etappensieg bei seinem Giro-Debüt.

(eh/dpa)
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